Die Ursachen für Unruhen auf Fidschi und auf den Salomonen stammen aus der Kolonialzeit
Putschisten-Paradies Südsee

In der Südsee sind zahlreiche Konflikte durch Einwanderung entstanden. Die Ureinwohner setzen sich zunehmend gewaltsam zur Wehr.

dpa SYDNEY. Während in Fidschi der Ultra-Nationalist George Speight noch die gesamte demokratisch gewählte Regierung gefangenhält, kidnappten bewaffnete Milizen auf den Salomonen den Regierungschef. In beiden Fällen sind "Bevölkerungs-Importe" der ehemaligen Kolonialherren Ursache der jetzt aufgebrochenen Konflikte.

Auf den Fidschi-Inseln hatten die Briten vor rund 100 Jahren Tausende von Indern zur Arbeit auf den Zuckerrohrfeldern geholt. Auf den Salomonen landete die US-Armee im Zweiten Weltkrieg dort, wo heute die Hauptstadt Honiara liegt, um die Hauptinsel Guadalcanal von den japanischen Kriegsgegnern zu befreien. Sie "importierte" zahlreiche Bewohner der Nachbarinsel Malaita als Hilfskräfte. Die Kolonialherren sind längst abgezogen, die Einwanderer blieben und mit ihnen ethnische Konflikte.

So haben in Fidschi die Inder fast den gesamten Handel unter Kontrolle. Lediglich Frauen, die auf einem zentralen Platz der Metropole handgemachte Baströckchen für Kinder an Touristen verkauften, wiesen auf die Ureinwohner hin.

Suva ist mit fast 200 000 Einwohnern die größte und mit Abstand wichtigste Stadt im Südpazifik. An der dortigen Universität wird die Elite der verschiedenen Inselnationen ausgebildet. Ein Boykott gegen Fidschi würde auch einen durchschlagenden Effekt auf die Nachbarländer haben. Fidschis Einfluss in der Region ist groß. Ironischerweise fanden Friedensverhandlungen in Honiara nicht statt, weil der vom Commonwealth beauftragte Vermittler Sitiveni Rabuka ist. Dieser ist ehemaliger Regierungschef Fidschis, hat selbst 1987 zwei Militärputsche angezettelt und hat derzeit genug in Suva zu tun.

Fidschi und die Salomonen sind aber nicht die einzigen Krisenherde. Nach jahrelangem Bürgerkrieg mit Hunderten von Toten ist es zur Zeit vergleichsweise ruhig auf der Insel Bougainville. Die gehört zu Papua-Neuguinea, die Bevölkerung fühlt sich aber eher den Salomonen zugehörig. Außerdem gärt es in Irian Jaya, der östlichsten Provinz Indonesiens, das gerade erst die Ost-Timor-Krise hinter sich hat. In Papua-Neuguinea ist die öffentlich Ordnung fast vollkommen zusammengebrochen, das rohstoffreiche Land ist so gut wie bankrott.

Manche Hoffnungen der Region ruhen auf Australien und Neuseeland, den "Riesen" am Rande des Pazifiks. Beide Länder waren entscheidend an der Ost-Timor-Aktion beteiligt, beide stellen Truppen auf Bougainville. Aber Australiens Außenminister Alexander Downer hat schon abgewiegelt: "Wir können nicht für alles verantwortlich gemacht werden, was in der Region schiefgeht."

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