Die VW-Quartalszahlen sorgen für wenig Klarheit
Analysten setzen auf BMW und Porsche

Autoaktien machen den meisten Anlegern derzeit wenig Freude. Daran ändern auch die jüngsten Quartalszahlen nichts. Nach dem Zwischenhoch bewegen sich die Kurse wieder nach unten. Ein Ende der Talfahrt ist nicht abzusehen. Bei BMW und Porsche sind die Risiken am geringsten.

DÜSSELDORF. Die Vorsicht dominiert. Weil die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit alles anderes als erfreulich sind, ist auch der Einstieg in Automobilaktien im Moment mit Risiken behaftet. "Das vierte Quartal wird härter", bestätigt Automobilanalyst Georg Stürzer von der Hypovereinsbank in München. Unter den Finanz- und Börsenfachleuten herrscht weitestgehend Einigkeit darüber, dass das abgeschlossene dritte Quartal wenig Aussagekraft für die kommenden Monate besitzt. Die Terroranschläge in den USA und ihre Folgen stimmen die Analysten weniger nachdenklich. Viel schwerer wiegen die nicht mehr von der Hand zu weisenden Indikatoren für einen Konjunktureinbruch. "Bei uns steht der gesamte Autosektor auf leichtes Untergewichten", beschreibt Lars Ziehn, Autoanalyst bei der Deutschen Bank, die Konsequenzen.

Damit wird offensichtlich, dass die schon länger bestehende Zweiteilung im Automobilsektor künftig noch zunimmt. "Die Trennung zwischen Volumen- und Premiumhersteller wird schärfer", glaubt Henrik Lier, Autofachmann bei der WestLB in Düsseldorf. Großserienhersteller wie Fiat und Renault haben ein konjunktur-reagibles Kundenklientel. In deren Käuferkreisen ist das Risiko, von Arbeitslosigkeit getroffen zu werden, ungleich größer. Folglich wird auch der Kauf eines Autos schnell aufgeschoben.

Glücklich kann sich schätzen, wer seine (teureren) Fahrzeuge vornehmlich in Käuferschichten mit höherem Einkommen absetzt. "Unter längerfristigem Aspekt sind Porsche und BMW eine sichere Sache", glaubt Georg Stürzer von der Hypovereinsbank. Die Negativrisiken bei beiden süddeutschen Automobilherstellern halten sich in Grenzen, bei dem für Mitte nächsten Jahres erwarteten Aufschwung sollte die Börsenbewertung für BMW und Porsche schnell nach oben springen.

Gegensätzlich fallen die Urteile über Daimler-Chrysler aus - wie das Unternehmen selbst aus zwei gegensätzlichen Teilen besteht. Mit der US-Sparte Chrysler ist der Konzern massiv von der konjunkturellen Abwärtsbewegung auf dem amerikanischen Automarkt betroffen. Mit Mercedes-Benz wiederum spielt Daimler-Chrysler in der Liga von Porsche und BMW mit - und ist mit diesem Teil weniger anfällig für Nachfragerückgänge.

Für Klaus Weihermann von der WGZ-Bank überwiegen die Nachteile auf der Chrysler-Seite. "Für 2002 ist die Unsicherheit extrem hoch", glaubt der Automobilexperte aus Düsseldorf. Er ist überzeugt, dass das Daimler-Management seine Erwartungen für den Betriebsgewinn (operating profit) nach unten revidieren muss - trotz aktueller gegenteiliger Äußerungen. Wolfgang Albrecht von der Landesbank Baden-Württemberg rechnet in den letzten drei Monaten des laufenden Jahres mit einem "verhaltenen Quartalsergebnis" für Daimler-Chrysler.

VW ist von seiner Konzernstruktur stärker auf ein Massenpublikum eingestellt, nur Audi ist im weniger anfälligen Premiumsegment vertreten. Der Wolfsburger Konzern muss die weitere Entwicklung in den USA genau beobachten. Gute US-Verkäufe konnten in diesem und im vergangenen Jahr die schlechte Entwicklung auf dem heimischen deutschen Markt mehr als wettmachen. Gehen deutscher und amerikanischer Absatz im Gleichklang zurück, bekäme VW Probleme. Auch in Südamerika entwickeln sich die Verkäufe wenig erfreulich.

Die gestrige Veröffentlichung der Quartalszahlen hat aus Analystensicht für wenig Klarheit gesorgt und kann nur begrenzt etwas zur Situation des Konzerns sagen. Vieles deute auf die "VW-typische" Politik hin, bilanzielle Spielräume weit auszunutzen, beklagte Arndt Ellinghorst von der WestLB.

Schlechte Nachrichten sind heute auf jeden Fall von Fiat bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen zu erwarten. Die Spekulationen mehren sich, der US-Konzern General Motors werde nach den ersten 20 % aus dem vergangenen Jahr auch die restlichen 80 % übernehmen. In Frankreich steht Peugeot im Gegensatz dazu unvergleichlich besser da.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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