Die Vermarktungsagentur Sportwelt kritisiert die DFL und Mönchengladbach
Viel Feind, viel Ehr

Die Sportwelt fühlt sich von der DFL und ihrem Partner Gladbach ungerecht behandelt. Dafür scheint ein strategischer Partner für den Vermarkter jetzt gefunden zu sein.

Dunkle Wolken haben sich zwischen dem Vermarkter Sportwelt und den Granden des deutschen Fußballs schon lange zusammengebraut - jetzt zucken die ersten Blitze. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL), so grantelt Sportwelt-Geschäftsführer Heinrich Brands, messe mit zweierlei Maß und benachteilige die von seinem Unternehmen betreuten Klubs.

Stein des Anstoßes ist dabei das so genannte Standardbeteiligungsmodell, mit dem die Düsseldorfer Agentur Vereinen wie Union Berlin, Waldhof Mannheim, Rot-Weiß Essen oder Fortuna Düsseldorf unter die Arme greift. Dabei gründet die Sportwelt zusammen mit dem Verein eine Sportwerbegesellschaft. An dieser ist der jeweilige Klub meist mit 25,1 Prozent beteiligt, während ihr der Vermarkter ein Darlehen gewährt. Mit dem Geld kauft die Sportwerbegesellschaft den Vereinen die Vermarktungsrechte ab und kassiert 20 Prozent der Einnahmen, während der Rest an den Klub geht. Darüber hinaus gibt die Sportwelt Darlehen direkt an die Mannschaften, um diese fit für den Aufstieg zu machen.

Da die Sponsorengelder indirekt über die jeweilige Werbegesellschaft an die Sportwelt-Schützlinge fließen, fordert die DFL eine Bürgschaft der Sponsoren. Für Klubs, die sich selbst einen Sponsor suchen oder die bei der Suche auf einen anderen Vermarkter als die Sportwelt zurückgreifen, muss dagegen nicht gebürgt werden. "Mit anderen Worten: Der gleiche Sponsor wird bei unterschiedlichen Vereinen unterschiedlich behandelt", moniert Brands.

Sportwelt will am Beteiligungsmodell festhalten

Die DFL hat aus ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Sportwelt-Modell nie einen Hehl gemacht, Geschäftsführer Wilfried Straub sprach von Ausformungen, die "aus unserer Sicht nicht wünschenswert sind." Und auch der entsprechende Passus im Regelwerk der Liga ist eindeutig, auch wenn er erst in dieser Saison aufgenommen wurde: "Wenn Einnahmen an Vereine über eine Gesellschaft fließen, an der die Vereine nicht mehr die Mehrheit haben, müssen diese Zahlungen zusätzlich abgesichert werden." Denn bei einer Minderheitsbeteiligung könne der Klub nicht mehr bestimmen, was mit den verkauften Rechten und den Einnahmen geschehe, so DFL-Pressechef Tom Bender. Dass bisher nur die Vereine des Düsseldorfer Vermarkters unter diese Regelung fielen, sei reiner Zufall: "Wir haben definitiv nicht eine Lex Sportwelt geschaffen, wie eventuell die Agentur behauptet."

Die Sportwelt, die zu 90 Prozent den Kinowelt-Eignern Michael und Rainer Kölmel gehört, will aber an ihrem Standardbeteiligungsmodell auf jeden Fall festhalten. Es sei "sehr gut geeignet, unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen", betont Geschäftsführer Brands. Für eine abschließende Bewertung sei es zwar nach zweieinhalb Jahren noch zu früh, die für die Zukunft gesteckten Ziele habe man - dank des sportlichen Erfolges der geförderten Vereine - bereits erreicht. Auch konnten die Sportwelt-Klubs bereits die ersten Darlehen zurückzahlen, da sie - allen voran Union Berlin - im DFB-Pokal 2000/2001 zusätzliche 15 Millionen Mark eingenommen haben. Fünf bis zehn Millionen Mark dieser außerordentlichen Erträge seien an die Sportwelt zurückgeflossen. Daher sei man auch nicht klamm, wie gelegentlich spekuliert werde, so Brands.

Knatsch gibt es zwischen der DFL und der Sportwelt auch wegen der Vermarktung der wöchentlichen Top-Begegnung der 2. Liga. Die DFL hatte die Rechte kurz vor der Saison den Klubs zur Selbstvermarktung freigegeben, obwohl sich die Düsseldorfer um eine zentrale Vermarktung beworben und auch die geforderte Summe gezahlt hätten. Ein Zufall, angesichts der engen Verflechtungen vieler DFL-Funktionäre mit den großen Agenturen von Bertelsmann und Kirch?

Sportwelt Kritik aus Mönchengladbach zurück

Zu den Schwierigkeiten mit dem Verband kommen noch die Probleme mit dem Partner Borussia Mönchengladbach. Der hatte vor einigen Wochen die Kooperation aufgekündigt, die die TV-Vermarktung und den Neubau des Stadions auf dem Bökelberg umfasste. Die Sportwelt habe ihre Zusage, 30 Millionen Mark Eigenkapital für die neue Arena bereitzustellen, nicht eingehalten, heißt es aus Gladbach. Sportwelt-Sprecher Michael Meeske sieht dies anders: Zum einen habe sich seit dem Vertragsabschluss im September 1999, als noch von einem Multifunktionsstadion die Rede war, einiges geändert. Viel entscheidender sei jedoch die Frage, ob Gladbach eine vernünftige Rendite garantieren könnte. Bislang sei noch immer unklar, wie viel Miete die Betreiber an die Besitzgesellschaft des Stadions - also auch die Sportwelt - überweisen.

"Der Vertrag sagt, wenn wir uns nicht einigen, so sind wir nur verpflichtet, das Kapital zu marktüblichen Konditionen zu besorgen. Das haben wir über eine Bank getan", betont Meeske. "Wenn man einen Zinssatz von 20 Prozent als marktüblich ansieht, dann schon", entgegnet Borussia-Geschäftsführer Stephan Schippers. Er spricht von einer "mutwilligen Torpedierung" des Stadionprojektes durch die Sportwelt. Die 30 Millionen Mark habe sein Klub inzwischen von einer anderen Bank für weniger als 20 Prozent Zinsen bekommen, doch immer noch zu einem teureren Preis als mit der Sportwelt vertraglich vereinbart. Deshalb werde man die Zinsdifferenz zu der ursprünglichen Vereinbarung mit den Vereinsschulden bei der Agentur verrechnen. So bedient Gladbach seit April ein anderes, im Zusammenhang mit der TV-Vermarktung gewährtes 15-Millionen-Mark Darlehen der Sportwelt nicht mehr. Die Agentur hingegen erwartet, sofern das Darlehen weiterhin gekündigt bleibt, für den 24. Dezember "unsere 15 Millionen zurück - plus Zinsen und Zinseszinsen".

Gute Nachrichten können die Düsseldorfer augenblicklich nur bei der Suche nach einem strategischen Partner vermelden: "Einigkeit bestehe schon, nur Details müssen noch geklärt werden", so Pressemann Meeske.

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