Die US-Waffenlobby verhindert schärfere Gesetze
USA: Deutscher Amoklauf wird zum Medienereignis

Die Schreckensmeldung aus Deutschland hat die amerikanische Nation wachgerüttelt. In dem Land, in dem es selbst schon zahlreiche Amoktaten an Schulen gab, wurde der Amoklauf des Erfurter Ex-Gymnasiasten neben dem Nahost-Konflikt am Wochenende zur wichtigsten Meldung in den US-Medien. So viele Tote wie in Erfurt gab es selbst in den USA bisher nicht.

coh WASHINGTON. In Amerika kommt damit eine Diskussion wieder in Gang, um die es zuvor ruhig geworden war. Der Texaner George W. Bush hatte schon im Präsidentschaftswahlkampf den Waffenbesitz verteidigt. Im Gegensatz zu Gegner Al Gore wollte er keine schärfere Kontrolle durchsetzen. Wer Waffen allerdings illegal benutze, werde im Gefängnis landen, warnte Bush. In seinen Zeiten als Gouverneur von Texas brachte er ein Gesetz durch, das das verdeckte Tragen von Waffen erlaubt.

In den USA ist in fast jedem zweiten Haushalt eine Waffe zu finden. Jeden Tag werden rund 90 Menschen in den USA erschossen, darunter allein zwölf Kinder. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) drängt daher darauf, dass nur legitime Empfänger eine Waffe erhalten und dass die sichere Lagerung gewährleistet ist. In vielen US-Bundesstaaten reicht der Führerschein, um eine Waffe zu kaufen. Ob Pump-Gun, Sturmgewehr "Kalaschnikow" oder halbautomatische Handfeuerwaffe spielt dabei keine Rolle. Der Käufer wird nicht einmal registriert.

Hunderttausende haben in Washington bereits für schärfere Waffengesetze demonstriert - erfolglos. Der Einfluss der 3,5 Millionen Mitglieder zählenden Waffenlobby auf die Politik, vor allem auf die republikanische Partei von Präsident Bush, ist zu groß. Den letzten Ansatz zu einer Verschärfung der Gesetze hatte es unter Bill Clinton gegeben. Jeder Käufer einer Schusswaffe sollte ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, hatte er angeregt. Zudem sollten alle neu produzierten Waffen mit Kindersicherungen ausgestattet werden. Doch der Gesetzentwurf wurde abgeblockt.

Clinton hatte die Initiative nach dem bisher schlimmsten Amoklauf an der Columbine High School in Littleton, Colorado, gestartet: Im April 1999 erschossen zwei Jungen zwölf ihrer Mitschüler, einen Lehrer und schließlich sich selbst. Wie bei den meisten jugendlichen Amokläufen zuvor, kamen die Waffen aus dem Besitz der Familie.

Nach diesem Fall leitete der amerikanische Geheimdienst eine Untersuchung ein. Ergebnis: Von den 37 Schießereien an US-Schulen im Jahr 1999, waren die wenigsten Kurzschlussreaktionen. Vielmehr waren die Taten fast immer geplant: Mehr als die Hälfte der Täter begann mit den Vorbereitungen mindestens zwei Tage vor der Tat. Drei Viertel der Todesschützen erzählten Gleichaltrigen von ihren Plänen. Ein klares Täterprofil fanden die Ermittler nicht. In den untersuchten Fällen gab es nur zwei Gemeinsamkeiten: Es waren alles männliche Täter mit Depressionen, oft weil sie von Klassenkameraden gehänselt wurden.

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