Die Zukunft der deutschen Elf
Warum nicht Guus Hiddink?

Deutschland sollte sich am eigenen Gegenteil orientieren, denn die nationalen Spielstile sterben aus. Und Europa spielt einfach zu gut.
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BERLIN. Wundervoll! Wir erleben derzeit das beste Turnier in der Geschichte des Fußballs. Enorme Intensität, Offensivfreude, atemberaubende Dramaturgien. Dominiert wird das Ganze von Spielern, die jünger als 23 Jahre sind. Selbst die Schiedsrichterleistungen sind exzellent. Ein Detail, an dem die außerordentliche Qualität dieser EM deutlich wird, ist die Bedeutung der Auswechslungen. Sie entscheiden den Ausgang. Die Leistungsdichte ist so hoch, dass bereits die kleinste Modifikation den Sieg verspricht.

Die deutsche Nationalmannschaft trug zu diesem Fest nichts bei. Dabei hat das Team keinesfalls schwächer gespielt als bei der WM 2002, als Saudi-Arabien, Kamerun, Paraguay, die USA und Südkorea bezwungen werden konnten. Diese legendären Siege wurden mit einem Stil errungen, der zu Recht als "typisch deutsch" identifiziert wurde. Die Eigenheiten diese Stils sind uns allen vertraut. Manche schätzen ihn sogar.

Natürlich kennt der Experte auch andere Nationalstile (den italienischen, englischen, den argentinischen ?). Soweit es Europa und Südamerika betrifft, entwickelten sich diese Fußballstile schon nach dem Ersten Weltkrieg, verfestigten sich mit den ersten Weltmeisterschaften und blieben als Orientierungsgrundlage bis heute unverändert. Wenn, wie zu großen Turnieren üblich, die Stilrhetorik aktiviert wird, sprechen wir allerdings von einem Phänomen, dem seit mindestens 20 Jahren die Grundlage entzogen ist. Es gibt keinen nationalen Fußball mehr.

Das macht die Rede vom Nationalstil aber nicht wirkungslos. Im Gegenteil. Sie wird sogar spielentscheidend. Denn wenn heutige Nationalmannschaften aus Spielern geformt werden, die in sämtlichen Ligen Europas einsatz- und erfolgsfähig sind, dann wird der Auftritt einer Nationalmannschaft dadurch geprägt, welche Verbindlichkeit den faktisch überkommenen Nationalbeschreibungen noch zugemessen wird. Deutschland hat sich hier klar entschieden. In jeder Pressekonferenz beschwor Rudi Völler deutsche Tugenden. Die Mannschaft hat ihn nicht enttäuscht. Wir haben gekämpft. Wir waren diszipliniert. Wir zeigten Mannschaftsgeist. Wir sind erbärmlich gegen ein tschechisches B-Team ausgeschieden. Deutschland ist auf seinen eigenen Stil reingefallen.

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