Die Vorsorgekolumne
IKB: Nichts für Witwen und Waisen

Die heftigen Turbulenzen um die bisher als kreuzbrav angesehene Mittelstandsbank IKB und der rasante Kurssturz der Aktie sind ein neues Beispiel, dass die Wirklichkeit oft jede Fantasie übertrifft. Wer hätte jemals geglaubt, dass sich der Wert dieses klassischen Witwen- und Waisenpapier innerhalb einer Woche nahezu halbiert?

Die heftigen Turbulenzen um die bisher als kreuzbrav angesehene Mittelstandsbank IKB und der rasante Kurssturz der Aktie sind ein neues Beispiel, dass die Wirklichkeit oft jede Fantasie übertrifft. Wer hätte jemals geglaubt, dass sich der Wert dieses klassischen Witwen- und Waisenpapier innerhalb einer Woche nahezu halbiert? Die IKB liefert das aktuellste Beispiel dafür dass an Aktienmärkten nichts vorhersehbar ist. Panik wäre jetzt die falsche Reaktion, Untätigkeit vielleicht aber auch.

Bei der Düsseldorfer Bank wurde das Publikum Zeugnis eines Doppellebens. Ein Institut, das so solide scheint, dass es schon langweilt, hat sich hinter verschlossenen Türen im großen Stil an undurchsichtigen und hochgefährlichen US-Immobilienfinanzierungsgeschäften beteiligt, und dafür noch Bürgschaften gegeben. Selbst den angesehenen Profis ist dieses Spiel entgangen. Die hat eher überzeugt, dass die IKB-Aktie über Jahre eine bessere Kursentwicklung hingelegt hat als der Dax. Julius Bär, Dr. Jens Ehrhard, UBS, DIT, BNP Asset Management, die Liste der glanzvollen Namen unter den Aktionären ist lang.

Wer sich als Privatanleger verführt sah, ebenfalls ordentlich zuzugreifen, sollte jetzt schleunigst sein Portfolio überprüfen. Eine Position von mehr als zwei oder drei Prozent des Vermögens sollte die Aktie nicht haben. Auch wenn es schwer fällt: es lohnt nicht zu warten, bis sich das Papier wieder auf die alten Höchststände erholt hat. Das kann noch so sehr lange dauern. Die Deutsche-Telekom-Aktie hat es bis heute nicht geschafft. Auch bei der IKB weiß heute niemand, wo die Reise hin geht. Ersparnisse sollten so breit gestreut sein, dass das die Vermögensentwicklung nicht von ein paar wenigen Titeln abhängt.

Generell fällt es Anlegern schwer, ein Papier unter dem Einstandspreis zu verkaufen. Ein Trost für alle, die Aktie schon länger halten: Dividenden eingeschlossen, hält sich der Verlust trotz des jüngsten Kurseinbruchs für viele in Grenzen. Je nach Zeitraum sehen die Renditen auch nach der jüngsten Katastrophe ganz ordentlich aus. Wer etwa die Aktie vor fünf Jahren gekauft hat, hat sie zu einem ähnlichen Kurs wie heute erstanden. Selbst zum Höhepunkt der Spekulationsblase am 30. Juli 2000 war sie mit umgerechnet 16,58 Euro keinesfalls überteuert. Da die IKB stets ansehnliche Dividenden gezahlt hat und von dem Platzen der Blase nur mäßig betroffen war, liegt ihre Gesamtrendite seit 2000 mit rund 4,45 Prozent ähnlich wie beim deutschen Standardwerteindex Dax. Der war damals so stark eingebrochen, dass er bis 2007 gebraucht hat, um das alte Niveau wieder zu erreichen. Schlechter ist die Lage für Anleger, die die Titel erst in den letzten beiden Jahren zu Kursen von über 25 Euro gekauft haben. Doch auch hier gilt: Raus damit, wenn das Gewicht im Portfolio zu groß ist.

Sollte die IKB-Aktie noch gar nicht im Portfolio vertreten sein, ist vielleicht bald der richtige Moment, um zuzugreifen. Märkte tendieren bei schlechten Nachrichten zu Überreaktionen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist auf rund fünf abgerutscht. Das mag zu billig sein. Immerhin hält die IKB einen Marktanteil von 16 Prozent im begehrten Mittelstandsfinanzierungsgeschäft. Die Kurse könnten sich bald wieder ein Stück weit erholen. Auch steht mit der staatlichen KfW ein potenter Großaktionär hinter der Bank. Profis warten in solchen Fällen ein paar Tage mit dem Kauf, bis sich der Kurs stabilisiert hat. Doch Vorsicht, dieser Tipp ist hochspekulativ. Nichts für Witwen und Waisen.

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