Die wichtigsten Tipps
Job weg - was nun?

Auch wenn Sie glauben, Ihr Job sei sicher: Die Kündigung kann jeden treffen. Aber was tun nach dem ersten Schock? Welche Rechte Sie gegenüber Arbeitgebern und Behörden haben und welche Zukunftsstrategien weiterhelfen.
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DÜSSELDORF. Ob Sie Klarheit über die nächsten Schritte bei Behörden oder Bewerbungen brauchen oder mit Ihren Gefühlen in der ungewohnten Situation als Arbeitsloser in den Griff bekommen möchten - die Junge Karriere hat insgesamt 50 wichtige Fragen und Antworten rund um das Thema Jobverlust zusammengestellt. Hier sind einige Hinweise zum Arbeitsrecht:

Wie sollten Arbeitnehmer auf eine Kündigung reagieren?

Sofort einen Anwalt einschalten, gegebenenfalls auch den Betriebsrat. Eine Kündigungsschutzklage muss innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung eingereicht werden. Es gelten nur wenige Ausnahmen.

Aus welchen Gründen können Arbeitgeber kündigen?

Arbeitsgerichte unterscheiden zwischen verhaltensbedingten Gründen (etwa Leistungsverweigerung), personenbedingten Gründen (etwa Krankheit) und betriebsbedingten Gründen (etwa schlechte Auftragslage). Die rechtlichen Voraussetzungen für eine Wirksamkeit unterscheiden sich stark nach diesen Gruppen.

Können Arbeitgeber wegen angeblich schlechter Leistung kündigen?

"Außerhalb der Probezeit lässt sich das rechtlich schwer durchsetzen", sagt Sebastian Fedder von der Hamburger Anwaltskanzlei Andersen Luther. "Wer ständig Fehler macht, kann zwar abgemahnt und letztlich gekündigt werden. Wer aber zum Beispiel nicht die erwarteten Umsätze bringt oder unkreativ ist, befindet sich in einer starken Position." Viele Unternehmen kündigen solchen Mitarbeitern trotzdem, lassen sich verklagen und bieten dann eine Abfindung an.

Sind fristlose Kündigungen wegen fehlerhafter Reisekostenabrechnungen zulässig?

Das ist ein beliebter Ansatzpunkt für die Kündigung. Wer aber beispielsweise nur einmal wegen eines Rechenfehlers zu viel Kilometergeld kassiert, kann nicht gekündigt werden, sondern muss zuvor eine Abmahnung erhalten. Eine Ausnahme gilt nur bei mutwilligem Betrug.

Müssen Arbeitgeber individuelle Faktoren ihrer Mitarbeiter wie Unterhaltspflichten berücksichtigen?

Ja, bei betriebsbedingten Kündigungen. Bei der Sozialauswahl muss der Arbeitgeber zunächst Gruppen vergleichbarer Arbeitnehmer bilden, zum Beispiel alle Programmierer. Entlassen darf er dann nur die am wenigsten Schutzbedürftigen innerhalb der Gruppe. Wer dazu gehört, das richtet sich zum Beispiel nach Alter, Betriebszugehörigkeit oder Unterhaltspflichten. Wenn der Arbeitnehmer die Rechtmäßigkeit der Auswahl beanstandet, ist das Unternehmen in der schwierigen Beweispflicht.

Müssen auch Kleinunternehmen bei Kündigungen persönliche Lebensumstände berücksichtigen?

Nur wenn im Betrieb mehr als fünf Angestellte arbeiten. Teilzeitkräfte zählen zur Hälfte, wenn sie weniger als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Bei 21 bis 30 Wochenstunden zählen sie zu drei Vierteln.

Besitzen neu eingestellte Arbeitnehmer die gleichen Rechte wie langjährige Mitarbeiter?

Vom gesetzlichen Kündigungsschutz profitieren Angestellte erst nach einem halben Jahr - selbst wenn keine Probezeit vereinbart wurde. Bei Kündigungen innerhalb von sechs Monaten können sie sich also beispielsweise nicht auf eine fehlerhafte Sozialauswahl berufen.

Kann das Unternehmen eine Abteilung schließen und alle Mitarbeiter der Abteilung entlassen?

Die Entscheidung, eine Abteilung dichtzumachen, steht jedem Unternehmer zu. Sofern es im Betrieb keinen anderen adäquaten Arbeitsplatz gibt, ist die betriebsbedingte Kündigung aller Abteilungsmitarbeiter zulässig.

Muss eine Kündigung schriftlich erfolgen?

Ja. Selbst Kündigungen per E-Mail oder Fax sind unwirksam.

Ist ein Zeitvertrag vorzeitig kündbar?

In der Regel nur, wenn diese Option im Anstellungsvertrag vorgesehen ist.

Wer hat Anspruch auf Abfindung?

Das Standardmittel gegen eine Kündigung ist die Klage auf Weiterbeschäftigung. Danach werden oft nach langwierigen Verhandlungen zwischen den Parteien Abfindungen gezahlt, um den Rechtsstreit zu beenden.

Welche Abfindungen sind üblich?

Ein halbes Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr gilt als Richtgröße. Der Rest ist Verhandlungssache. "Da geht es oft zu wie auf einem Basar", berichtet Rechtsanwalt Simon Bergmann von der Berliner Anwaltssozietät Hertin. Je wackliger die Kündigung, desto besser für den Arbeitnehmer.

Bekommen Gekündigte ihr Gehalt rückwirkend ausgezahlt, wenn sie eine Kündigungsschutzklage gewinnen, aber während des Rechtsstreits nicht gearbeitet haben?

Ja, da sie kein Verschulden trifft - der Arbeitgeber wollte es ja so.

Was riskiert ein gekündigter Arbeitnehmer, der vor Ablauf der Kündigungsfrist einen neuen Job antritt?

Der Arbeitgeber kann Schadenersatz verlangen, etwa weil ein Projekt nicht abgewickelt werden konnte und dem Unternehmen dadurch Gewinn entgangen ist.

Was geschieht mit einem Dienstwagen nach der Kündigung?

"Ich rate oft, den nicht vor Abschluss des Rechtsstreits herauszurücken", empfiehlt Anwalt Simon Bergmann. Wenn noch Gehälter ausstehen, sei der Dienstwagen ein gutes Faustpfand.

Was ist, wenn der Arbeitgeber Insolvenz beantragt hat und keine Gehälter mehr zahlt?

Wer kein Geld mehr bekommt, darf zu Hause bleiben (bei vollem Gehaltsanspruch) oder selbst fristlos kündigen, um einen neuen Job anzutreten.

Müssen Arbeitnehmer um ihr Gehalt fürchten, wenn das Unternehmen Insolvenzantrag stellt?

Erst mal nicht. Ob wirklich Insolvenz besteht, entscheidet das Gericht - oft erst Monate nach dem Antrag. "Stellt das Gericht tatsächlich die Insolvenz fest, bekommen Arbeitnehmer ausstehende Gehälter vom Arbeitsamt gezahlt", sagt der Kieler Anwalt und Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber. Dieses so genannte Insolvenzgeld beträgt maximal drei Monatsgehälter.

Was kostet ein Prozess?

In der ersten Instanz zahlt jede Partei die eigenen Kosten - unabhängig vom Ausgang des Verfahrens. Das Risiko richtet sich nach der Gehaltshöhe. Verdient der Arbeitnehmer beispielsweise monatlich 5 000 Euro brutto, hat der Anwalt nach der Gebührenordnung einen Anspruch auf rund 1 700 Euro (plus Mehrwertsteuer). Geht das Verfahren in die zweite Instanz, kostet das nochmals rund 2 300 Euro. Verliert der Arbeitnehmer, müsste er nun auch die Anwaltskosten seines Arbeitgebers tragen (und umgekehrt).

Welche Chancen haben Arbeitnehmer vor Gericht?

60 Prozent aller Fälle enden mit einem Vergleich. Nur zwei Prozent aller Arbeitnehmer erreichen die Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Wie kommt man an Adressen von guten Arbeitsrechtlern?

Betriebsräte, Gewerkschaften oder die örtliche Anwaltskammer helfen weiter. Adressen stehen auch im Internet, beispielsweise unter www.anwaltsauskunft.de, www.anwalt-suchservice.de, www.rechtsfinder.de/anwalt oder www.kanzleien-handbuch.de.

Lohnt sich der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung?

Die Versicherung zahlt nur, wenn der Vertrag mindestens drei Monate vor Kündigung abgeschlossen wurde. Teilweise sind die Wartezeiten noch länger. Singles bekommen eine Rechtsschutzpolice ohne Selbstbeteiligung ab rund 100 Euro. Wer eine Familie hat, zahlt etwas mehr. Prämienvergleiche finden sich im Internet, etwa unter www.fss-online.de.

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