Die Unterhosen gehen hervorragend
BND will sein Image mit "Fan-Artikeln" aufpolieren

Strengste Geheimniskrämerei war jahrelang sein Markenzeichen. "Neue Offenheit" und "Geheimdienst zum Anfassen" heißt jetzt die neue Devise bei dem für die Auslandsaufklärung zuständigen Geheimdienst.

HB/dpa MÜNCHEN. Immer wieder waren die Pullacher "Schlapphüte" wegen umstrittener Aktivitäten in den Schlagzeilen, nun soll das Image auch mit dem Verkauf von "Fan- Artikeln" kräftig aufpoliert werden. Sogar BND-Unterhosen werden angeboten - mit den Aufschriften "Bundesnachrichtendienst" sowie einem der Verschlussgrade: "Amtlich geheim gehalten", "Verschlusssache" oder "Nur für den Dienstgebrauch".

Schals, Krawatten und Blousons mit dem BND-Logo runden das Angebot ab, bestätigte eine BND-Sprecherin am Donnerstag einen Bericht des Magazins "Stern". Das "Agenten-Sortiment" soll ab dem kommenden Herbst in einem öffentlichen BND-Shop in Berlin angeboten werden. Bisher gibt es die Artikel nur für BND-Mitarbeiter in der Kantine der Geheimdienstzentrale in Pullach.

Renner in diesem Jahr war der Schoko-Adventskalender mit BND-Logo. "Auch die Unterhosen gehen hervorragend", sagte eine BND-Sprecherin. Freunde von hautnahem James-Bond-Gefühl können die Unterhosen zum Stückpreis von 10,20 Euro erwerben. Vergleichbare Damenslips gebe es nicht. "Wir sind ja kein Konfektionshaus", betonte die Sprecherin. Den Unisex-Blouson mit BND-Logo kostet 64,40 Euro. Die Kleidungsstücke sollten die Mitarbeiter aber besser nicht bei operativen Einsätzen tragen, wird hinter den mit Stacheldraht bewehrten Mauern der BND-Zentrale gewitzelt.

Taschenmesser mit BND-Logo gibt es für 5,90 Euro, Golfbälle im Dreierpack für 5,10 Euro. Im Angebot sind auch Mützen, Badelaken, Schlüsselanhänger, Gläser und andere Artikel mit dem Bundesadler und der Aufschrift "Bundesnachrichtendienst". In wenigen Tagen soll auch ein BND-Kochbuch auf den Markt kommen - die feurigen Rezepte sind mit Geschichten aus der Grauzone der Geheimdienste gewürzt.

Die Idee zur besseren Imagepflege stamme von BND-Präsident August Hanning höchstpersönlich, hieß es. Er habe sich von entsprechenden Aktionen der Geheimdienste in den USA inspirieren lassen. Hanning trage selbst gerne die Hauskrawatte, in deren Stoff das Kürzel BND dezent eingewebt sei.

Die Image-Kampagne setzt einen Kontrapunkt zu einer über Jahrzehnte dauernden Serie von Pleiten, Pech und Pannen des BND. Sein Gründer, der frühere Wehrmachts-Generalmajor Reinhard Gehlen, hatte selbst für den ersten BND-Eklat gesorgt. Er legte gesetzeswidrig Dossiers über mehr als 50 prominente Bonner Persönlichkeiten an, was erst in den 70er Jahren bekannt wurde. In den 80er Jahren hagelte es Kritik, weil sich der BND die Suche nach Fässern mit dem Seveso-Gift Dioxin sowie Maßnahmen zur Terrorbekämpfung durch Spenden der Wirtschaft bezahlen ließ.

1981 entging dem BND die Machtübernahme in Polen durch das Militär genau zu dem Zeitpunkt, als der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) die einstige DDR besuchte. Kommentar von Schmidt zum BND: "Dilettantenverein." Großen Ärger gab es auch, als der BND 1991 ohne Wissen der Regierung zwölf Panzer aus den Beständen der ehemaligen Nationalen Volksarmee der DDR vom Hamburger Hafen aus nach Israel verschiffen lassen wollte. In den Transportpapieren waren als Ladung "landwirtschaftliche Geräte" angegeben. Erst recht zum Dilemma des Dienstes geriet der 10. August 1994, als unter Mitwirkung des BND Plutonium von Moskau nach München geschmuggelt wurde.

Doch davon wird in dem geplanten Berliner Besucherzentrum wohl nicht die Rede sein: Es ist im Rahmen der BND-Dependance vorgesehen, die am Gardeschützenweg in einer denkmalgeschützten Kaserne entsteht, und soll die Öffentlichkeit über die Aufgaben des BND informieren. Im dazu gehörigen BND-Shop wird es die "Fan-Artikel" als Souvenirs geben.

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