Die Welt macht Front gegen die Mafia
UN-Konferenz über Organisierte Kriminalität

dpa PALERMO/CORLEONE. Die Welt macht Front gegen internationale Verbrecher-Syndikate und Menschenhändler. Bei einer Konferenz über Organisierte Kriminalität in der einstigen "Mafia-Hochburg" Palermo rief UN-Generalsekretär Kofi Annan am Dienstag zum entschlossen Handeln auf. "Die globale Herausforderung des Verbrechens braucht eine globale Antwort." Zugleich unterschrieben erste Staaten eine UN - Konvention, um den weltweiten Kampf zu verstärken. Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin sagte, der zunehmende Frauen- und Mädchenhandel führe auch in Deutschland zu "einer modernen Form der Sklaverei", die man mit allen Mitteln bekämpfen müsse.

Vor rund 110 Innen- und Justizministern sagte Annan, internationale Gangsterbanden nutzten freie Märkte und modernste Technologien rücksichtlos für ihre Zwecke aus. Die Macht der Gangster nehme ständig zu. "Ihre Zahl wird immer größer, ihre Waffen immer gefährlicher." Aber auch die "Macht des internationalen Verbrechens ist nicht unbesiegbar". Zugleich weihte der italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi ein "Mafia-Museum" in Corleone ein, der einst berüchtigten Mafia-Hochburg im sizilianischen Hinterland.

Schweigeminute für Mafiaopfer

In der offiziell als "Dokumentationszentrum" bezeichneten Gedenkstätte sind Fotos der Mafia-Anschläge sowie Fahndungsprotokolle zu sehen. Entgegen ersten Plänen nahm Annan jedoch an der Zeremonie nicht teil. In einer Schweigeminute wurde an die tausenden Opfer Mafiaopfer gedacht. Mehrfach wurden die italienischen Erfolge im Kampf gegen die Mafia gelobt. "Die Mafia kontrolliert in Palermo nicht mehr die Köpfe der Menschen", sagte der Bürgermeister der Stadt, Leoluca Orlando, der in Italien als Symbolfigur der Anti- Mafia-Bewegung gilt.

Das Innenministerium in Berlin schätzt die Umsätze des Organisierten Verbrechens allein in Deutschland auf etwa zwei Mrd. DM jährlich. Weltweit gehen Experten von mehreren hundert Mrd. DM Umsatz aus, vor allem im Drogenhandel, Prostitution, Menschen- und Waffenschmuggel. Däubler-Gmelin, die gemeinsam mit Innenminister Otto Schily in Palermo war, nannte die "Konvention von Palermo" einen entscheidenden Schritt, mehr Druck auf das Verbrechen auszuüben.

Zusatzprotokoll über Menschenhandel

"Es sind allerdings keine Schlupflöcher, die hier gestopft werden müssen, das sind eher Scheunentore", sagte sie in einem dpa-Gespräch. Die Staaten verpflichten sich in der Konvention etwa, bereits die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung unter Strafe zu stellen. Verdächtige sollen schneller ausgeliefert, das Bankgeheimnis beim Verdacht der Geldwäsche leichter aufgehoben werden. Justizministerin Däubler-Gmelin geht davon aus, dass bereits bei der viertägigen Konferenz in Palermo etwa 120 Staaten die Konvention unterschreiben, darunter Deutschland.

Besonders wichtig sei ein Zusatzprotokoll über den Menschenhandel und das Unwesen professionaler Schleuserbanden. "Es vergeht praktisch kein Tag mehr, an dem nicht irgendeine Zwangsprostitution in Deutschland auffliegt." Zwar seien die Frauen im rechtlichen Sinne keine Sklaven. "Faktisch handelt es sich aber um Sklaverei", sagte sie. Menschenhandel spiele im internationalen Verbrechen eine immer wichtigere Rolle. "An erster Stelle steht der Drogenhandel. Aber der Menschenhandel ist stark im Kommen." Experten schätzen, dass international verzahnte Banden jedes Jahr rund vier Mill. Menschen schwarz über die Grenzen bringen.

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