Die Werbung ignoriert deutsche Nationalspieler
Fußball-Helden werden dringend gesucht

Trotz der Präsenz in der Öffentlichkeit, die den Spielern während der Fußball-WM gewiss ist, kommen nur wenige für eine nennenswerte Vermarktung in Frage.

eah DÜSSELDORF. Fußball-Deutschland hofft auf die Qualitäten von 23 Auserwählten. 23 Namen, die für die gewünschten Siege sorgen sollen. Die Liste reicht von Asamoah bis Ziege, die Prognosen vom Vorrunden-Aus bis zum WM-Titel. Trotz der geballten Präsenz in der Öffentlichkeit, die den Nationalspielern während der nächsten Wochen bei der Fußball-Weltmeisterschaft gewiss ist, kommen aber nur wenige für eine nennenswerte Vermarktung in Frage. Die meisten der Sportpromis haben zwar einen Berater, der für Transferfragen zuständig ist, für den Bereich Werbung jedoch sind Experten nicht nötig - mangels Nachfrage aus den Marketingabteilungen.

"90 Prozent der Nationalspieler sind nicht vermarktbar, weil sie zum einen nicht die Voraussetzungen mitbringen und zum anderen der Markt gar nicht so viele aufnehmen kann", sagt Peter Olsson, der einst einen Oliver Bierhoff zum ersten und bislang einzigen Werbekönig in der DFB-Elf gemacht hat. 17, zum Teil hoch dotierte Verträge hatte der Schwede für den Torjäger nach seinem Golden Goal bei der Europameisterschaft 1996 ausgehandelt. Sechs Jahre später ist davon freilich nicht viel übrig geblieben, nur der Kontrakt mit dem Sportartikelhersteller Nike läuft noch.

Olsson, der auch für den vom Boulevard voreilig zum Weltstar ausgerufenen Michael Ballack tätig ist, sieht derzeit neben dem Leverkusener nur noch Oliver Kahn als tauglich für Solo-Auftritte in der Werbung an. Der Torhüter wirbt für fünf Unternehmen (AEG, Adelholzener, Eon, Adidas und Nestlé), während Ballack kürzlich einen üppigen Deal mit Brauseproduzent Pepsi vermeldete. "Michael hat das größte Potenzial aller Nationalspieler. Die Aufgabe ist es, einen jungen Akteur wie ihn bis zur WM in Deutschland in vier Jahren aufzubauen", frohlockt Olsson. Im Vorfeld der WM in Asien sei es so, dass "ungewöhnlich wenig Hysterie im Markt" sei. Schon jetzt "ist der Blick längst auf die größte Weltmeisterschaft aller Zeiten gerichtet".

Um auch als Fußballer für die Werbung interessant zu sein, sind aus Sicht Olssons eine konstante Medienpräsenz und überdurchschnittliche sportliche Leistungen vonnöten. Am wichtigsten sind für ihn jedoch "Persönlichkeit, Ausstrahlung, Rhetorik, Charme". Und genau daran, so der Chef der Münchener Agentur "The Performers", "scheitern die meisten Spieler sowieso".

Olsson würde sich wünschen, dass sich die Einstellung der Deutschen zu ihren Stars ändert. "Man schreit nach Helden, aber man lässt keine zu", bedauert er und denkt an schillernde Typen wie Beckham, Cantona, Gascoigne oder auch Effenberg. "Bei Entscheidungsträgern in deutschen Unternehmen kommen Spieler, die polarisieren, nicht an. Das hat zur Folge, dass hier zu Lande die meisten Sportstars sehr ähnlich sind in ihrem Charakter."

Das reine Showgeschäft bietet da offenbar mehr, hier kann sich Peter Olsson schon eher austoben. Seine Vertragspartner dort heißen zum Beispiel Kai Pflaume oder No Angels. Und nicht Baumann oder Schneider. Nur zur Information: Auch das sind zwei, die in Japan für Deutschland am Ball sind.

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