Die Zinssenkung in den USA bringt vorerst keine Trendwende
Aktionäre brauchen noch viel Geduld

Zwischen Hoffen und Bangen werden sich in den nächsten Monaten die Aktienmärkte bewegen. Das klingt nach wenig, ist aber mehr als vorher.

HB DÜSSELDORF. Notenbankchef Alan Greenspan hat es mit der Zinssenkung in den USA geschafft, den Anlegern die Panik zu nehmen und den Technologiebörsen neues Leben einzuhauchen. Die Notenbank signalisiert mit ihrem unerwartet raschen und starken Eingriff, dass sie sich mit allen Mitteln einer zu heftigen Abschwächung der Wirtschaft oder gar einer Rezession entgegenstemmt.

Kurzfristig dürfen Investoren nach der Schwäche bei Standardaktien und dem Crash auf Raten bei Telekom -, Medien- und Internetwerten auf eine Gegenbewegung nach oben hoffen. Denn der Zinsschritt stellt den Unternehmen wieder preisgünstigeres Geld zur Verfügung, worauf vor allem die als Wachstumswerte der Zukunft gehandelten Firmen angewiesen sind. Anleger werden diese besseren Aussichten in dem Bewusstsein honorieren, dass Greenspan weitere Zinssenkungen angedeutet hat. Vor allem Fondsmanager werden jetzt kaufen, denn sie verfügen inzwischen über hohe Barbestände. Und schließlich müssen sich auch viele Spekulanten kurzfristig eindecken, weil ihre Wetten auf noch niedrigere Kurse erst einmal nicht aufgehen.

Senken der Zinsen bedeutet keine Trendwende

Mittelfristig und auf Sicht des gerade begonnenen Jahres ist allerdings viel Geduld nötig. Die Zinssenkung mag zwar die im März begonnene Talfahrt stoppen, aber eine Trendwende nach oben in Richtung alter Höchststände ist damit noch nicht eingeläutet. Vielmehr steht eine Phase der Bodenbildung bevor, in der Aktien steigen, aber auch immer wieder fallen werden. Denn Investoren stehen vor dem Zwiespalt, dass sich die Wirtschaft vor allem in den USA noch weiter abschwächt, andererseits aber niedrigere Zinsen schon jetzt den Boden für bessere Tage in der Zukunft bereiten. Gegenwärtig verarbeitet die Wirtschaft allerdings noch die sechs Zinsanhebungen seit Sommer 1999. Neun bis zwölf Monate dauert es, bis sich die Wirkung von Zinsschritten zeigt. Vor dem Hintergrund der sehr starken Vorjahresquartale eins und zwei werden noch viele Unternehmen Gewinn- und Umsatzwarnungen präsentieren. Sie vermag Greenspan nicht zu verhindern.

Ebenso wenig wie die amerikanischen werden sich auch die europäischen Aktien den Folgen des Wirtschaftsabschwungs in den USA entziehen können. Zu eng sind die gegenseitigen Verflechtungen, und zu sehr tragen die Vereinigten Staaten mit ihrem gigantischen Bruttoinlandsprodukt samt den Erträgen aller Unternehmen zur Weltwirtschaft bei. So wie der neunjährige amerikanische Wirtschaftsboom die europäischen Börsen nach oben zog, so würde auch eine "harte Landung" in den USA die Aktien der Alten Welt nach unten ziehen.

Einen negativen Sonderfall stellt zumindest kurzfristig der Frankfurter Neue Markt dar. Auf diesem Börsensegment lasten nicht nur Ertragswarnungen. Hier droht vielmehr ein Vertrauensverlust. Dazu tragen falsche Firmennachrichten und vollkommen überzogene Prognosen bei. Wenn ein Schwergewicht wie der Softwareanbieter Intershop Gewinne verspricht, dann aber Verluste ausweist, die höher als die Umsätze sind, vermuten viele Anleger Missmanagement oder gar Betrug. Sie trennen sich mit schmerzlichen Verlusten dauerhaft von solchen Aktien. In diesen Fällen helfen auch keine Zinssenkungen.

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