Dienste zum Speichern von Passwörtern sollen den Einkauf im Internet erleichtern
Statt vieler Passwörter- ein Zugangscode für alle Internet-Dienste

Passwörter sind ein Ärgernis im Internet. Anbieter wie Microsoft und AOL planen einen Zentralschlüssel, der alle Türen mit einem Zugangscode öffnet. Datenschützer warnen jedoch vor dem gläsernen Menschen.

HB PALO ALTO. Die Idee kam Jonathan Bari auf dem Logan International Airport in Boston. Sein Flugzeug hatte Verspätung, und er wollte auf der Website der Fluggesellschaft US Airways nach einem alternativen Flug suchen. Doch er konnte sich einfach nicht an seine Kundennummer und das Passwort erinnern. Beide standen auf einem gelben Zettelchen, das irgendwo auf seinem Schreibtisch im 500 Kilometer entfernten Philadelphia lag.

Ein Generalschlüssel für das Internet muss her, dachte sich Bari - ein digitales Fach, in dem man alle Zugangsinformationen für die verschiedenen Internet-Seiten speichern könnte. Dann müsste er sich nur einen Zugangscode merken, und alle anderen Passwörter wären überall verfügbar. Zusammen mit dem Techniker Josh Hartmann gründete Bari die Catavault Inc., einen Dienstleister, bei dem man seine Zugangsschlüssel ins Internet unter einem Namen und einem Passwort findet.

Die Probleme mit Passwörtern und Verschlüsselungsvorgängen sind allen Anbietern im Internet wohl bekannt. "Etwa die Hälfte aller Web-Shopper schiebt ihren digitalen Einkaufswagen gar nicht bis zu Kasse", schätzt Bari. Das Bezahlen ist einfach zu umständlich. Die Anbieter speichern zwar die Kundendaten, aber wollen erst ein Passwort wissen, bevor sie sie preisgeben - anders können sie die Sicherheit der Daten nicht garantieren. Die Marktforschungsagentur Gartner Group schätzt, dass Anrufe beim Kundendienst wegen Problemen mit Pass- und Zugangswörtern mit jährlich etwa 30 Mrd. $ bei den Internetanbietern zu Buche schlagen. In den USA haben Online-Shopper im Schnitt 15 verschiedene Datensätze zum Zugang für Internet-Dienste.

So versuchen viele Online-Händler, ihren Kunden das Einkaufen zu erleichtern. Der Buchhändler Amazon.com Inc. bietet seit Herbst 1997 die so genannte 1-Click-Order - das digitale Bezahlen mit einem einzigen Maus-Klick. Auch das größte Internet-Portal Yahoo Inc. hält eine elektronische Geldbörse, "E-Wallet", zum Shoppen auf seinen Verbindungsseiten bereit. Das besondere an diesen Diensten: Sie speichern nicht nur Namen und Passwort, sondern auch Kreditkartendaten. Doch noch funktionieren diese Schlüssel nur für eine oder wenige Türen.

Trotzdem hat Bari die Namen dieser Unternehmen auch auf seiner Liste der schärfsten Konkurrenten. Doch die größte Gefahr droht von den Riesen der Branche, die bereits Millionen Kunden für ihre Online-Angebote haben: dem Softwarehaus Microsoft Corp. aus Redmond und dem New Yorker Mediengiganten AOL Time Warner Inc. Microsofts Plan für seinen Identifikationsdienst "Passport" soll Zugangs- und Kreditkartendaten speichern und für den Surfer die Anmeldung bei anderen Web-Angeboten übernehmen. "Passport" wird Teil des neuen Betriebssystems Windows XP sein. Und Microsofts schärfster Konkurrent im Kampf um die Vorherrschaft im Internet, AOL, plant seinen eigenen Zentralschlüssel: "Magic Carpet".

Beobachter sehen zudem bereits Möglichkeiten für Allianzen: AOL investierte kürzlich bei Amazon; im Falle einer engeren Zusammenarbeit oder gar einer Übernahme von Amazon kämen zu den mehr als 30 Millionen zahlenden AOL-Mitgliedern die Millionen Amazon-Kunden als potenzielle Magic-Carpet-Nutzer hinzu - eine Datenbank von unschätzbarem Wert.

Datenschützer warnen jedoch, dies sei ein weiterer Schritt hin zum gläsernen Menschen: Die Anbieter könnten nämlich verfolgen, wer wann wo welchen passwortgeschützten Dienst genutzt hat, denn diese Daten gehen über die Server der Anbieter der Zentralschlüssel.

Genau dieses Argument nutzt Play App Llc., ein Unternehmen aus dem texanischen Dallas. Sein Verschüsselungssystem Play App Key besteht aus einem kleinen Schlüssel, der Zufallszahlen als Passwort generiert, und der Software, die die Daten lesen kann. Der Vorteil: Kein Zentralrechner speichert die Daten.

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