Die WestLB sieht dramatische Auswirkungen durch die Börsenschwäche
Streit über die Ausschüttungen der Lebensversicherer

Viele Lebensversicherungen werden ihren Kunden für 2001 nur die Garantieverzinsung auszahlen, nicht aber eine Überschussbeteiligung. Dies sagte der WestLB-Analyst, Carsten Zielke, bei der Vorstellung der Studie "Deutsche Versicherer - Stille Reserven ade".

cd/fw DÜSSELDORF. Seine Einschätzung findet in der Branche allerdings keine Zustimmung. Herbert Grohe, Vorstandsmitglied der Debeka-Gruppe, kommentierte: "Das ist absurd."

Unbestritten ist, dass viele Gesellschaften ihren Zins senken müssen - die Frage ist, wie weit. Klar ist auch, dass viele Versicherer mit Aktienkäufen Verluste eingefahren haben - die Branche verhandelt zurzeit mit der Regierung über die Möglichkeit, Abschreibungen in der Bilanz nur bei als "dauerhaft" geltenden Wertminderungen vornehmen zu müssen.

"Ich glaube, dass viele Gesellschaften nicht mehr als 3,25 % zahlen werden", sagte Zielke. Die Gesellschaften hätten im laufenden Jahr deutlich an Rentabilität eingebüßt. So hätten bei einem Dax-Stand von 3 160 Punkten die kleineren Versicherer vier Fünftel ihres Kapital-Anlagen- Polsters verloren, die gesamte Branche 51,8 % - zurzeit liegt der Dax allerdings wieder viel höher.

Hohe Aktienquoten wurden zum Problem

Ohnehin hätten viele Versicherer ihre hohen Überschussbeteiligungen in den vergangenen Jahren nur aufgrund der "tollen Entwicklung an den Aktienmärkten zahlen können", sagte Zielke. Getrieben von Vertriebsargumenten hätten sie die Aktienquoten von 1994 bis 2000 von 12,7 % auf 26,4 % gesteigert. Im Börsenboom war dies ein Vorteil, danach wurde es ein Problem.

Zielke erwartet, dass die Gesellschaften im Frühjahr ihre gesunkenen Überschussbeteiligungen veröffentlichen werden. Dies werde einen "Schock" bei den Konsumenten auslösen. Diese würden künftig stärker auf die Solvenz von Versicherern achten. Davon würden die großen Gesellschaften profitieren. Die höchsten stillen Reserven im Verhältnis zu den Kapitalanlagen hätten die Allianz Leben, Ergo und Parion. Besonders schwierig bewertete Zielke die Lage bei der Hannoverschen Leben, die 2000 ihre stillen Reserven aufgebraucht habe.

Eckhart von Eckermann, der Chef der Hannoverschen Lebensversicherung, sieht das anders. Nach der Herabsetzung des Zinses von über 6 % auf 5,0 % im September könne ihn "nichts mehr erschüttern", sagte er. Schon aus dem laufenden Zins ließen sich 5,0 % erwirtschaften, wenn man neben Staatsanleihen auch höher verzinsliche Papiere kaufe, zum Beispiel "Genussscheine der Deutschen Bank". Sein Haus habe kaum noch Aktien.

Die Ergo-Gruppe, zu der die großen Lebensversicherer der Victoria und der Hamburg-Mannheimer gehören, wird nach Aussage von Pressesprecher Michael Thiemermann im November über die Gewinnzuteilung entscheiden. "Dabei wird keine fünf vor dem Komme stehen", sagte er - das Minimum liegt also bei 6,0 %. Die Debeka denkt zur Zeit über eine Absenkung von 7,5 Prozent auf 6,9 oder 6,8 % nach - beschlossen ist noch nichts. Die LVM diskutiert über eine Absenkung von 7,0 auf 6,25 % und entscheidet im November. Die Allianz will "in einigen Wochen" entscheiden, die Aachener und Münchener Lebensversicherung bis Jahresende nichts zu dem Thema sagen.

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