Die Verkäufer sind raus
Dax-Aufschwung ist nicht zu bremsen

Die freundliche Stimmung an den deutschen Aktienmärkten hat sich auch am Donnerstag fortgesetzt, wovon besonders Technologiewerte profitieren konnten. "Viele Technologietitel, besonders am Neuen Markt, sind deutlich unterbewertet", sagte Robert Suckel, Analyst bei SES Research.

rtr FRANKFURT. Der Verkaufsdruck, der in den Kursverlusten nach den Anschlägen vom 11. September gipfelte, sei im Dax und am Neuen Markt seit Wochen aus dem Markt. "Die Verkäufer sind raus", sagte Suckel. Ein Händler ergänzte, es gebe eine neue Fantasie am Markt. "Und keiner will derzeit den Aufschwung verpassen." Es gebe starke Käufe. "Die Aktie ist nicht mehr tabu, sondern wieder attraktiv", sagte der Händler.

Der Dax stieg am Vormittag, gebremst von den Kursverlusten der Versicherer, um 2,11 % auf 5057 Punkte. Am Neuen Markt legte der Auswahlindex Nemax 50 3,91 % auf 1234 Zähler zu. Der MDax für mittelgroße Werte erhöhte sich um 0,53 % auf 4256 Punkte. Am Vortag hatte der Dax 0,2 % und der Nemax50 2,9 % zugelegt. Auch die US-Börsen hatten fast ein Prozent fester geschlossen. Charttechnisch kämpfe der Dax noch mit der Widerstandsmarke bei 5030 Punkten, habe aber eigentlich Luft bis über 5300 Zählern, sagte ein Aktienhändler. "Der Aufwärtstrend seit dem 21. September ist intakt und wird weiterlaufen."

Technologietitel im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt des Handels standen die Technologietitel Siemens, Infineon und Deutsche Telekom sowie die Fluglinie Lufthansa. Händler sagten, die zuletzt vorgelegten Geschäftszahlen hätten zwar nicht gut ausgesehen, schlimmer könne es jedoch nicht kommen. "Die Anleger glauben an den Aufschwung im nächsten Jahr. Und die Börse nimmt diesen halt bereits vorweg." Die Lufthansa stieg zeitweise um fast zwölf Prozent auf 16,10 ? und damit über das Kursniveau vor den Anschlägen vom 11. September. Die Deutsche Bank stufte die Fluglinie am Donnerstag auf "Buy" von zuvor "Market Perform" hoch und nannte ein Kursziel von 17,50 ?. "Langfristig ist die Lufthansa gut positioniert, wenn der Aufschwung kommt", sagte Analyst Jonathan Wober von der Deutschen Bank. Auch die Dredner Bank stufte die Lufthansa hoch auf "Buy" und nannte ein Kursziel von 18 ?.

Infineon und Telekom legen deutlich zu

Infineon verteuerte sich um mehr als fünf Prozent auf 23,14 ? und hat sich damit seit dem Rekordtief am 27. September mehr als verdoppelt. Siemens erhöhte sich um mehr als fünf Prozent auf 65,29 ?. Die Analysten von Schroder Salomon Smith Barney erhöhten das Kursziel für Siemens auf 66 ? von zuvor 40 ?. Die Telekom legte über vier Prozent auf 20,22 ? zu. Höher hatte die Telekom zuletzt am 10. August notiert. Im Soge des freundlichen Markttrends stiegen auch die Anteilsscheine von MLP um mehr als zwei Prozent auf 81,40 ?. Der Finanzdienstleister hat in den ersten neun Monaten 2001 das Konzernergebnis vor Steuern um 34,2 % auf 69,0 Mill. ? gesteigert, lag damit aber unter den Analystenerwartungen. Enttäuschend sei die Entwicklung der Erlöse im dritten Quartal gewesen, sagte ein Analyst. Sie seien im Vergleich zum Vorquartal um sieben Prozent gefallen.

Eon steigen nach Quartalszahlen

Nach der Vorlage von Quartalszahlen erhöhten sich auch die Aktie des Energieversorgers Eon um 1,47 % auf 57,30 ?. Eon hat seinen Betriebsgewinn in den ersten neun Monaten 2001 um 55 % auf 2,858 Mrd. ? gesteigert. "Die Zahlen sind ziemlich gut. Ich glaube, dass wir bei sich stabilisierenden Energiepreisen im vierten Quartal wieder ein positives Ergebnis sehen könnten", sagte ein Analyst von Merck Finck.

Allianz und Münchener Rück im Minus

Auf der Seite der Kursverlierer standen die Versicherer Allianz und Münchener Rück. Allianz verlor mehr als ein Prozent und die Münchener Rück über zwei Prozent. Der Rückversicherer will seiner US-Tochter American Re angesichts der Auswirkungen der Anschläge vom 11. September mehr als eine Milliarde Dollar an Kapital zuführen. Am Vortag hatte die Allianz mitgeteilt, der Aufwand, den die Allianz in Folge der Anschläge tragen müsse, belaufe sich auf 1,5 Mrd. ? statt der zuvor geschätzten eine Milliarde Euro. Beide Nachrichten belasteten die Aktien der Versicherer, sagte ein Händler.

Knapp behauptet tendierte nach der Vorlage von Geschäftszahlen die Aktie der Linde AG. Das Unternehmen hat im dritten Quartal einen wesentlich deutlicheren Geschäftsrückgang als von Analysten erwartet ausgewiesen und sein Ergebnisziel für das Gesamtjahr gesenkt.

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