Die Warn-Saison hat begonnen
Wall Street: Zwischen Warnungen, Entlassungen und Intel

Der Chiphersteller Flextronics sprach am Montagabend eine Umsatz- und Gewinnwarnung aus, Hewlett-Packard zügelte am Dienstag die Erwartungen der Wall Street, und nachbörslich setzte der Software-Hersteller Tibco die Reihe fort. Die Warnsaison hat begonnen und sie scheint Investoren nicht zu schonen.

NEW YORK. Völlig überraschend kommen die Ertragswarnungen nicht. Eigentlich ist, so entmutigend das klingt, jede neue Warnung schon bei Erscheinen "old news" - Schnee von gestern. Denn die CEOs der Hard- und Softwareunternehmen, der Chip-Hersteller und-Zulieferer warnen seit Monaten und berufen sich auf ein schwaches IT-Umfeld.

Insofern ist auch ein gewaltiger Satz für den Chip-Riesen Intel am Dienstag wohl nur die unreife Reaktion auf einen Funken Hoffnung, den die Analysten der Banc of America aufs Parkett blitzen ließen. Die wollen in Taiwan erfahren haben, dass die Branche nun doch im zweiten Halbjahr einen Aufschwung erfahren werde. Vor allem die Nachfrage nach Motherboards solle anziehen, jenen Herzstücken der Computer, die Intel mit Chips bestückt. 3 % legte Intel am Dienstag bis Börsenschluss zu, weitere vier nach der Glocke. Dabei schlägt die Stunde der Wahrheit erst am Donnerstag, wenn Intel einen revidierten Ausblick auf das laufende Quartal geben wird.

Frage nach dem Aufschwung

Bis dahin beschäftigt ein altes Problem den Markt: Die Frage nach dem Aufschwung. In einer weiteren Woche der Datenflaute halten die Bullen die Joker der letzten drei Monate hoch und darauf steht: Bruttoinlandsprodukt stark, Verbraucherausgaben hoch, Produktionsvolumen und Produktivität immer stärker. (Dass die starke Produktivität mit hoher Arbeitslosigkeit gleichzusetzen ist, steht nur kleingedruckt auf der Rückseite des Jokers! - Neues dazu steht am Freitag an, wenn die Arbeitslosenquote für Mai veröffentlicht wird, die laut Expertenmeinung auf 6,2 % gestiegen sein soll.)

Entlassungen an allen Ecken

Um die Arbeitslosenstatistik macht sich neben Hewlett-Packard (15 000 Entlassungen) auch IBM verdient. Auf 1 500 Mitarbeiter will man bei "Big Blue" künftig verzichten, die Aktie legte nach der Schlussglocke deutlich zu und dürfte am Mittwoch zu den frühen Gewinnern im Dow gehören. Diese Reaktion lässt Erinnerungen an schlechte Zeiten wach werden. Während der Rezession, als noch nicht einmal optimistische Analysten ein Ende der Kursstürze absehen wollten, stiegen die Kurse nach solchen Meldungen. Später, als man sich einen Aufschwung wünschte und eifrig Umsatzwachstum und ein besseres IT-Umfeld herbeiprophezeite, waren Entlassungen ein Zeichen von Schwäche. Sind die jüngsten Gewinne bei IBM ein Zeichen? Oder hat man sich besonnen - und resigniert?

Am Mittwoch werden Anleger darüber nachdenken, um sich vor der Intel-Konferenz in Position zu bringen, nachhaltig bewegt werden dürfte der Markt dann aber erst zum Wochenende. Nach Intel und dem Arbeitslosenbericht.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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