Die US-Streitkräfte schaffen sich mit dem Luftwaffenstützpunkt Al Udeid eine Alternative zu ihrer Operationsbasis in Saudi Arabien
Katar wird zur Startbahn für Angriffe gegen Saddam

Die USA bauen in der Wüste von Katar ihren bislang größten Luftwaffenstützpunkt am Golf. Bei einem möglichen Krieg gegen den Irak werden die Kampfpiloten höchstwahrscheinlich von dort aus ihre Angriffe starten. Damit zieht Washington auch die Konsequenzen aus der brüchig gewordenen Partnerschaft mit Saudi-Arabien.

DÜSSELDORF. Im Kreis der arabischen Staaten, die laut vor einem Krieg der Amerikaner gegen den Irak warnen, hat sich mehrfach auch Katar vernehmen lassen. So versicherte Außenminister Hamad bin Dschasim Al-Thani kürzlich bei einer Visite in Bagdad, dass sein Land von Washington noch nicht offiziell um Unterstützung einer Militäraktion gebeten worden sei.

Die Vokabel "offiziell" muss allerdings relativiert werden. Und dem Minister kann durchaus unterstellt werden, mit gespaltener Zunge zu reden. Denn in seinem Heimatland, seit dem 11. September eher durch den TV-Sender Al Dschasira und von diesem ausgestrahlte Botschaften Osama bin Ladens in Erscheinung getreten, wird seit Monaten mit Hochdruck am Ausbau des dortigen US-Luftwaffenstützpunktes Al Udeid gearbeitet - unter strikter Geheimhaltung. Bis Dezember soll das Superprojekt fertig gestellt sein.

Dann werden die Amerikaner dort, so kalkulieren westliche Diplomaten am Golf, die stattliche Summe von rund 1,4 Mrd. $ investiert haben, der Emir, al-Shaik Hamad Ibn Khalifa Al-Thani, soll 400 Mill. $ zugeschossen haben. Und der Hinweis des Kommandeurs des US-Central Command für die Nahost-Region, Tommy Franks, dass der Stützpunkt im Scheichtum zur Nutzung "in Krisenzeiten" ausgebaut werde, klingt alles andere als kryptisch.

Auf der Air Base, etwa 45 km westlich der Hauptstadt Doha, steht amerikanischen-Piloten dann eine Start- und Landebahn von mit einer Länge von 4,5 km zur Verfügung, eine der längsten im Nahen Osten. Die am Rande entstehenden gepanzerten Hangars bieten bis zu 120 Kampflugzeugen Schutz vor Angriffen mit biologischen oder chemischen Waffen - Katars Luftwaffe selbst verfügt lediglich über ein Dutzend Kampfflugzeuge. Auch die riesigen Munitionslager und Kommunikationseinrichtungen sowie die hinter hohen Sandwällen und Zäunen gebauten Unterkünfte und soziale Einrichtungen für die Soldaten, u.a. Swimmingpools, werden massiv gegen Angriffe aus der Luft und von Terroristen gesichert.

Nach Beendigung des Ausbaus sollen in Al Udeid rund 10 000 US-Soldaten stationiert werden. Zurzeit sind es etwa 3 300 GIs mit 50 Kampfjets, die seit Mitte März dieses Jahres auch Einsätze im Rahmen der Anti-Terror-Operation "Enduring Freedom" in Afghanistan flogen.

Trotz der intensiven und mit großer Eile betrieben Aufrüstung in Katar bestreitet US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, dass Al Udeid als Alternative zum aktuellen US-Luftwaffenhauptquartier für die Golfregion, der Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien, vorgesehen ist. Experten verweisen aber darauf, dass die US-Streitkräfte bereits seit Monaten in aller Stille umfangreiche Ausrüstung und Munition von dort nach Al Udeid verlagern.

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern am Persischen Golf gibt es in Katar offenbar weniger Ressentiments gegenüber einer Präsenz von amerikanischen-Soldaten im Lande. Das in Doha formulierte Motiv ist simpel: "Wenn wir den USA die beste Operationsmöglichkeit bieten, dann ist das auch für uns die beste Verteidigung".

Für die Vereinigten Staaten, mit denen übrigens bereits seit 1994 ein militärisches Schutzabkommen besteht, bedeutet dies, dass ihren Streitkräften ein weitaus breiterer Aktionsradius gewährt wird, als dies in Saudi-Arabien der Fall ist. Die dortige Herrscherclique hat der US-Luftwaffe strikt untersagt, die Prince Sultan Air Base für einen Krieg gegen den Irak zu benutzen, der von Washington zur Zeit mit zunehmend martialisch werdender Rhetorik vorbereitet wird. Katars Herrscher hat den Amerikanern dagegen insgeheim einen fast unlimitierten Freiraum zugesichert. Es wird offenbar sogar gewünscht, dass die geplante Truppenstationierung von 10 000 GIs auf Dauer aufrecht gehalten wird.

Das mit Ölschätzen reich gesegnete Katar, dessen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf seiner knapp 770 000 Einwohner mit rund 20 300 $ kaum unter jenem der führenden Industrienationen liegt, gilt in einem überwiegend konservativ geprägten politischen Umfeld ohnehin als Außenseiter. Wie kein anderer Potentat in den Golfstaaten ist der Emir, der 1995 seinen Vater mit einem unblutigen Putsch zum Rücktritt zwang, auf einen politischen Reformkurs eingeschwenkt. Er lockerte die Pressezensur und ließ 1999 erstmals Wahlen durchführen, selbst wenn das Parlament nur über wenig Rechte verfügt. Und: In Katar haben Frauen sowohl das aktive als auch das passive Wahlrecht.

Dennoch: Mit Blick auf die Nachbarschaft ist der katarische Emir vorsichtig. Sein enger Schulterschluss mit den USA, insbesondere das Projekt Al Udeid, soll keine fetten Schlagzeilen produzieren. Gegenüber den Amerikanern hat man sich denn auch äußerste Diskretion ausbedungen. So weiß man zwar, dass bei Al Udeid das US Corps of Engineers die Federführung hat, darüber, welche privaten Baufirmen - vermutlich sind sie alle in Saudi-Arabien beheimatet - dort engagiert sind, muss freilich spekuliert werden.

Und dass der angepeilte Fertigstellungstermin im Dezember in irgendeinem Zusammenhang mit dem Startschuss für einen Krieg gegen Saddam möglicherweise Anfang nächsten Jahres stehen könnte, werden sowohl die Protagonisten in Washington als auch jene Doha natürlich vehement bestreiten.

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