Dienstag legen Motorola und Yahoo ihre Quartalsergebnisse vor – Zahlen als Hinweise auf weiteren Börsentrend
Nervöse Anleger an der Wall Street

Die nächste Woche markiert den Beginn der Saison für die Quartalsergebnisse der US-Unternehmen. Zwei stark gefallene Sektoren erhoffen sich nach zahlreichen Gewinnwarnungen Auftrieb: Technologiewerte und Internettitel. Neue Inflationsängste belasten Finanzwerte.

NEW YORK. Vor dem Beginn der Berichtssaison für die Quartalsgewinne der US-Unternehmen in den kommenden Wochen sind die Anleger an der Wall Street ausgesprochen nervös. Ausgelöst von anhaltenden Gewinnwarnungen gerieten in der vergangenen Woche US-Technologiewerte erneut unter Druck. Der technologielastige Index der elektronischen Börse Nasdaq beendete die Woche mit einem Minus von 8,5 %. Die anderen wichtigen Marktbarometer fielen im Wochenvergleich ebenfalls. Der breit-gefasste S&P 500-Index sank um 1,9 %. Der Dow Jones Index der 30 führenden Industriewerte fiel um 0,5 %.

Für Anleger stellt sich die Frage, ob angesichts der negativen Stimmung die Quartalsergebnisse der Unternehmen den Markt wieder beleben können. Brian Finnerty, Marktstratege beim Wertpapierhaus C.E.Underberg, Towbin glaubt, dass der Kursverfall übertrieben ist und Anleger bei den günstigen Kursen wieder einsteigen werden. "Wir erwarten gute Gewinne für die Unternehmen", sagte Finnerty im Wirtschaftssender CNBC. Wachstumswerte aus den Bereichen Glasfaser und Halbleiter würden besonders nachgefragt. Anleger werden in der kommenden Woche ihr Augenmerk vor allem auf die Quartalsberichte des Technologiekonzerns Motorola und der Internet-Firma Yahoo richten. Davon verspricht sich die Wall Street Hinweise auf den weiteren Trend. Beide Unternehmen werden ihre Gewinne am Dienstag nach New Yorker Börsenschluss bekanntgeben.

Handy-Markt im Blickpunkt

Analysten an der Wall Street rechnen damit, dass beide Unternehmen die Gewinnerwartungen erfüllen werden. Der Aktienkurs von Motorola, Halbleiterhersteller und der weltweit zweitgrößte Hersteller von Mobiltelefonen, war in der Vergangenheit unter Druck geraten. Anleger sind nervös, weil es Anzeichen von nachlassendem Wachstum im Handymarkt gibt. Motorola konnte nach Schwäche zu Anfang des Jahres im 2. Quartal die Gewinnmargen bei den Handys steigern. "Sie haben im 2. Quartal gut abgeschnitten und die Leute hoffen auf das gleiche im 3. und 4. Quartal", sagte Analyst Lawrence Borgman vom Wertpapierhaus Josephthal & Co. Im Durchschnitt rechnen Analysten wie Motorola selbst mit einen Gewinn von 26 Cents pro Aktie bei einem Umsatz von 10 Mrd. $. Anleger werden sich vor allem auf die Gewinnmargen im Handybereich konzentrieren, für die mit einem Anstieg um 5,5% bis 6,5% gerechnet wird. "Wenn sie bei den Margen gut abschneiden, und ordentliche Umsätze haben, wird die Aktie nach oben abgehen", meint Analyst Ed Snyder vom Brokerhaus Chase H&Q.

Die Quartalsergebnisse von Yahoo gelten als richtungsweisend für Internetwerte, die am vergangenen Freitag weiter eingebrochen sind. Problem sind nachlassende Werbeausgaben in der Branche. Unter finanziellem Druck mussten viele Internetfirmen wegen der Börsenschwäche ihre Marketingausgaben reduzieren. Yahoo macht den Löwenanteil seiner Einkünfte mit Werbung. Trotzdem rechnen Analysten damit, dass Yahoo als einer der Marktführer nicht so stark vom Rückgang der Werbeausgaben getroffen wird.

Der einflussreiche Analyst Henry Blodget von der Investmentbank Merrill Lynch rechnet für Yahoo nach einem starken 2.Quartal jetzt mit soliden, aber weniger robusten Gewinnen. Blodget prognostiziert wie die meisten Analysten einen Umsatz von 280,6 Mill.$ und einen Gewinn pro Aktie von 12 Cents. Das wird an der Wall Street aber wohl nicht reichen, um einen Kursschub auszulösen. Blodget hängt die Latte für Yahoo nämlich höher. Er schreibt in einem Vorbericht, dass es Yahoo möglich ist, 290 Mill. $ Umsatz und 13 Cents Gewinn auszuweisen. Trotz der Schwäche im Markt für Online-Werbung glaubt Blodget, dass Yahoo noch Kurspotenzial hat - wenn auch nicht so viel wie in der Vergangenheit.

Finanztitel stehen unter Druck

Auch Finanztitel gerieten am Freitag unter Druck, nachdem der über Erwarten positiv ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht als mögliche Inflationsgefahr gedeutet wurde. Damit erwachte erneut die Angst vor steigenden Zinsen - Gift besonders für Finanzwerte. Investmentbanken verloren zudem besonders, weil auf dem Parkett mit großen Verlusten eines Hauses im Bereich hochverzinslicher Risikoanleihen gerechnet wird. Das Gerücht konzentrierte sich auf Morgan Stanley Dean Witter, deren Kurs um rund 8 % einbrach.

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