Die Vorsorgekolumne
Neue Rechnung

Eine fondsgebundene Lebensversicherung lohnt nicht, hatten wir an dieser Stelle im Frühjahr geschrieben. Denn gegenüber dem Fondssparen auf eigene Faust hat sie gravierende Nachteile: Abschlusskosten, lange Bindung an ein Produkt und den Versicherer und ein teurer Ausstieg, wenn der Sparer sein Geld vor Ende der Ablaufzeit braucht. Doch seit die Details zur Abgeltungssteuer bekannt sind, sieht die Rechnung anders aus.

DÜSSELDORF. Die neue Steuer, die künftig Dividenden und Kursgewinne voll besteuert, macht das Fondssparen deutlich weniger attraktiv. Nach Berechnungen der Verbraucherzentrale Bremen kommt die fondsgebundene Lebensversicherung nach Steuern sogar besser weg als ein Fondssparplan.

Bei einem Fondssparplan zahlt der Sparer jeden Monat einen festen Betrag in einen Fonds seiner Wahl ein. Dabei ist ein Ausgabeaufschlag zwischen 2,5 und fünf Prozent fällig. Ein guter Aktienfonds brachte bisher locker sieben Prozent Rendite im Jahr - vier Prozent Kurssteigerungen und drei Prozent Dividenden. Wer 30 Jahre lang jeden Monat 100 Euro einzahlt, erzielt bei einem Ausgabeaufschlag von fünf Prozent mit einem solchen Fondssparplan am Ende 112 000 Euro. Eine Fondspolice dagegen schafft es bei gleicher Rendite nur auf eine Ablaufleistung von 93 700 Euro. Zuzüglich erwarteter aber nicht garantierter Überschüsse kommt sie auf 100 800 Euro. Das ergibt die Auswertung von 45 Fondspolicen.

Damit ist die Gesamtrendite einer Fondspolice eindeutig schlechter. Doch nun kommt die neue Abgeltungssteuer hinzu. Der Staat kassiert danach künftig gut ein viertel aller Kursgewinne und Dividendenzahlungen des Fondssparplans. Verkauft der Sparer nach 30 Jahren seinen Fonds, verbleiben ihm nach Steuern nur 81 700 Euro. Günstiger kommt der Prämienzahler einer fondsgebundenen Police weg.

Sie bleibt von der Quellensteuer unberührt. Wird sie zu Rentenbeginn ausgezahlt, muss der Sparer wie immer lediglich die Hälfte der Differenz zwischen seinen Einzahlungen und der Auszahlung mit dem persönlichen Steuersatz versteuern. Bei einem Steuersatz von 30 Prozent blieben ihm von den 100 800 Euro noch 91 200 Euro. Bei einem Satz von 40 Prozent blieben ihm 87 900 Euro. Beide Beträge sind deutlich höher als die 81 700 Euro des Fondssparers.

Also doch lieber eine fondsgebundene Lebensversicherung kaufen? Selbst Verbraucherschützer Arno Gottschalk, der diese Rechnung erstellt hat, warnt weiterhin vor den Nachteilen einer solchen Police. Der Sparer verliert weitgehend die Kontrolle darüber, wie sein Geld angelegt wird. Manche Policen bieten zwar eine Auswahl von Fonds. Doch besonders kostengünstige Fonds wie die Indexfonds haben Lebensversicherer selten im Angebot. Die übrigen Nachteile - siehe oben - wiegen häufig schwerer als die steuerliche Begünstigung der Versicherung. Zumal sich Steuern ständig ändern. Vielleicht hat die ungleiche Besteuerung rechtlich gar keinen Bestand.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%