Die weltgrößte Terminbörse will Derivate- und Kassamärkte näher zusammenbringen
Eurex setzt auf Schnelligkeit

Die Eurex wächst weiter rasant. Während der jüngsten Turbulenzen stellte die weltgrößte Terminbörse ihre Funktionsfähigkeit wieder unter Beweis. Die Zusammenführung von Derivate- und Kassamarkt-Transaktionen soll neue Kunden an die Eurex locken. Wetterderivate sind noch keine beschlossene Sache.

BOCA RATON. Die Terminbörse Eurex bleibt weiter auf Wachstumskurs. Von Konsolidierung kann keine Rede sein", verweist der neue Vorstandsvorsitzende Rudolf Ferscha auf das in jüngster Zeit gigantische Wachstum. Am vergangenen Mittwoch wurde mit 4,5 Mill. gehandelten Kontrakten ein neuer Weltrekord aufgestellt. "Im Gesamtjahr 2001 erwarte ich eine Steigerung des Kontraktvolumens von 30 %", so Ferscha gegenüber dem Handelsblatt.

"Die Eurex ist die bei weitem schnellste Börse der Welt", nennt er einen wesentlichen Grund für den Erfolg. Ein nur selten in Betracht gezogener Faktor sei dabei auch, dass nicht nur der Handel, sondern auch das Clearing - Abwicklung und Abrechnung der durchgeführten Transaktionen - durch das integrierte Clearinghaus in Echtzeit erfolge. Gerade beim Auslaufen des März-Bund-Futures habe das Eurex-Clearinghaus seine Funktionsfähigkeit wiederum unter Beweis gestellt. Am Fälligkeitstag dieses Kontrakts wurden problemlos Anleihen im Nominalwert von 25 Mrd. Euro geliefert. Der Markenname "Eurex" profitiere ganz erheblich von der großen Stabilität der elektronischen Systeme.

Erfreulich sei die Tatsache, dass das Umsatzplus nicht nur auf den Bund-Future - entscheidender Umsatzträger der Vergangenheit - entfiel, sondern auch "intelligente Produkte" wie Aktien- und Index-Derivate kräftig zulegten. Bei diesen Instrumenten liege der Umsatz in diesem Jahr bereits um 50 % über der gleichen Vorjahresperiode. Die Deutsche Börse habe in der Vergangenheit dazu beigetragen, die Aktienkultur in Deutschland zu fördern. Als eine wesentliche Aufgabe der Eurex betrachtet es Ferscha in diesem Zusammenhang, Anlegern entsprechende Risikomanagement-Produkte zur Verfügung zu stellen. "Und dies alles unter einem einzigen Dach", wie er betont.

Bundesbank ist mit an Bord

Es sei eine "wunderbare Aufgabe", auf diese Art und Weise in die Wertschöpfungskette der deutschen Volkswirtschaft eingebunden zu sein. Die Eurex bietet ihren Kunden im Bereich festverzinsliche Wertpapiere nicht nur Derivate-Geschäfte, sondern über die beiden Plattformen Eurex-Bonds und Eurex-Repo auch Kassamarkt-Transaktionen. "Wir sind besonders stolz, dass die Bundesbank bei Eurex-Bonds sehr aktiv dabei ist". Man arbeite daran, neue Akteure aus anderen Teilen der Welt auf diese Plattform zu bringen.

Positiv entwickle sich auch die Kassamarkt-Plattform Eurex-Repo, die mit Hilfe der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zunächst am Schweizer Markt aufgebaut wurde. Die Eurex arbeitet an der Schaffung einer weiteren Plattform für das Geschäft mit Primär-Anleihen (Neu-Emissionen). "Nach den positiven Erfahrungen mit Eurex-Bonds würden wir die Bundesbank auch hierbei gern einbeziehen", macht Ferscha keinen Hehl aus seinen Ambitionen. Das auf diese Weise mögliche Zusammenspiel von Derivate- und Kassamärkten führe bei den Eurex-Kunden zu einer höheren Wertschöpfung.

Eine solche Kombination aus Derivate- und Kassamarkt plant die Eurex auch bei Aktien, wo Kunden in Zukunft das Clearing von am Kassamarkt durchgeführten Aktien-Transaktionen offeriert werden soll. Diese neue Funktionalität soll zusätzliches Geschäft zuführen, weil es nicht nur zu einer Risikoreduzierung, sondern auch zu erheblichen Kosteneinsparungen bei den Kunden führe.

Nach dem starken Kursverfall an den internationalen Aktienbörsen sei es für Anleger heute möglicherweise interessant, Optionen auf Aktienindizes oder aber einzelne Aktien als Positionierungs-Instrumente an den Aktienbörsen einzusetzen. Experten betonen, dass sich hierfür vor allem längerlaufende Optionen anbieten.

Als größte Herausforderung bezeichnet es der erst seit einigen Monaten im Amt befindliche Eurex-Chef, die Produkte und das System des Terminbörsen-Primus bei Kunden in der ganzen Welt zu verbreiten. Kundennutzen und Volumen seien die beiden wichtigsten Faktoren, wenn es um neue Produkte gehe. Die Eurex müsse sich auf Produkte fokussieren, die hohes Volumen und hohe Erträge bringen. Das Ziel, eine hohe Wertschöpfung zu erzielen, müsse bei neuen Produkten erreichbar sein. Die Eurex werde auch in Zukunft eine Börse für Derivate- und Kassa-Finanzprodukte sein. Ein Ausflug in andere Bereiche müsse gut abgewogen werden. Das gelte auch für Wetter-Derivate. Die Börse errechnet seit geraumer Zeit Wetterindizes. Bislang war die Möglichkeit zur Einführung von Derivaten auf diese Indizes erörtert worden. Ferscha deutete jedoch an, dass eine Einführung noch längst nicht beschlossene Sache sei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%