Dienstag geht es los
Weißes Haus verteidigt "Drückeberger Bush"

Woran erkennt man, dass Präsident George W. Bush dringend Ferien benötigt? Antwort: Es ist schon zwei Wochen her, dass er Angeln war. Oder: Er verschluckt sich an einer Brezel, damit er für ein paar Minuten das Bewusstsein verliert. - Es ist Hochsommer und damit die Zeit, in der Bush seine Koffer packt und auf seine geliebte texanische Ranch bei Crawford flüchtet.

dpa WASHINGTON. Los gehen soll es am kommenden Dienstag, aber schon am Wochenende will Bush sich die Zeit nehmen, mit seinem Vater in Maine Golf zu spielen. Ähnlich wie im vergangenen Jahr will sich der Präsident insgesamt rund vier Wochen von Washington fern halten, und wie schon seinerzeit hat das politische Gegner und Talkshow-Komödianten mobilisiert.

Die einen - darunter demokratische Kongresspolitiker - halten es für hanebüchen, dass sich der erste Mann im Staate für so lange Zeit "verdrücken" wolle, während der Anti-Terror-Krieg weiter geht, die Wirtschaft vor sich hin dümpelt und Bilanzfälschungen die Ersparnisse der kleinen Leute auffressen. Für die anderen war Bushs Freizeitverhalten schon immer ein Bühnen-Lieblingsthema: Schließlich weiß man, dass der Präsident gern früh schlafen geht, nur ungern auf Joggen und Tretmühle verzichtet und jede Gelegenheit nutzt, seine Ranch oder wenigstens den Präsidenten-Landsitz Camp David aufzusuchen.

Nachdem die Serie der Bilanzskandale das Image von Ex-Unternehmer Bush bereits angekratzt hat, lässt das Weiße Haus Kritik und Witzeleien über den "Drückeberger Bush" nicht unwidersprochen. So beharrt Sprecher Ari Fleischer darauf, dass es nicht korrekt sei, von einem Monat Urlaub zu reden. Bush werde seine Ferien für Ausflüge in zwölf Städte unterbrechen, um dort Geld für republikanische Kandidaten zu sammeln und für sein politisches Programm zu werben. Außerdem komme der mexikanische Präsident Vicente Fox zu Besuch auf die Ranch, und darüber hinaus werde der Präsident am 13. August im nahen Waco ein Wirtschaftsforum abhalten.

Selbst dann, wenn er keine offiziellen Termine hat, liegt Bush dem Sprecher zufolge nicht unbedingt auf der faulen Haut. Danach lässt sich der Präsident auf der Ranch täglich - mit Ausnahme des Sonntag - von mitgereisten Mitarbeitern über Sicherheitsfragen unterrichten. Generell halte er sich in wichtigen politischen Fragen auf dem Laufenden. "Er verlässt praktisch nicht das Weiße Haus. Das Weiße Haus zieht auf seine Ranch um", beschreibt Fleischer die Lage.

Alles in allem, so rechnet der Sprecher vor, macht Bush nur ungefähr zwei Wochen richtig Ferien. Das entspricht in etwa dem Jahresurlaub der US-Bürger: 13 Tage stehen dem Durchschnittsamerikaner zu. Fleischer weist zugleich darauf hin, dass andere Politiker es noch weitaus toller trieben als Bush: die US- Abgeordneten nämlich, die schon vor dem Präsidenten in die Sommerpause gegangen seien und erst nach ihm wieder die Arbeit aufnähmen.

Hat die Mehrheit der Bürger nach jüngsten Umfragen keine Probleme mit der langen Bush-Abwesenheit, kann der Präsident zudem an seine Vorgänger erinnern: Viele von ihnen machten auch gern mal Urlaub. Danach ließ sich Richard Nixon einmal 30 Tage hintereinander nicht im Weißen Haus blicken, und Ronald Reagan hielt sich für 28 Tage fern. Die beiden liegen damit zusammen mit George W. Bush an der Spitze der Präsidenten-Urlaubskala.

Bush hat seine Ranch vor zwei Jahren renovieren lassen und nie einen Hehl daraus gemacht, wie sehr er an seinem Zuhause hängt. "Er lebt gern im Weißen Haus", schilderte Fleischer im vergangenen Jahr die Gefühle seines Chefs. "Aber in Crawford ist er daheim."

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