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Die Werbekrise schlägt in Hamburg zu

Das Aus für "Die Woche" kam nicht überraschend. Die Geschichte der Hamburger Wochenzeitung liest sich wie die Chronik eines angekündigtes Todes.

Das 1993 gegründete Qualitätsblatt kam trotz hoher Investitionen in Redaktion und Marketing nie aus den roten Zahlen. Da halfen auch nicht die Übernahme "Wochenpost" oder das kurze Intermezzo des "Focus"-Verlegers Hubert Burda. "Der Markt hat die Woche nicht wirklich akzeptiert", brachte es Mitgründer und Herausgeber Manfred Bissinger auf den Punkt.

Für Leser und Redaktion ist die Einstellung ein harter Schlag. Genau vor einer Woche hatte sich Chefredakteurin Sabine Rosenbladt in ihrem Editorial über die neue Aufmachung gefreut. "Wir hoffen, dass Ihnen die neue "Woche" gefällt und dass es Ihnen ebenso viel Spaß macht, sie zu lesen, wie uns, sie zu produzieren". Zum Schluss gab es sogar eine kleine Auflagensteigerung. Letzter Stand: 135 000 verkaufte Exemplare. Das war zu wenig für den Hamburger Verleger Thomas Ganske ("Feinschmecker", "Für Sie", "Merian", Hoffmann & Campe). Eine Übernahme durch die finanzstarke WAZ-Gruppe aus dem Ruhrgebiet scheiterte. Denn Deutschlands größter Regionalzeitungsverlag ging es offenbar nicht um die angesehene, aber verlustreiche "Woche", sondern um die anderen lukrativen Edel-Zeitschriften. Darauf wollte sich Ganske aber nicht einlassen.

Kein Zweifel - "Die Woche" schrieb ein Stück Zeitungsgeschichte. Sie war die erste durchgängig farbig gestaltete Wochenzeitung. Wegen ihres exzellenten Designs heimste das Blatt viele Preise ein. Autoren wie TV-Journalist Ulrich Wickert oder Theaterregisseur Jürgen Flimm entfachten spannende Debatten. Am Ende alles vergeblich: Die Werbekrise forderte ihren Tribut. Gestern forderte Wirtschaftsminister Werner Müller von den Unternehmen mehr Geld in die Werbung zu stecken. Ein schöner Appell, doch leider Gottes zu spät.

Adieu "Woche". Wir werden Dich vermissen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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