Die Vorbehalte werden Fusion nicht zum Scheitern bringen
Wettbewerbshüter und AOL/Time Warner uneins über Verfahrensausgang

dpa BRÜSSEL/HAMBURG. Die Bedenken der EU-Wettbewerbsbehörden gegen die geplante Fusion von AOL und Time-Warner sind auch nach dreimonatiger Prüfung nicht ausgeräumt. "Das wird wohl eng", hieß es am Mittwoch in Kreisen der Europäischen Kommissions zur laufenden Prüfung der AOL/Time-Fusion durch die Wettbewerbshüter. Besonders Vorbehalte gegen die "kleine Fusion" zwischen der Londoner EMI Group und Time Warner zum größten Musikkonzern der Welt lassen Brüssel mit der Genehmigung zögern. Die vertiefte Prüfung von AOL/Time endet am 24. Oktober, die von EMI/Time Warner am 18. Oktober. Spätestens einen Monat vorher müssen die Unternehmen ihre Konzessionen anbieten, mit denen sie die Bedenken der Wettbewerbshüter zerstreuen wollen.

Unterdessen zeigt sich AOL-Chef Steve Case optimistisch. Die Vorbehalte der Wettbewerbshüter in den USA und Europa werden die Fusion von America Online mit dem Medienkonzern Time Warner nicht zum Scheitern bringen, sagte er der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit": "Wir erwarten, dass die Fusion im Oktober oder November über die Bühne geht." Es sei "durchaus machbar", AOL Time Warner in fünf Jahren gemessen am Börsenwert zum größten Unternehmen der Welt zu machen.

Case versicherte, der neue Konzern werde anderen Anbietern ungehinderten Zugang über Kabel zum Internet gewähren. Dies wird von der US-Kartellbehörde als kritischer Punkt angesehen. Die Befürchtung der EU-Wettbewerbshüter, AOL Time Warner würde das Internetgeschäft mit Musik beherrschen, wies Case ebenfalls von sich. "Time Warner wird seine Musik über AOL verteilen, aber auch über andere Online- Dienste", sagte er.

Im Juni hatten die Hauptversammlungen von AOL und Time Warner die Fusion zum weltgrößten Medien- und Onlinedienstkonzern mit 40 Mrd. $ Umsatz gebilligt. Sollten die Wettbewerbhüter zustimmen, übernimmt die America Online Inc. den Medienkonzern Time Warner über einen Aktientausch im Wert von damals 123 Mrd. $.

Beim Treffen von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti und der Chef der US-Kartellbehörde Robert Pitofsky am Donnerstag wird die Fusion eine wichtige Rolle spielen. Die EU-Kommission veranstaltet in Brüssel eine zweitägige Konferenz anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der EU-Fusionskontrolle. Pitofsky ist seit fünf Jahren Chairman der Federal Trade Commission (FTC) in Washington.

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