Die vorläufige Planung der Deutschen Börse sorgt für heftige Diskussionen
Kampf um die Index-Plätze beginnt

Spätestens seitdem die Deutsche Börse ihr Szenario für die Neugestaltung ihrer Indexwelt vorgestellt hat, sind die Spekulationen über Auf und Ab entbrannt. Schon jetzt ist klar: Wer drin ist, hat bei den Anlegern gewonnen. Schließlich wird die Zahl der Plätze in den Indizes von 200 auf 160 reduziert.

HB FRANKFURT/M. Noch sind es über vier Monate und etliche Konferenzen hin, bis die neue Indexwelt der Deutschen Börse am 24. März 2003 in die Praxis umgesetzt wird. Spätestens, seitdem in der vergangenen Woche jedoch ein vorläufiges Szenario präsentiert wurde, wie die Zusammensetzung der entsprechenden Indizes aussehen könnte, herrschen unter Investoren und den betroffenen Unternehmen heftige Diskussionen. Dabei geht es stets um Aktien von Unternehmen, die innerhalb der neuen Indexwelt neu zugeordnet wurden.

Kritik fällt hie und da, Lob auch, in den meisten Fällen herrscht jedoch, wenn auch zähneknirschend, Zustimmung. Entscheidend ist für die meisten Unternehmen, überhaupt in einem Auswahlindex vertreten zu sein. Schließlich stehen - einmal abgesehen von der künftig unbedeutenden Rolle des Nemax 50 - ab März nur noch 160 Plätze (Dax 30, MDax 50, SDax 50, TecDax 30) in den Auswahlindizes der Deutschen Börse statt bisher 200 (Dax 30, MDax 70, SDax 50, Nemax 50) zur Verfügung.

Einfluss auf die endgültige Entscheidung der Deutschen Börse haben weder Unternehmen noch Investoren. Als privatrechtlicher Indexanbieter entscheidet die Börse allein. Allerdings zeichnen sich bereits jetzt Profiteure ab, Medion oder Thiel Logistik beispielsweise. Beide Werte würden nach derzeitigem Stand in den MDax aufrücken. Medion, der Anbieter von PCs und Unterhaltungselektronik, stünde in puncto Free-Float-Marktkapitalisierung sogar auf Platz 9 unter den 50 größten klassischen Werten der zweiten Reihe. "Medion würde von einer Aufnahme in den MDax auf jeden Fall profitieren", sagt Christoph Eckert von CAI Cheuvreux. Der MDax sei gerade für deutsche Anleger schließlich ein wesentlich höheres Qualitätssiegel als der Nemax 50. "Die Zugehörigkeit dort war für Medion zuletzt belastend", so Eckart.

Gleiches gilt für Thiel Logistik, wenn auch beim Luxemburger Logistiker die Aussagen der Analysten eher abwägend sind. "Der psychologische Aspekt einer MDax-Aufnahme könnte sicher Ruhe bringen" so Oliver Graf Wrangel von Merck Finck & Co. Besonders die hohe Volatilität der Aktie zuletzt könnte ein Ende haben. Entscheidender für die Auswirkungen auf den Kurs sei jedoch, ob das Unternehmen das operative Geschäft nach dem katastrophalen Jahr 2002 wieder in den Griff bekommt.

Wesentlich drastischer als im MDax sind die Veränderungen im SDax. Das klassische Segment unterhalb des MDax enthält nach vorläufiger Planung insgesamt 12 Werte, die vorher am Neuen Markt gelistet waren. Einige wie CE Consumer, Balda oder Gericom haben bereits ihren Unmut darüber geäußert, künftig mit Werten der klassischen Old Economy in einen Topf geworfen zu werden. Andere nehmen es mit Gelassenheit. "Natürlich fühlen wir uns in diesem Umfeld nicht so wohl, da es sich um eine sehr heterogene Zusammensetzung handelt", sagt Wolfgang Grenke von Grenke Leasing. Gleichwohl würde eine Aufnahme für sein Unternehmen einen Aufstieg bedeuten. Das bisherige Ziel Nemax 50 blieb Grenke Leasing stets verwehrt. Von Analysten habe er bisher ein positives Feedback erhalten. Als Aufsteiger dürfen sich künftig demnach auch AIG International Real Estate, Sauer-Danfoss, Deutz, Schuler und Boewe betrachten, die bisher ebenfalls in keinem Index vertreten sind.

Wie im SDax gab es auch im neu formierten TecDax von einigen Unternehmen Kritik. Fresenius - bisher im MDax - beispielsweise sieht sich als Health-Care-Unternehmen und deshalb bei den Technologiewerten nicht richtig repräsentiert. Gelassener betrachtet man beim Düsseldorfer Wasseraufbereiter Wedeco, bisher ebenfalls im MDax zuhause, die Situation. "Wir sind ein Tech-Unternehmen, folglich ist die Aufnahme in den TecDax konsequent", so ein Sprecher. Zudem habe der TecDax eine andere Qualität als bisher der Nemax 50.

Das sehen auch viele Experten so. "Der künftige Technologie-Index wird ein wesentlich besseres Ansehen bei Investoren genießen als bisher der Nemax 50", so der allgemein Tenor unter Aktienstrategen. Dafür sorgt der Mix aus den bisher besten Werten des Nemax 50 gepaart mit bisherigen MDax-Werten wie Jenoptik, Wedeco, Fresenius und Software AG. Hinzu kommt frisches Blut mit den gut beleumundeten, aber derzeit noch in keinem Index vertretenen BB Medtech, Bechtle, Web.de, Rofin-Sinar, Repower und Macropore.

Aber Vorsicht: Noch ist alles Spekulation. Letztlich entscheidend sind die Ranglisten Aktienindizes für Januar, die Anfang Februar veröffentlicht werden. Dann geht die Spekulation über Auf und Ab richtig los, ehe der Arbeitskreis Aktienindizes Mitte Februar die endgültige Entscheidung fällt.

Quelle: Handelsblatt

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