Die Wahl des Riesterprodukts muss zur gesamten Anlagestrategie passen
Fonds mit Förderung

Viele Klassiker unter den Investmentfonds gibt es auch verpackt als Riesterprodukt. Bei der Auswahl gilt: Die Wahl des Riesterprodukts muss zur gesamten Anlagestrategie passen

HANDELSBLATT,15.3.2002 Mit Riester nach China? Kein Problem. Die Continentale Lebensversicherung hat auch einen Chinafonds im Sortiment ihres Vorsorge-Plus-Plans. Wer lieber Curry mag, wählt einen Indienfonds. Thailand ist ebenfalls im Angebot. Aber es gibt auch ganz klassische Aktienfonds und sogar zwei Indexfonds, mit denen man direkt auf den Euro Stoxx50 oder den Dow Jones, also auf den europäischen oder den amerikanischen Leitindex setzen kann.

Andere Anbieter von Riesterprodukten, etwa die Allianz, beschränken sich auf wenige Fonds. Zum Teil wurden eigens neue aufgelegt, die besonders auf die Kundengruppe der künftigen Riesterrentner zugeschnitten sein sollen.

Sehr viele bekannte Erfolgsfonds sind mit Riesterförderung zu bekommen, vom Investa bis zum Templeton Growth Fund. Wer einen Sparplan mit Riesterförderung abschließt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass nur ein Teil des Geldes in den gewählten Fonds fließt. Denn die Anbieter müssen nach den gesetzlichen Bestimmungen den Erhalt des eingezahlten Kapitals garantieren. Deswegen können sie nicht einfach das gesamte Geld in einen Aktienfonds stecken - wenn die Börsen nachgeben oder Fondsmanager sich verspekulieren, ist die Kapitalgarantie nicht mehr zu leisten. Daher wird ein bestimmter Anteil abgezweigt und separat in Zinspapieren angelegt. Nach Aussage der Nürnberger Lebensversicherung werden bei einem über 30 Jahre laufenden Vertrag rund 55 Prozent der Beiträge in den Fonds eingezahlt. Bei kürzeren Laufzeiten ist dieser Anteil geringer. Eine Besonderheit gibt es beim Anbieter DWS: Dort entscheidet die Gesellschaft selbst, in welche Fonds das Geld fließt und grenzt so das Risiko ein.

Im Vergleich zu einem konventionellen Fondssparplan erwirtschaftet der Anleger auf den ersten Blick besehen also möglicherweise weniger Rendite, weil nur ein Teil tatsächlich in den Aktienfonds fließt. Dafür hat er aber auch ein niedrigeres Risiko, und wer Renditechancen ohne Risiken nebeneinander stellt, vergleicht Äpfel mit Birnen. Außerdem: Durch die Riesterförderung wird natürlich die Rendite seines Eigenbeitrags enorm verbessert. Die Frage, ob man besser einen Riestervertrag oder einen konventionellen Fondssparplan abschließt, sollten sich daher nur Leute stellen, die gerne auf geschenktes Geld verzichten. Für alle anderen gilt: die Riesterförderung mitnehmen und nach Möglichkeit darüber hinaus auch noch sparen.

Neben den fondsgebundenen Policen oder reinen Fondsprodukten kann der Anleger auch noch Riesterprodukte auswählen, bei denen das Geld ähnlich wie bei einer klassischen Lebensversicherung angelegt wird. Außerdem gibt es inzwischen Banksparpläne, die vor allem von kleineren Instituten aufgelegt werden, wenn auch noch zögerlich.

Die Wahl des Riesterprodukts muss zur gesamten Anlagestrategie passen. Simpel gesagt: Wer schon reichlich mit klassischen Lebensversicherungen gesegnet ist, sollte eher zu einer Fondslösung greifen. Wer hingegen einen großen Teil seines Vermögens in Aktien angelegt hat oder Aktienfondssparpläne laufen hat, muss sich mit Riester in diesem Bereich nicht auch noch verstärken. Wichtig ist zudem das Lebensalter: Je jünger, desto höher darf der Aktienanteil sein. Dieser Punkt wird bei Riesterprodukten auch schon automatisch berücksichtigt.

Der Steuervorteil

Die Riesterrente ist schon nach dem System der nachgelagerten Besteuerung konstruiert, das nach dem jüngsten Urteil des Bundesverfassungsgerichts in einigen Jahren auch für gesetzliche Renten gelten soll. Das Prinzip dabei: Gespart wird aus unversteuertem Einkommen, dafür unterliegt die Rente voll der Steuer. Wichtig bei der Riesterrente aber: In der Ansparphase ist der Vorteil hier für den Anleger noch größer, als wenn er einfach nur aus unversteuertem Einkommen einzahlen würde. Denn nicht nur sein Eigenbeitrag, auch die staatliche Förderung ist steuerlich abzugsfähig: Der Staat zahlt also Geld und erkennt diese Summe hinterher als steuerlich abzugsfähig an. Dadurch entsteht für den Sparer ein viel größerer Vorteil, als wenn nur sein eigener Beitrag anerkannt würde. Deswegen lohnt sich die Riesterrente auch - diesen Vorteil kann keine andere Anlageform bieten. Je nach Familiensituation und Einkommen übernimmt der Staat häufig 30 bis 40 Prozent der gesamten Sparleistung - manchmal noch mehr.

In der Praxis ist das Verfahren kompliziert. Der Anleger bekommt zunächst die Förderung. Im Nachhinein rechnet das Finanzamt dann aus, ob der Steuervorteil größer wäre als die Förderung allein. Wenn ja, wird diese Differenz vergütet. Das bedeutet im Umkehrschluss: Der Steuervorteil ist nur das Minimum. Die direkte Förderung ist möglicherweise noch höher.

Die Riesterrente gibt es, nachdem der Förderkreis erweitert worden ist, für fast alle Arbeitnehmer einschließlich Beamte. Selbstständige haben aber immer noch die Möglichkeit, über eine konventionelle Lebensversicherung vorzusorgen. Dabei bleiben - in gewissen Grenzen, die Arbeitnehmer in der Regel nicht nutzen können - die Sparbeiträge ebenfalls steuerfrei. In der Auszahlungsphase greift nach derzeitiger Rechtslage auch keine volle Steuer - ebenfalls ein unschlagbares Modell.

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