Die US-Konjunktur im Wahljahr
Dickes Ende für Amerika

Der Dollar auf Talfahrt, Amerikas Banken in der Krise, die US-Wirtschaft vor dem Abschwung – ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen beginnen die Amerikaner an ihrem System zu zweifeln. Ob die USA zu alter Stärke zurückfinden, hängt auch davon ab, wer das Rennen um die Präsidentschaft für sich entscheiden kann.
  • 0

NEW YORK/BERLIN. Schlimmer noch als ein Verlust ist die Angst vor dem Verlust. Und in Amerika treibt diese Angst derzeit nicht nur Millionen von Hausbesitzer und die Wall-Street -Manager um. Auch die Wahlkampfstrategen der Parteien zerbrechen sich den Kopf, wie sie ihre Kandidaten derzeit am besten für die Präsidentenwahl im November 2008 in Stellung bringen. Denn mit jedem Rücktritt eines Bankers wächst bei Amerikas Wählern das mulmige Gefühl, dass man ihnen die volle Wahrheit verschweigt. Und dass Amerikas Wirtschaft in einer größeren Krise steckt, als es Banker und Politiker derzeit eingestehen wollen.

Scheibchenweise wird die Öffentlichkeit informiert. So rückte die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch nur nach und nach mit der Wahrheit über ihre Verluste durch die Immobilienkrise heraus. Hieß es zunächst, die Verluste seien "begrenzt und beherrschbar“, räumten die Manager vergangene Woche ein, ihr Engagement in zweitklassigen Hypothekenkrediten liege höher als bislang angenommen – bei insgesamt 27,2 Milliarden Dollar. Mit der Citigroup traf es die größte US-Bank – auch bei ihr erwarten Analysten weitere Abschreibungen und das Eingestehen von massiven Fehlspekulationen.

Mit den Banken gerät das gesamte System ins Wanken, auf das sich der jahrelange Boom in der mit Abstand größten Volkswirtschaft der Welt gegründet hat. Allmählich erkennen die Bürger, dass sie sich in den vergangenen Jahren viel zu viel Schulden aufgeladen haben. Häuser, Fernseh- geräte, Kühlschränke und Autos – alles haben sie auf Pump gekauft. Mit ihrem Konsum kurbelten die Amerikaner die Wirtschaft an – auch in China und Europa. Amerika importierte so viele Waren wie nie zuvor aus dem Ausland. Dadurch rutschte der Außenhandel immer tiefer in die roten Zahlen, und die Abhängigkeit vom Zufluss ausländischen Kapitals nahm dramatische Züge an.

Jim Rogers, legendärer Investmentbanker und Weggefährte des Spekulanten George Soros, warnt bereits vor einem Schulden-Tsunami, dessen Wellen immer höher werden: "Die USA schulden der Welt jetzt schon 13 Billionen Dollar. Alle 15 Monate kommt eine weitere Billion dazu.“

Den Grund für die Schuldenexzesse sieht Rogers bei der US -Notenbank Fed. Sie habe den Konsum mit ihrer jahrelangen Niedrigzinspolitik künstlich in die Höhe getrieben und die Spekulationsblase am Immobilienmarkt verursacht. Amerikas oberster Währungshüter Ben Bernanke begehe daher jetzt einen "schrecklichen Fehler“, wenn er auf die Finanzmarktkrise mit erneuten Leitzinssenkungen reagiert und "die Notenpresse wieder anwirft“, sagt Rogers.

Zwölf Monate vor der Präsidentschaftswahl droht Amerikas Wirtschaft ein jäher Absturz. Schätzungen aus dem Repräsentantenhaus zufolge werden in den kommenden Monaten mehr als zwei Millionen Schuldner in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Vor allem der März 2008 wird entscheidend, denn dann laufen viele Darlehensverträge amerikanischer Hauskäufer aus.

Seite 1:

Dickes Ende für Amerika

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Seite 6:

Seite 7:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%