Die Vorsorgekolumne
Von nichts kommt nichts

Die meisten Deutschen machen sich offenbar immer noch was vor, wenn es um ihre spätere Rente geht. Bei einer neuen Umfrage der Fondsgesellschaft Fidelity unter 2000 Bürgern unterschiedlicher Alters- und Einkommensklassen haben die Befragten ihre künftige Rente deutlich überschätzt. Außerdem bevorzugen die Bundesbürger Vorsorgeprodukte, die kaum Rendite bringen. Doch dass Sparer einfach mehr Aktien und Fonds kaufen sollten, wäre der falsche Schluss.

Zunächst zu den Ergebnissen der Studie. Die Befragten glaubten, dass sie mit Rentenbeginn immerhin noch 70 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens zur Verfügung haben werden. Damit lagen sie ziemlich weit daneben. Im Schnitt werden die heute noch erwerbstätigen Deutschen später nur 58 Prozent ihres letzten Einkommens erreichen. Wer nur auf die staatliche Rente vertraut und privat nichts auf die hohe Kante gelegt hat, wird nach der Studie sogar nur noch 43 Prozent des letzten Einkommens haben. Damit ist wohl die allgemeine Vorstellung der Befragten, dass sie ihren Lebensstil weitgehend beibehalten können, Illusion.

Solche Studien tauchen immer mal wieder auf – meist haben die Anbieter von Vorsorgeprodukten sie gemacht, weil sie natürlich auch ihre Produkte verkaufen wollen. Dem Zweck entsprechend hat die Studie auch zu Tage gefördert, dass die Deutschen völlig falsch sparen. Sie gehen zu sehr auf Nummer sicher und verzichten auf Rendite. Das Lieblings-Vorsorgeprodukt der Deutschen ist die klassische Kapitallebensversicherung, gefolgt von Sparbuch, Bausparen, Rentenversicherung, Eigenheim und der Riester-Rente, die inzwischen schon 23 Prozent abgeschlossen haben. Renditeträchtigeres Sparen wie Aktien oder Investmentfonds wagt nur jede fünfte Sparer.

Der Schluss der Studie: die Deutschen sparen zwar, aber sie sparen falsch. Darin steckt ein Stück Wahrheit, auch wenn der Leser deshalb nicht unbedingt ein Fidelity Fonds kaufen muss. Es gilt die eherne Regel dass ohne Risiko keine höhere Rendite zu haben ist. Von nichts kommt nichts. Mit einem Sparbrief und einer Lebensversicherung, in die jeden Monat ein hunderter oder zwei wandern, lässt sich vielleicht später die magere Rente ein klein wenig aufbessern. Aber reich werden kann man damit nicht.

Also dann lieber riskantere Anlagen wie Aktien oder Aktienfonds? Eine Rendite von acht Prozent können Aktien oder gute Fonds ohne weiteres bringen. Doch Vorsicht, die Betonung liegt auf „können“. Es gab auch schon Phasen, da haben sich die großen Aktienindizes über Jahrzehnte nur seitwärts bewegt. Bei Aktien kann man immer auch Geld verlieren. Deshalb sollten Sparer nur den Teil ihrer Ersparnisse in riskantere und damit auch renditeträchtigere Anlagen stecken, den sie im Zweifel auch verlieren können. Die einfache Formel, dass ein guter Investmentfonds her muss, dann reicht die Rente später schon, gilt nicht. Wer wirklich später gut leben will, muss viel sparen und möglichst früh damit anfangen. Daran führt kein Weg vorbei. Ein Teil davon darf dabei ruhig in Aktien wandern. Aber immer nur ein Teil.

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