Die Westfalen gehen als erster deutscher Fußballklub an die Börse
Borussia Dortmund setzt auf die Aktie Schwarz-Gelb

Nach jahrelangen Spekulationen, Absichtserklärungen und hinausgeschobenen Plänen geht die Borussia Dortmund KGaA jetzt doch noch an die Börse. Viele der europäischen Fußballaktien sind zwar seit langem im Tief. Die Borussia hat aber dennoch gute Chancen auf einen erfolgreichen Börsenstart.

DÜSSELDORF. Borussia Dortmund (BVB) macht Ernst: Offenbar ermutigt durch den guten Start in die Bundesligasaison, wird der Fußballklub in Kürze Aktien verkaufen. "Wir werden sehr bald an die Börse gehen", sagte Michael Meier, Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH & Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Die Borussia KGaA wäre Deutschlands erster börsennotierter Fußballklub. Einzelheiten werde der Klub noch in dieser Woche bekannt geben, sagte Meier.

Bereits in den vergangenen Jahren war immer wieder über einen Börsengang des Klubs spekuliert worden. Berichte, die BVB-Aktien sollten noch in diesem Jahr gehandelt werden, wollte Meier allerdings nicht kommentieren. Einen Börsengang im Dezember will das Borussia-Management vermeiden. Falls BVB-Präsident Gerhard Niebaum und Meier die Aktie Schwarz-Gelb noch 2000 präsentieren wollten, müssten sie das Projekt also im November abschließen. Als Konsortialführer für den Börsengang hatte der BVB bereits vor mehr als zwei Jahren die Deutsche Bank ausgewählt. Außerdem sind die WGZ-Bank, die WestLB und die Dresdner Bank am Emissionskonsortium beteiligt.

Die Borussia KGaA hat laut Handelsregister ein Grundkapital von 3,25 Millionen Aktien im Nennwert von einem Euro. Bei der letzten Kapitalerhöhung im Frühjahr 2000 bewertete der Klub die Anteile mit 23 Euro je Aktie. Das entspreche einem Vereinswert von 75 Mill. Euro. Bei einem Börsengang dürfte der BVB allerdings deutlich mehr einnehmen. "Die Fußballfans werden dem Klub die Aktien wohl aus den Händen reißen - und das wahrscheinlich auch unabhängig vom Preis", prognostiziert Thomas Jökel, Manager des auf Sportwerte spezialisierten Aktienfonds Unisector Sport. Auch Jökel selbst ist an der Aktie Schwarz-Gelb interessiert: "Der Klub hat eine lange Tradition, ein großes Fanpotenzial und sportlich trotz einiger Ausrutscher jahrelang gut abgeschnitten. Aber der Preis muss stimmen."

Borussia, in der Bundesliga derzeit auf Platz drei, hat in den vergangenen Jahren jeweils geringe Überschüsse erwirtschaftet. 1998/99 erspielte der Klub 160,7 Mill. DM Umsatz und 1,5 Mill. DM Reingewinn. Zum Vergleich: Deutschlands Fußballkrösus Bayern München erwirtschaftete 24,9 Mill. DM Gewinn.



Kerngeschäft bleibt der Fußball

Um finanziell unabhängiger vom Pfosten oder "Drin" des samstäglichen Bundesligageschehens zu werden, hat der BVB zuletzt auch in andere Geschäftsfelder investiert. Der Klub ist zu 50 % an der Internetfirma Absolute Sports beteiligt, die Sport ins World Wide Web bringt. Er besitzt ein Hotel und wird seine Beteiligung am Westfalen-Stadion von 47 auf 75 % ausbauen. Kerngeschäft aber bleibt der Fußball. Wenn es auf dem Rasen nicht läuft, wird auch der Aktienkurs sinken.

Mit den Börsenmillionen und den Einnahmen aus den Geschäften rund um den Fußball will der BVB international wieder wettbewerbsfähig werden. In den vergangenen Jahren war es für deutsche Mannschaften immer schwieriger geworden, in den finanziell immens wichtigen europäischen Klubwettbewerben mit der Konkurrenz aus Italien, Spanien und England mitzuhalten.

Die Borussen hatten ihre Börsenpläne jedoch immer wieder zurückgestellt - zum einen, weil der Champions-League-Gewinner von 1997 in der Bundesliga plötzlich gegen den Abstieg kämpfte. Zum anderen, weil "die Strukturen des Klubs noch nicht börsenreif waren", so ein BVB-Insider. Der Deutsche Fußballbund (DFB) hatte den Weg an die Börse für seine Vereine erst im Oktober 1998 freigemacht. Damals erlaubte der Bundestag DFB-Fußballvereinen, ihre Profiabteilungen in Kapitalgesellschaften umzuwandeln.In Großbritannien sind dagegen bereits 19 Fußballklubs börsennotiert. Zu den interessiertesten Investoren zählen dort Medienunternehmen. So ist der Bezahlsender BSkyB mit 9,9 % an Manchester United beteiligt. Der Konzern hält außerdem 9 % an Leeds Sporting und je 9,9 % an Manchester City und Chelsea Village. Auch der Medienkonzern Granada und NTL, die größte Kabelfernsehgesellschaft des Landes, haben in Fußballklubs investiert. Die Gesellschaften setzen darauf, dass sie sich durch ihre Beteiligungen Einfluss auf die Vergabe der lukrativen Fernsehrechte sichern können.

Die Aktienkurse der meisten Klubs liegen jedoch deutlich unter ihren Höchstständen, bei vielen sogar unter dem Ausgabepreis. Auch andere europäische Fußball-AG, z.B. Ajax Amsterdam oder Grashopper Zürich, konnten die Erwartungen der Anleger nicht erfüllen. Fußballaktienexperte Jökel prognostiziert, dass sich nur eine kleine Elite am Finanzmarkt durchsetzen wird: "Das Interesse für die Top-Vereine ist an der Börse ungebrochen, die kleinen und mittleren Klubs aber werden in der Bedeutungslosigkeit versinken."

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