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Die Wall Street wartet

Es heißt weiterhin abwarten. Erst um 20.15 Uhr MESZ wird die Fed ihre Zinsentscheidung bekannt geben. Bis dahin wird das Marktvolumen weiterhin schwach ausfallen. Die Indizes pendeln um ihre Vortagesschlussstände. Während der Dow Jones Index zur Mittagsstunde leicht an Punkten verliert, kann sich der Nasdaq Index in der Gewinnzone halten.

Viele Szenarien sind möglich. Sollte Notenbank-Chef Alan Greenspan die Zinsen um 50 Basispunkte senken, dürfte der Markt aufatmen. Doch ob eine Zinssenkung in diesem Maß zu einer nachhaltigen Rally führen könnte, ist fraglich. Zu viele Faktoren könnten den Aufwärtstrend der Börsen wieder bremsen.

Nicht nur die bevorstehende Ertragswarnungssaison könnte für eine mögliche Rally eine Hürde darstellen. Auch der Aktienmarkt bietet zurzeit nicht die besten Voraussetzungen für Kursgewinne. Nachdem dasBrokerhaus Lehman Brothers bereits gestern den Aktienanteil im globalen Modellportfolio um zehn Prozent reduzierte, tun es ihm die Kollegen von Prudential Securities heute gleich. "Es scheint sehr wahrscheinlich, dass der Aktienmarkt bis zum Ende des Sommers einen Seitwärtstrend einschlagen oder erneut schwächer tendieren wird", meint Prudential Securities Analyst Greg Smith. Gemessen an den Renditen der 10-jährigen Anleihen, die bei 5,5 Prozent liegen, erscheint der Aktienmarkt eher teuer. Zudem könne man davon ausgehen, dass die Unternehmensergebnisse des zweiten Quartals noch schlechter ausfallen werden als die Ergebnisse des ersten Quartals. Im Bestfall dürfte das fundamentale Umfeld für Corporate Amerika erst im vierten Quartal eine Erholung durchlaufen. Auf anhaltende Hilfe der US-Notenbank sei nicht mehr zu bauen.

Die Verluste des Dow Jones Index begrenzen zur Stunde die Gewinne bei IBM und International Paper. Home Depot gehört nach einem unerwartet guten Quartal ebenfalls zu den größten Gewinnern der 30 US-Standardwerte. Die weltgrößte Baumarktkette konnte die Gewinnerwartungen der Analysten um zwei Cents schlagen. Das Management hat im Zuge der Quartalsergebnisse die Prognosen für das zweite Quartal erneut bestätigt. Die Gewinnschätzungen von 37 Cents pro Aktie seien realistisch.

Eher trübe sieht es dagegen bei Branchenkollege Wal-Mart aus. Der weltgrößte Einzelhandelskonzern steigerte den Gewinn im ersten Quartal um vier Prozent auf 31 Cents pro Aktie und konnte die Erwartungen der Analysten erfüllen. Doch die Anleger sind nicht zufrieden. Die Aktie ist neben Pharmawerte Merck zur Mittagszeit einer der Verlierer der Dow Jones Werte.

Auf den Siegerrängen des Nasdaq Index rangieren dagegen Qualcomm, Cisco und Siebel. Qualcomm profitiert von einem Auftrag aus China. China Unicom, die zweitgrößte Mobilfunkgesellschaft der Volksrepublik, hat unter anderem Qualcomm beauftragt, das Mobilfunknetz auf Qualcomms CDMA-Standard auszubauen. Insgesamt wird China Unicom rund 1,5 Milliarden Dollar in den Ausbau des Mobilfunknetzes investieren. Neben Qualcomm erhielten auch Lucent, Motorola, Nortel and Ericsson Aufträge von dem chinesischen Konzern. Während Lucent an Wert gewinnt, muss Motorola Punkte abgeben. Der weltweit zweitgrößte Mobiltelefonhersteller hat Schwierigkeiten im Finanzierungsgeschäft. Telsim Mobil, ein türkischer Anbieter von Mobilfunkservice, hat eine am 30. April fällige Kreditrückzahlung in Höhe von 728 Millionen Dollar verstreichen lassen.

Ciena gehört zu den größten Verlierern des Nasdaq Index. Der Hersteller von Komponenten für die Kommunikationsindustrie wird am Donnerstag Quartalsdaten vorlegen. Die Analysten von Lehman Brothers befürchten, dass die Aktie weiter fallen könnte, wenn Ciena die Prognosen für das kommende Quartal veröffentlicht.

©Wall Street Correspondents Inc.

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