"Die Wissens- und Informationsrevolution bietet eine historische Chance"
Armenhäuser auf dem Weg zur Wissensgesellschaft

Wissen, Bildung und Zugang zu Informationen entscheiden darüber, ob Länder wirtschaftlich und sozial vorankommen. Das gilt nicht nur für die reichen Länder im Norden des Globus - sondern auch für die aufstrebenden Weltregionen und die Armengürtel im Süden.

HB DÜSSELDROF/BONN. Doch wie kann der Produktionsfaktor Wissen zu nachhaltigem Wachstum beitragen? Wie kann ein einfacherer Zugang zum weltweiten Know-how eine dynamische Unternehmenskultur in den weniger entwickelten Ländern fördern? Und wie kann die Informationstechnologie dies unterstützen?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich das 6. Deutsche Weltbankforum, das am Dienstag und Mittwoch Vertreter aus Wirtschaft und Politik mit hochkarätigen Experten auf dem Petersberg zusammen führt.

Die Veranstalter haben der Tagung das Motto "Promoting the Knowledge Economy" gegeben. "Dieses Forum ist handlungsorientiert", verspricht Alan Rossi, Chef der von der Weltbank gegründeten Gateway Foundation. "Die Empfehlungen der hochrangigen Expertenrunde aus Politikern, Wirtschaftsführern, Wissenschaftlern und Vertretern der Zivilgesellschaft werden in einem Aktionsprogramm zusammengefasst."

Auch NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück unterstützt das Forum: "Wir müssen der Gefahr begegnen, dass sich die Gesellschaft in Nutzer und Nicht-Nutzer aufspaltet. Der Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien muss eine Selbstverständlichkeit für alle Altersklassen, alle Bildungsstufen und alle Einkommensklassen sein."

Damit spricht Steinbrück eine brisante Fehlentwicklung an: die immer größere Kluft zwischen den Wissensgesellschaften und den Armenhäusern. So kostet nach den Berechnungen der Weltbank einen Dänen der monatliche Internet-Zugang 0,14 Prozent seines monatlichen Einkommens. Ein Nepalese dagegen müsste das 2,78-fache seines Monatslohns hinblättern.

"Die Wissens- und Informationsrevolution bietet eine historische Chance"

"Wir leben in einer globalen Wissensgesellschaft, in der Wissen, Lerngemeinschaften und moderne Informations- und Kommunikationstechnologien den Motor für soziale und wirtschaftliche Entwicklung darstellen" - mit dieser Botschaft kommt Weltbankpräsident James D. Wolfensohn, auf den Petersberg. "Die Wissens- und Informationsrevolution bietet eine historische Chance, ein neues Zeitalter mit enormem Potenzial vor allem für größere Teilhabe lokaler Gruppen und lauterer Stimme für die Armen."

Seit der frühere Wall-Street-Banker im Juni 1995 die Führung der Weltbank übernahm, hat er immer wieder die Rolle von Bildung, Wissen und Information ins Zentrum seiner Agenda gestellt. Erst im letzten Monat, bei der Frühjahrstagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF), wurde auf seine Initiative hin die neue Bildungsoffensive für Entwicklungsländer beschlossen. Das Programm "Education for all" strebt die weltweite Universalisierung der Grundbildung bis zum Jahre 2015 an.

In mehrfacher Hinsicht hat Wolfensohn in Richtung auf die Petersberg-Agenda entscheidende Weichen gestellt. Zum einen ist das Deutsche Weltbankforum Teil der von ihm mit großem Elan betriebenen "Outreach-Strategie": Mitte der 90er ist Wolfensohn angetreten, die größte multilaterale Entwicklungsinstitution stärker mit der privaten Wirtschaft und regionalen Partnern zusammenzubringen.

Weltbank als Wissensbank

Zum anderen war Wolfensohn bestrebt, die Weltbank auch als "Wissensbank" zu positionieren. Früher als andere Entwicklungsinstitutionen hat die Weltbank mit dem Weltentwicklungsbericht von 1998/99 dokumentiert, welche entscheidende Rolle der möglichst breite Zugang zur Informations- und Kommunikationstechnologie künftig im globalen Entwicklungsprozess spielen muss.

Mit einem gewissem Stolz kann Wolfensohn heute darauf verweisen, dass bedeutende Schwellenländer wie China für die Beratungsdienste der Weltbank bei der Modernisierung de Wirtschaft sogar zahlen wollen.

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