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Die wahren Verlierer

Alle sprechen von Konsolidierung in der Venture-Capital-Szene. Doch was heißt das eigentlich?

Mittlerweile ist allen Beteiligten - jungen Firmengründern und Wagniskapitalgebern - klar, dass es zu viele Geldgeber gibt. Econa-Vorstand Bernd Hardes bringt es auf den Punkt: "Es wird in Deutschland nicht jedes Jahr hunderte börsenfähige Unternehmen geben". Dann braucht Deutschland auch keine 70 bis 80 Finanziers ganz junger Unternehmen. Denn der Börsengang ist und bleibt der beste, weil lukrativste Ausstieg für jeden Wagniskapitalgeber.

Doch wer sind die Venture-Capital-Geber, die vom deutschen Markt verschwinden werden? Sind es die, die einfach schlecht investiert haben und statt Trends zu setzen, denselben hinterher gelaufen sind? So einfach ist die Rechnung leider nicht. Denn die Gesellschaften, die noch genug Geld haben, können weiter machen, so oder so.

Nein, es werden vor allem die kleineren Geldgeber sein, die einfach kein Geld mehr von institutionellen Anlegern erhalten. Beispiel IT-Adventure. Die Gesellschaft verstand sich vor allem als Netzwerk und Geldgeber von IT-Unternehmen - und gehört seit ein paar Tagen komplett zur börsennotierten Knorr-Capital. Und weitere kleinere VC-Gesellschaften, die sich vor allem auf die Finanzierung ganz junger Technologiefirmen spezialisiert haben, werden diesem Beispiel folgen - wenn sie es denn können. Die Chancen stehen schlecht: Denn die aktuelle Umfrage der Unternehmensberatung Mackewicz und Partner im Auftrag der VDI-Nachrichten und Handelsblatt Netzwert zeigt, dass nur die wenigsten VC-Gesellschaften daran interessiert sind, fremde Portfolios aufzukaufen und weiter zu finanzieren. Sie sind mit ihren eigenen Beteiligungen viel zu sehr beschäftigt, müssen selbst sehen, ob sie weiter Geld in die jungen Firmen stecken oder diese gleich abschreiben.

Das bedeutet: Einige Risikokapitalgeber werden vom Markt verschwinden. Das ist ein normaler Prozess. Doch was passiert mit den Firmen, in die sie investierten? Auch sie werden verschwinden, wahrscheinlich sogar dann, wenn Ideen und Management der jungen Technologie-Unternehmen stimmen. Denn sie werden auch keine Bankkredite für die Finanzierung ihres Wachstums bekommen. IT- und Software-Firmen bergen für Banker noch immer zu hohe Risiken.

Darin liegt das eigentliche Problem der Konsolidierung im Markt für Wagniskapital. Die jungen Technologie-Firmen sind die Verlierer. Sie sind diejenigen, die in der Falle stecken, obwohl noch immer genug Geld bereit steht. Der Markt für Wagniskapital funktioniert schlecht, weil noch immer nicht die besten Ideen gefördert und finanziert werden. Eine Phase des Lernens folgt - hoffentlich.

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