Die unumstrittene Nummer eins
SC-Torwart Golz vor 400. Bundesligaspiel

Wenn Freiburgs Richard Golz am Samstag gegen Hansa Rostock zum 400. Mal in einem Bundesligaspiel im Tor steht, dann wünscht er sich "einfach nur drei Punkte, bitte kein Feuerwerk und bitte keine Torte".

HB/dpa FREIBURG. 273 Erstliga-Partien hat der 35-Jährige zwischen 1987 und 1998 für den Hamburger SV bestritten, seit seinem Wechsel vor fünf Jahren bisher 126 für den SC Freiburg. Das Karriereende ist aber noch nicht abzusehen. "Es kann noch viel passieren und die 500 sind ein echter Traum."

Dann könnte sich vielleicht auch noch das Ziel des gebürtigen Berliners erfüllen, endlich einen Titel zu holen. "Ich habe noch den großen Traum in mir, in meiner Heimatstadt das Pokalfinale zu spielen." Da er den Verein nicht mehr wechseln will, muss sich Golz seinen Wunsch mit Freiburg erfüllen. Sein Vertrag mit dem SC verlängert sich automatisch, sobald er 20 Saisonspiele erreicht hat.

Einen weiteren Traum wird er wohl nicht mehr verwirklichen können: Fußball einmal auf der britischen Insel zu spielen. Ein Wechsel zu Celtic Glasgow scheiterte 1997 an der Ablöseforderung des HSV, der für Golz angeblich fünf Millionen Mark verlangt hatte. Dafür steht er nun in der Rangliste der Bundesliga-Einsätze weit vorne. Von den aktiven Spielern können nur Stefan Reuter (Borussia Dortmund/472) und Oliver Kahn (Bayern München/404) mehr Einsätze vorweisen.

Im beschaulichen Freiburg ist der 1,99 m große Torhüter längst heimisch geworden. "Die Lebensqualität hier gleicht vieles aus." Zudem ist der SC-Kapitän bei den Breisgauern nun schon seit fünf Jahren die unumstrittene Nummer eins. "Beim SC weht ein anderer Wind. Die Ziele sind andere und es wird auch anders mit den Spielern umgegangen", lobt er die Gepflogenheiten rund ums Dreisamstadion. "Offenbar haben wir uns gesucht und gefunden." Deshalb war auch der einjährige Gang in die Zweitklassigkeit kein Problem.

Zudem kommt der Torhüter mit dem feinsinnigen Gemüt in Südbaden gut an: beim Trainer, bei den Fans und bei den Medien. Das war in Hamburg nur selten der Fall. "Vielleicht, weil ich meine Sympathie für den FC St. Pauli nie so richtig verbergen konnte", sagte Golz, der für seine offenen Worte und seine Schlagfertigkeit bekannt ist. Seine Sternstunde erlebte "Richard Gold", wie ihn einmal der "kicker" nannte, am 6. Dezember 1989, als er dem HSV mit unglaublichen Reflexen das Weiterkommen im Achtelfinale des UEFA-Cups gegen den FC Porto sicherte. Doch spätestens nach einem missglückten Abschlag im Derby gegen St. Pauli im März 1997, der in der letzten Spielminute zum 2:2-Ausgleich führte, war das Verhältnis zu den HSV - Anhängern gestört. "In Hamburg bist du schnell der Oberkönig und nach einem halben Jahr auch schnell wieder weit unten", sagte Golz. In Freiburg dagegen ist er nicht nur als Fußballer, sondern auch als Mensch mit Köpfchen akzeptiert.

Für die Zeit nach seiner Karriere besitzt er bereits einen Anschlussvertrag für den Einstieg ins Management des Bundesligisten. Vom Fußball will Golz auch in Zukunft nicht lassen.

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