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Die wundersame Welt der Konvergenz

Die Mobilfunk-Netzwerke der dritten Generation stehen in den Startlöchern. Kürzlich wurden in Berlin erstmals UMTS-Serviceangebote in einem fahrenden PKW präsentiert. Mit den technologischen Möglichkeiten dieser Netzwerke beginnt eine neue Ära im Wireless Sektor. Sprach-, Daten- und Contentdienste wachsen zusammen.

Das Handy entwickelt sich dabei immer mehr zu einem interaktiven Allround-Medium, das Information, Entertainment und Kommunikation "aus einer Hand" erlaubt. Zugleich stellen die vielfältigen neuen Dienste aber auch hohe Anforderungen an die Netzwerke der Mobilfunkbetreiber. Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg sind konvergente Systeme, Netzwerke und Geschäftsmodelle.

Konvergenz ist bereits seit Jahren eines der am häufigsten verwendeten Schlagwörter in der Telekommunikationsbranche. Ursprünglich stand der Begriff für das Verschmelzen von TV und Computer. Im TK-Sektor bedeutete er anfangs, dass die Betreiber über ihr Netzwerk verschiedene Services wie Sprache und Daten anbieten und auch abrechnen können. Der Mobilfunkmarkt der Zukunft erfordert heute jedoch ein umfassenderes Verständnis von Konvergenz - und Provider, die ihre gesamten Geschäftsaktivitäten konsequent auf die "neue Wireless Welt" ausrichten.

Die drei Dimensionen der Konvergenz

Es gibt drei Dimensionen der Konvergenz. Die erste Dimension bilden konvergente Systeme der Netzbetreiber, die verschiedene Zahlungsmethoden, Abrechnungsverfahren und Preispläne unterstützen. Ein konvergentes System integriert sowohl Postpaid- als auch Prepaid-Kunden. Selbst wenn die Anwender in Gruppen auftreten, darf es nicht kapitulieren. Im Gegenteil, es sollte die parallele Nutzung eines Accounts durch mehrere Personen wie die Mitglieder einer Familie ermöglichen. Der Idealfall wäre ein Billing-System, bei dem Endkunden je nach Service zwischen Postpaid- und Prepaid-Verfahren hin und her wechseln können.

Wichtig ist jedoch nicht nur, dass die neuen Dienste abgerechnet werden - sondern auch wie. Beim Mobilfunk der dritten Generation werden zusätzlich zur Nutzungszeit auch Kriterien wie das Volumen der übertragenen Datenmenge oder der Quality-of-Service erfasst. Gibt es beispielsweise Störungen oder Bandbreitenverlust beim Empfangen von Daten, reagiert das Abrechnungssystem sofort und berechnet entsprechend weniger. Konvergente Billing-Lösungen ermöglichen die Abrechnung nach allen messbaren Parametern.

Die zweite Dimension wird definiert durch konvergente Netzwerke und Geräte. Sie machen multiple mobile Dienste über eine Vielzahl von verschiedenen Zugriffsmethoden wie WAP, GPRS oder UMTS möglich. Die Kunden wollen mit einem einzigen Gerät bequem alle Angebote nutzen, sei es telefonieren, die neuesten Kino-Trailer anschauen, sich über standort-bezogene Dienste den Weg zur nächsten Pizzeria leiten lassen oder die letzte Modekollektion im Internet bestellen und bezahlen. Nötig sind dafür einerseits hohe Datenübertragungsraten sowie Netzwerke, die simultan Sprache und Content transportieren. Andererseits muss aber auch die Hardware mitziehen. Die neuen Services verlangen geradezu nach mobilen Geräten, die mit Farbdisplays und guter Auflösung auch anspruchsvollen Grafiken oder Videosequenzen gewachsen sind. All dies ist bereits heute technisch möglich und mit i-mode und Multimedia Message Service (MMS) schon ansatzweise verwirklicht.

Netzbetreiber sind gefordert

Hier sind allerdings auch die Netzbetreiber gefordert. Denn um die neuen Technologien erfolgreich einzuführen, benötigen sie auch konvergente Geschäftsmodelle. Dies ist die dritte Dimension der Konvergenz. Technische Innovationen und attraktive Mehrwertdienste motivieren die Kunden zur Nutzung - aber nur, wenn sie auf verständlichen, angemessenen Preismodellen beruhen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen. WAP-Dienste zum Beispiel sind langsam, einfach und angesichts ihrer bescheidenen Qualität schlicht zu teuer. Deswegen konnten sie sich nicht durchsetzen. Zukünftige Modelle müssen sich stärker an den Bedürfnissen und Interessen der Anwender orientieren. Ein fortschrittlicher Ansatz sind beispielsweise Abonnentenmodelle, die eine niedrige Grundgebühr mit einer nutzungsabhängigen Komponente kombinieren. Derartige Modelle sind relativ einfach und übersichtlich.

Diese dritte Dimension, die Konvergenz von Serviceinnovation und Preismodell, ist elementar wichtig für die erfolgreiche Entwicklung des Wireless-Sektors. Denn gerade die Akzeptanz der drahtlosen Dienste der dritten Generation hängt entscheidend davon ab, ob die Betreiber attraktive und transparente Zahlungsmodelle anbieten - und den Nutzern damit die Angst vor versteckten Kostenfallen nehmen. Berücksichtigen die Betreiber beim Ausbau ihrer Netze alle drei Formen der Konvergenz, so können sie rasch innovative Services einführen, neue Kunden gewinnen sowie bestehende profitabler machen. Und stehen dann noch bald hochwertige Endgeräte zu vernünftigen Preisen zur Verfügung, wird das echte Zusammenwachsen von Sprach-, Daten- und Content-Diensten nicht länger eine Zukunftsvision bleiben.

Schreiben Sie dem Autor: andrew.tan@portal.com

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