Die zwei größten elektronische Handelsplätze der USA wollen zusammengehen
Fusion von Instinet und Island setzt Nasdaq unter Druck

Der Wettbewerb um die besten Plätze im elektronischen Handel mit US-Aktien verschärft sich. Der elektronische Handelsplatz Instinet Group Inc. hat angekündigt, er wolle die Handelsplattform Island ECN Inc. zum Preis von 508 Mill. $ im Rahmen eines Aktientauschs übernehmen.

NEW YORK. Damit entsteht vor allem für die Computerbörse Nasdaq bedrohliche Konkurrenz. Diese will mit dem neuen Handelssystem Supermontage, das Ende Juli starten soll, ihren Rang als größte US-Handelsplattform verteidigen. In der zweiten Jahreshälfte soll die Fusion von Instinet und Island unter Dach und Fach gebracht werden. Die beiden Partner werden gemeinsam 22 % des Handelsvolumens aller an der Nasdaq gelisteten Aktien auf sich vereinigen. Über die Nasdaq selbst laufen bis jetzt noch 30 % des Handels. Den Rest teilen sich die übrigen Mitgliedsfirmen der Nasdaq. Das Supermontage-System soll einen wesentlich tieferen Einblick in Angebot und Nachfrage geben und auch Handelsgeschäfte ausführen. Dagegen hatte sich vor allem Instinet gesperrt. Die auf den Blockhandel spezialisierte Tochter des britischen Finanz-Informationsdienstes Reuters fürchtet, dass man ihr mit dem System zu tief in die Karten schauen kann.

"Die neue Plattform wird wesentlich mehr Liquidität und eine größere Kundenbasis haben", begrüßte Bondanalyst Trevor Pritchard von der Rating-Agentur S&P das Vorhaben. Außerdem hätten die beiden jetzt mehr Möglichkeiten, technologisch aufzurüsten. Ähnlich sieht es Richard McSherry von Börsenberatungs-Service Elkins/McSherry: "Instinet und Island können gemeinsam großartige Synergien erzielen. Die beiden haben vielleicht keine Supermontage, aber sie können jetzt sehr günstige Handelsprovisionen bieten."

Mit dem Kurs-Einbruch der an der Nasdaq gehandelten Aktien hat sich die Situation für die Handelsplattformen und Broker dramatisch verschlechtert. Die Nasdaq leidet unter Umsatz- und Gewinn-Einbußen, das Handelsvolumen ist in diesem Jahr um 14 % abgesackt. Instinet musste im Februar und im März die Provisionen senken um Markt-Anteile zurückzugewinnen. Das älteste elektronische Handelsnetzwerk meldete für das abgelaufene Quartal einen Verlust von 35 Mill. $. Vorstandschef Doug Atkin musste gehen. Die mehr auf individuelle Anleger spezialisierte Handelsplattform Island hat Instinet kürzlich dem Volumen nach überholt.

Mit dem geplanten Zusammenschluss ist vor allem die Nasdaq im Zugzwang. "Die Nasdaq hatte ihren Kram nicht beinander, jetzt sieht sie sich wachsendem Wettbewerbsdruck ausgesetzt", meint McSherry. Das bisherige Handels-System der Nasdaq, das jeweils nur die besten Brief- und Geldangebote ohne Volumenangaben listet, gilt als veraltet und teuer. Viele Unternehmen wechseln zu der angeseheneren New York Stock Exchange.

Aktien-Händler achten nicht nur auf die Provision. Sie suchen vor allem Liquidität. Während die Nasdaq auf dem US-Markt Marktanteile verliert, verhandelt sie weiter fieberhaft mit möglichen Partnern in Europa. Erst kürzlich sickerten Gerüchte durch, wonach die Börsen in Berlin und Bremen gemeinsam eine neuen Handelsplattform "Nasdaq Deutschland" schaffen wollen. Verhandlungen mit London oder Paris sind bisher nicht vom Fleck gekommen. "Wenn man in den USA noch schläft, wollen europäsiche Investoren bereits mit großen Nasdaq-Werten wie Intel oder Microsoft handeln", glaubt Börsenberater Andre Cappon von der CBM Group in New York. Alle Börsen suchten nach Wegen, global agieren und an einem 24-Stunden-Handel teilnehmen zu können.

Durch den Zusammenschluss von Instinet und Island werde der Nasdaq viel Liquidität entzogen, fürchtet Cappon. Fraglich sei, ob die Aufsichtsbehörden eine solche Fragmentierung des Marktes zulassen werden. Offen ist jetzt auch, ob Island ECN sich weiterhin am Supermontage-System beteiligen will. Das Netzwerk hatte vor der Fusions-Ankündigung seine Teilnahme bekannt gegeben, könnte jetzt aber einen Rückzieher machen. Vor zwei Jahren noch setzte die Nasdaq an, die Welt zu erobern. Jetzt kämpft sie am eigenen Heimatmarkt ums Überleben.

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