Die virtuelle Geldbörse als Hoffnungsträger
Mit der Paysafecard zum Durchbruch beim Micropayment?

Zu kompliziert, zu unsicher, zu teuer: Bisherige Systeme für das Bezahlen von Klein- und Kleinstbeträgen im Internet konnten keine breite Akzeptanz bei Nutzern und Anbietern finden. Mit einem neuen Konzept für Vertrieb und Bezahlung will die österreichische Firma Paysafecard.com jetzt den Durchbruch schaffen.

wab HANNOVER. Die Krise der Dot.com-Unternehmen kam ebenso heftig wie unerwartet. Allein mit der zum Jahreswechsel auf kommenden Flaute im Online-Werbegeschäft entstanden in zahlreichen ambitionierten Businessplänen deutliche Umsatzlücken. Jetzt suchen die Verantwortlichen in Startups und Online-Abteilungen der "Old Economy" händeringend nach neuen Geschäftsmodellen - und werden auf der Cebit insbesondere die Stände der Anbieter von Micropayment-Systemen besuchen.
Denn nach dem großflächigen Wegfall der Werbeerlöse ist plötzlich wieder die virtuelle Geldbörse der Internet-Nutzer allgemeiner Hoffnungsträger für die Cyber-Industrie. Dabei soll insbesondere das Bezahlen von Klein- und Kleinstbeträgen für den nötigen Umsatzaufschwung sorgen. Ein Text für 50 Pfennig, ein Bild für 5 Pfennig oder ein kurzes Musikstück für eine Mark - wenn die Abrufzahlen stimmen, können sich die "Mikro-Zahlungen" schnell zum Umsatzträger entwickeln. Während bisherige Verfahren aufgrund technischer Probleme und komplizierter Verfahren keine relevante Nutzerzahl errreichen konnten, soll ein neues Verfahren der österreichischen Firma Paysafecard.com Wertkarten AG jetzt Kunden und Händler gleichermaßen ansprechen.

Das Verfahren


Damit die Kunden "Europas erste Prepaid Card zum Online-Shoppen" nutzen können, müssen sie zunächst ähnlich einer Telefonkarte eine Paysafecard erwerben. Dafür sollen kurzfristig mehr als 3000 Verkaufsstellen in Deutschland zur Verfügung stehen, vor allem Tankstellen und Kioske. Bei der Nutzung im Internet muss lediglich eine auf der Karte aufgedruckte PIN-Nummer eingegeben werden, danach wird der vom Online-Anbieter geforderte Betrag von dem zur Nummer gehörenden Konto abgebucht, bis der Nennbetrag der Karte aufgebraucht ist.

Langfristig ist auch ein Wiederaufladen der Karte geplant, zunächst gilt es jedoch, am nächsten Kiosk eine neue Karte zu erwerben. Der von Datenschützern bei anderen Zahlungsverfahren häufig kritisierte Aufbau von Benutzerprofilen funktioniert so immer nur für eine Karte, deren Benutzer anonym bleibt - und ist damit für Marketingzwecke wertlos. Auch das finanzielle Risiko durch Hacker-Angriffe hält sich für Kunden und Händler in Grenzen: Der Kunde kann maximal den Nennwert der Karte verlieren, und für den Händler sind einmal eingegangene Zahlungen wie Bargeld; teure Rückbelastungen sind nicht möglich. Weiterhin sorgen Commerzbank als Inhaber der notwendigen Banklizenz sowie IBM als Technologiepartner für Vertrauen.

Bei den Shop-Anbietern strebt das Management-Team ein breites Portfolio von Büchern, CDs, Software über Business-Information bis zu Erotik-Inhalten an. 80 Shops sollen bis zum offiziellen Deutschland-Start Ende Mai die virtuelle Währung akzeptieren, zum Jahreswechsel sollen es bereits 500 sein.. Dabei soll ein Großteil der Online-Händler über Kooperationen mit bestehenden Zahlungssystem-Anbietern gewonnen werden. "Die Paysafecard ist dann eine weitere Zahlungsoption neben Kreditkarte oder Bankeinzug, der Kunde kann frei wählen, welche Zahlungsart er befördert", sagt Marketing-Leiterin Gudrun Reisinger im Gespräch mit Handelsblatt.com.

Micropayments für Content-Provider

Neben größeren Beträgen für die Online-Bestellung von Waren soll die Möglichkeit zur Abrechnung von Klein- und Kleinstbeträgen vor allem Anbieter von hochwertigen Web-Inhalten begeistern: "Wir eröffnen damit Content-Profis ganz neue Businessmodelle", sagt Richard Nathschläger, in der deutschen Firmenzentrale in Düsseldorf verantwortlich für den Bereich Unternehmensentwicklung.

Ab Mai sollen unterschiedliche Abrechnungsmodelle zur Verfügung stehen: Pay-per-Click erlaubt die Berechnung des Zugriffs auf einzelne Webseiten, zeitgesteuerte Varianten berechnen beispielsweise die Teilnahme an einem Onlinespiel. Geregelt wird die Abrechnung von einer speziellen Software, die auf dem Internet-Rechner des Inhalteanbieters die Zugriffe protokolliert und die Zahlungsinformationen mit dem Paysafecard-Rechner abwickelt. Dabei wird nicht bei jeder Transaktion eine Verbindung aufgebaut, sondern erst, wenn ein Benutzer seinen Besuch im kostenpflichtigen Teil beendet oder wenn ein vom Anbieter voreingestellter Rechnungsbetrag überschritten wird.

Das Business-Modell


Die Refinanzierung der hohen Technik- und Marketinginvestitionen soll über entsprechende Anteile an den Margen der Online-Händler ermöglicht werden. Die Spanne reicht von 5,5 Prozent für Waren, die in der Offline-Welt ausgeliefert werden, bis zu 12 Prozent für digitale Güter wie Musik-Dateien, Online-Videos oder Textdateien. Zwischen 1,5 und drei Prozent gehen davon an die Karten-Vertriebsstellen, die verbleibende Marge teilt sich die Firma mit dem ausgebenden Geldinstitut.
Ein lukratives Geschäft, das die cleveren Österreicher bald in weiteren europäischen Ländern etablieren wollen: "Bis zum Jahreswechsel soll der deutsche Markt sauber etabliert sein, dann bereiten wir den Start in Skandinavien und den Benelux-Ländern vor", erklärt Richard Nathschläger. Dabei wollen die Paysafecard-Erfinder auch auf Kooperationen und Lizensierungen setzen. Konkurrenz ist bislang nicht in Sicht. Auch gegenüber zukünftigen potenziellen Nachahmern haben die Startup-Manager wenig Respekt: "Wir sind sicher, dass wir eine kritische Masse erreicht haben, bis sich ein weiterer Player an den schwierigen Markteintritt herantraut", meint Richard Nathschläger.

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