Dienst- und Sachleistungen für Verbandsmitglieder
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Wenn sie sich zu Wort melden, dann werden alle hellhörig. Kein Tag ohne Nachrichten aus der Verbandswelt, kein Tag ohne entsprechendes Medienecho. Ob Lobbying oder politische Interessenvertretung - Deutschland scheint fest in Händen der Verbände.

DÜSSELDORF. Über 12 000 eingetragene Adressen weist allein die Verbandsdatenbank des Deutschen Verbände Forums aus. Wie viele es tatsächlich sind, weiß niemand. "Wir kennen zwar die Zahl der Hühner in jeder Großstadt, aber nicht die der Verbände", sagt Dieter Witt, Professor für Vereins- und Verbandsforschung an der Technischen Universität München.

Doch die Vielfalt trügt: Gerade die großen Berufs- und Branchenverbände beklagen seit Jahren stagnierende Mitgliederzahlen, bei vielen ist die Entwicklung sogar rückläufig. "Aus Traditionsbewusstsein tritt heute kaum noch jemand in einen Verband ein", weiß Witt. "Stattdessen stellen Verbandsmitglieder mehr denn je die Frage: Was bekomme ich für mein Geld?"

Die Interessenvertreter, allen voran die Wirtschaftsverbände, haben die Frage auch vernommen und sie reagieren mit einem umfassenden Serviceangebot. Individuelle Beratung, Seminare, aber auch Sachleistungen wie die Verbandskreditkarte, vergünstigte Versicherungen und Flugbuchungen bieten den Mitgliedern einen messbaren Mehrwert. "Wir müssen unternehmerisch denken und handeln, sonst können wir unsere Mitglieder nicht halten", gibt Dieter Schädiger, geschäftsführender Vizepräsident des Bundesverbandes der Volks- und Betriebswirte (bdvb), als Devise aus.

Füllhorn von Dienst- und Sachleistungen

So können Verbandsmitglieder oft aus einem Füllhorn von Dienst- und Sachleistungen schöpfen, das den monetären Wert des Mitgliedsbeitrags bei weitem übersteigt. Es ist aber nicht allein der finanzielle Nutzen, der derzeit viele in die Verbände treibt. Auch die dichten, gut funktionierenden Netzwerke sind angesichts der konjunkturellen Talfahrt wieder gefragt. "In Krisenzeiten entdecken viele, dass ein Verband durchaus Existenzielles für sie leisten kann", erklärt Verbandsforscher Witt.

"Ich habe einen großen Teil meiner Kunden über den Verband gefunden", bestätigt Gerhard Maier. Der 33-jährige Exconsultant der Unternehmensberatung Arthur Andersen wagte vor knapp zwei Jahren mit einem Kollegen den Sprung in die Selbstständigkeit und gründete eine Personalberatung für Mittelständler. Wenig später trat das Duo in den Bundesverband Junger Unternehmer (BJU) ein. "Hier konnte ich sowohl von der Existenzgründerwerkstatt als auch von den Erfahrungen und Kontakten der anderen Mitglieder profitieren", erzählt Maier.

Vorteil Netzwerk

Auf die Interessen ihrer Mitglieder abgestimmt entwickeln die Verbände neue Netzwerkstrategien. Sie gründen neben Ortsverbänden immer häufiger Fachgruppen, die auf Themenbereiche wie zum Beispiel Marketing oder Arbeitsrecht spezialisiert sind. Auch Harald Beez nutzte dieses Angebot. Der 39-jährige Marketingleiter bei einem Anbieter für Reisemedizin trat vor vier Jahren in den bdvb ein. Grund: Der Verband richtete gerade eine Fachgruppe zum Thema Gesundheitsökonomie ein. "Ich interessierte mich zwar schon länger für das Thema, wollte aber nicht nur in einen kleinen Fachverband eintreten", erzählt Beez, der zum Gründungsmitglied der Fachgruppe wurde: "Jetzt habe ich sogar den Vorteil, dass ich auch das Wissen anderer Fachgruppen anzapfen kann."

Auch in Rechtsfragen setzen immer mehr Berufstätige auf Verbandswissen. "Im Augenblick kommen viele neue Mitglieder zu uns, deren Arbeitsplatz in Gefahr ist", berichtet der Geschäftsführer des Verbandes Angestellter Führungskräfte (VAF), Michael Bürger. Der Verband bietet seinen Mitgliedern Beratungen in allen arbeitsrechtlichen Fragen bis hin zum Rechtsschutz. So lassen sich schon bei kleineren Rechtsstreitigkeiten einige hundert Euro Anwaltskosten einsparen.

Politische Arbeit

Trotz der Neuorientierung zu mehr Service, können die Mitglieder nach wie vor auch auf die politische Vertretung ihrer Interessen durch die Verbände bauen. "Die Interessenvertretung bleibt eine der wichtigsten Säulen unserer Arbeit", sagt Klaus Vogel, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Mittelstandsbundes. Der jüngste Kraftakt der Verbandes: eine Initiative gegen die Bauabzugssteuer. Danach sollen Auftraggeber im Baugewerbe 15 Prozent der Auftragssumme einbehalten und direkt an das Finanzamt des Bauunternehmers abführen. Ein vom Verband in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten wurde kürzlich an die EU-Kommission nach Brüssel geschickt.

Dass Gemeinsamkeit stark macht und für die Mitglieder noch mehr Vorteile bringt, haben auch die Verbandsfürsten erkannt. Gemeinsam marschieren zum Beispiel der bdvb und der VAF. "Wir haben schon früh festgestellt, dass unsere beiden Verbände Kompetenzen einbringen können, die sich ergänzen." Das konkrete Ergebnis für die bdvb- und VAF-Mitglieder: Eine vergünstigte Doppelmitgliedschaft.

Quelle: Wirtschaftswoche

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