Die Weinbauregion Tokaj erzählt die Geschichte von der Rückkehr Ungarns nach Europa
Spätlese Ost

Légy türelmes és várd a jó idot. Auf Anhieb erscheint diese Sprache wie der leibhaftige Standortnachteil. Und wehe, man hat sich pusztamäßig verirrt und muss den Weg über zum Verwechseln ähnliche Agglomerationen nehmen, die Namen wie Tötökszentmiklos und Püspökladany tragen. Ist man aber in der Stadt Nyiregyhaza angekommen und hat die Spuren balkanischer Armut hinter sich gelassen, dann ist es nicht mehr weit.

HB TOKAJ. Aus der Ebene kommend, heischt der Berg schon von Ferne Respekt. Und je näher man kommt, desto klarer ist, dass hier, am östlichsten Zipfel Mitteleuropas, eine andere, bessere Welt beginnt.

Die Weinprobe im berühmtesten Keller Ungarns, dem Rakoczi Pince. Der Tokajer duftet nach Frühlingsblüte, Aprikose, Cavaillon-Melone.

Tokaj, auch der Name klingt nach, ein ungarisches Nationalsymbol, eine Geschichte von Ruhm, Niedergang und Wiederaufbau. Kaum 50 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, ist hier in Jahrhunderten eine unverwechselbare Kulturlandschaft entstanden, Weinland. Das Gebiet hat nur etwa 7 000 Hektar Anbaufläche, das ist im internationalen Maßstab ein Nichts.

Doch Jahr für Jahr legt sich die Botrytis auf die Trauben von Tokaj, ein Edelpilz, so dass aus normalem Weißwein ein einzigartiger Süßwein werden kann. Über kaum ein Getränk auf dieser Welt ist mehr geschrieben worden. Bis 1945. Dann kam die Rote Armee, sah, trank. Von da an ging es bergab und die Ernte fast komplett in die Sowjetunion. Aus dem "Gold der Ungarn" wurde ein Gesöff. In Deutschland findet man die Flaschen von den 60er-Jahren an, wenn überhaupt, ganz unten im Regal, pappsüß und vor allem billig. Doch das soll jetzt alles wieder ganz anders werden. Tokaj, das ist die Geschichte einer nationalen Wiedergeburt. Dieser Wein, in der Nationalhymne der Magyaren besungen, ist für die Ungarn wieder zum Symbol geworden.

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