Die Wirtschaft des Landes kehrt langsam zur Normalität zurück
Chinas Autohersteller profitieren von SARS

Chinas Vizeminister für Gesundheit, Gao Qiang, ist ehrlicher als die eigene Propaganda. China habe für die SARS-Epidemie "einen hohen Preis" bezahlt, gesteht Gao. Die offiziellen Zeitungen hingegen überhäufen das Ausland und das heimische Publikum mit positiven Meldungen.

mg PEKING. Zum Beispiel mit der Vorhersage des "Development Research Centre" beim Staatsrat, Chinas Bruttoinlandsprodukt werde 2003 trotz SARS noch mindestens um 7,7 % wachsen. Die Asiatische Entwicklungsbank ist da vorsichtiger: Sie erwartet, dass China SARS-bedingt 0,2 Prozentpunkte an Wachstum verliert und in diesem Jahr um 7,3 % zulegen wird.

Im Land mehren sich tatsächlich die Zeichen, dass sich die Wirtschaft wiederbelebt. Air China, Chinas größte internationale Fluglinie und Partner der Lufthansa, steigert schon ihre Frequenzen. Auf dem Höhepunkt der SARS-Krise, Anfang Mai, hatte sie 42 % ihrer Flüge gestrichen. Der Pekinger Hauptstadt-Flughafen fertigte damals täglich gerade 45 Flüge mit 2 055 Passagieren ab. Gestern waren es immerhin 119 Flüge und 12 000 Passagiere.

Während sich die am stärksten betroffenen Branchen wie etwa Hotels die Wunden lecken und die geschlossene Hälfte der 30 000 Restaurants in Peking langsam wieder die Pforten öffnet, kehren ausländische Investoren zur Routine zurück. Jörg Wuttke, Vorsitzender der Deutschen Kammer in China, berichtet, die meisten Firmen hätten ihre Reise-Restriktionen inzwischen aufgehoben.

Bis zum Anschlag ausgelastet

Jetzt fluchen ausländische Manager in Chinas Hauptstadt schon wieder über die langen Staus auf den Straßen. Die Zahl der Verkehrsunfälle hat in Peking in der vergangenen Woche um 17 % im Vergleich zur Vorwoche zugenommen. Ein untrügliches Zeichen, das Beispiel ist nicht zufällig. Denn: Die Autobranche gehört zu den Gewinnern der SARS-Epidemie. Weil viele Chinesen Angst hatten, sich in öffentlichen Bussen anzustecken, kauften sich Tausende früher ein Auto als geplant.

Der von SARS beschleunigte Autoboom lastet auch das VW-Werk in Schanghai - wo 400 000 Pkw pro Jahr gebaut werden können - bis zum Anschlag aus. Die Verkäufe der Wolfsburger in China nahmen im ersten Quartal um mehr als 90 % zu. Jetzt schaut sich der Konzern mit seinem lokalen Partner SAIC nach einem weiteren Produktionsstandort um. Berichte lokaler Zeitungen, wonach bereits die Stadt Yizheng in der Provinz Jiangsu unweit von Schanghai ausgeguckt worden sei, dementiert VW-China-Chef Zhang Suixin. "Die Entscheidung ist noch nicht getroffen", sagt er über die Standortsuche, die noch in diesem Jahr abgeschlossen werden soll. Nach Angaben von VW-Betriebsratschef Klaus Volkert plant Volkswagen in China sogar den Bau von zwei neuen Werken.

Weil nicht alle Branchen mit Vollgas aus der SARS-Krise fahren werden, hat Chinas Regierung zur Wochenmitte beschlossen, dem Wachstum in den nächsten Monaten nachzuhelfen. Staatliche Investitionen, Subventionen für leidende Industrien und Stimulierungen für den Export sollen die nötige Wachstumsrate erzwingen. Mindestens 7 % werden benötigt, um Unruhen zu vermeiden. Chinas Regierung ist besorgt über das, was das Arbeitsministerium ausgerechnet hat: 1,27 Millionen Arbeiter werden als Folge der Epidemie ihren Job verlieren.

Allein in der Boomprovinz Guangdong in der Nähe von Hongkong, wo SARS seinen Ausgang nahm, gingen Aufträge im Wert von 796 Mill. $ verloren. Noch ist unklar, ob die Regierung SARS in den Griff bekommen hat: Die Hälfte der Chinesen erwartet einer offiziellen Umfrage zu Folge vor Ablauf

von drei Monaten nicht, dass SARS in dem von der Propaganda ausgerufenen "Volkskrieg" besiegt werden kann.

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