Die Vorsorgekolumne
Taschen-Rechnereien

Es gibt Taschenrechner, die nicht nur addieren und multiplizieren sondern auch genau ausrechnen, was ein Sparer am Ende auf der hohen Kante hat, wenn er regelmäßig eine feste Summe über 10, 20 oder 30 Jahre einzahlt. Solche Berechnungen lassen sich inzwischen längst auch im Internet anstellen, etwa auf unter » www.dia-vorsorge.de.

Es kommt Erstaunliches dabei heraus. 100 Euro, Monat für Monat angespart, können im Alter zu einem Zusatzeinkommen von knapp 470 Euro führen, vorausgesetzt, der Sparer fängt zeitig genug an. Dabei muss das Geld nicht einmal besonders genial investiert sein. Es reicht schon eine Verzinsung von fünf Prozent.

Die Eingaben und das Ergebnis: Wer 100 Euro 30 Jahre lang Monat für Monat 100 Euro spart, hat am Ende 36 000 Euro auf die hohe Kante gelegt. Die Verzinsung aller eingezahlten Beträge und die Wiederanlage der Zinserträge haben daraus aber knapp 82 000 Euro gemacht. Würde der Sparer 20 Jahre später anfangen und dann aber jeden Monat 300 Euro zurücklegen, hätte er am Ende auch 36 000 Euro abgezweigt. Aber die Zinsen würden daraus nur eine Summe von 46 500 Euro machen. Der „Zinseszinseffekt“ kann sich in so kurzer Zeit nur begrenzt entfalten – der späte Sparer hat praktisch nur halb so viel, wie derjenige, der früh angefangen hat. Um zu Rentenbeginn auf die gleiche Summe zu kommen, müsste der Nachzügler Monat für Monat 525 Euro anlegen und würde damit insgesamt 63 000 Euro einzahlen, zweimal so viel wie der zeitige Sparer.

So oder so, 82 000 Euro zum Rentenantritt bringen – zu fünf Prozent angelegt und über 25 Jahre aufgebraucht – Monat für Monat ein nettes Zubrot von 470 Euro. Auch hier wirkt der Segen des Zinsenzinseffekts. Denn das Geld, das Jahr für Jahr noch auf dem Konto ist, arbeitet weiter. Wenn dann nach 20 Jahren alles verzehrt ist, hat der Sparer aus seinen eingezahlten 36 000 Euro Renteneinkünfte von 141 300 Euro bezogen. Die gesparte Summe hat sich damit im Laufe eines langen Lebens vervierfacht.

Das funktioniert allerdings nur, wenn der Anleger auf Gebühren und Provisionen achtet. Eine einprozentige Managementgebühr – das ist eher wenig – und ein fünfprozentiger Ausgabeaufschlag auf einen Fonds in der Ansparphase würde das nach 30 Jahren vorhandene Kapital um volle 20 Prozent dezimieren. Der Sparer verschenkt bereits in der Ansparphase 16 500 Euro. Sein Zusatzeinkommen im Alter betrüge statt 470 nur 340 Euro, wenn nach 20 Jahren alles aufgebraucht ist, hat er 102 000 Euro ausbezahlt bekommen. Die Aufschläge und Gebühren haben seine Renteneinkünfte am Ende um fast 40 000 Euro reduziert.

Schwirrt Ihnen jetzt der Kopf? Das menschliche Hirn kann sich solche Effekte einfach nicht vorstellen. „Der Mensch hat in seiner Geschichte Bären gejagt und sich vor Löwen verteidigt“, sagt Anlagespezialist Manfred Weber von der Uni Mannheim, „aber er hat nichts vom Zinseszinseffekt erfahren.“ Deshalb hilft nur: Taschenrechner her.

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