Dienstleister in der Gesundheitsbranche werden favorisiert
US-Analysten rechnen mit Trendwende

"Der Bär ist tot" und "die Tiefstände liegen hinter uns", sagen amerikanische Investmentstrategen. Nach einer langen Durststrecke soll es mit Standardwerten wieder aufwärts gehen. Im Fokus stehen Gesundheitsdienstleister und Aktien von Nahrungsmittelherstellern. Dagegen bleiben Technologiewerte weiter "out".

NEW YORK. Dreistellige Punktgewinne beim Dow Jones und ein Plus von 16 % für die Standardwerte in zwei Wochen - das lässt zwischenzeitliche Tagesverluste von zwei, drei Prozent verschmerzen. Anleger haben wieder neuen Mut gefasst. Und auch die Analysten schöpfen nach einer fast dreijährigen Kurstalfahrt Hoffnung auf eine Erholung am Aktienmarkt.

"Wir haben den Boden erreicht", ist Laszlo Birinyi, Präsident des Investment-Dienstleisters Birinyi Associates, überzeugt. Viele Experten rechnen nicht damit, dass die Tiefstände in nächster Zeit noch einmal getestet werden. Al Goldman vom Bankhaus A.G. Edwards ist ebenfalls der Meinung, dass das Ende des Abwärtsmarktes unmittelbar bevorsteht: "Der Bär ist tot."

Für den Optimismus der Experten spricht eine Reihe von Gründen - darunter die jüngsten "Haltungsnoten" des Marktes: starke Kursgewinne nach guten Quartalszahlen, schwache Verluste nach schwachen Zahlen; der Markt zeigt damit "relative Stärke".

Die Bilanzen des dritten Jahresquartals, die die Unternehmen zurzeit präsentieren, fallen bislang besser aus als von Analysten befürchtet. Der Fernsehgigant Viacom etwa, zu dem auch die Sender MTV und Nickelodeon sowie das Filmstudio Paramount Pictures gehören, wies in der vergangenen Woche Gewinne von 36 Cent je Aktie aus. Erwartet waren lediglich 32 Cents.

Insgesamt übertrafen bei den bereits vorgestellten Bilanzen 60 % der Firmen die Erwartungen. Nur 10 % konnten die Prognosen nicht erfüllen. Damit erledigt sich "eine der fundamentalen Bedrohungen, unter denen der Markt bisher gelitten hat", erklärt Investmentstratege Jeff Kleintop von PNC Financial Services: "Die Gewinne sind doch nicht so verheerend, wie alle glaubten."

Zudem behaupten sich einige wichtige Branchen schon seit Monaten am Markt, darunter etwa die Gesundheitsdienstleister sowie Hersteller von Bedarfsprodukten wie Nahrungsmitteln und Kosmetikartikeln. "Dass diese Aktien nicht eingebrochen sind, ist viel versprechend", sagt Thomas McManus von Bank of America. "Wir erwarten, dass sie die Anführer in diesem Aufwärtstrend sind und die anderen Sektoren nach und nach aufholen werden."

Das traditionell starke vierte Quartal könnte dem Markt zusätzlichen Aufwind verschaffen, erwarten Experten. Ihrer Meinung nach werden viele Unternehmen selbst in der aktuell angespannten Wirtschaftslage wie üblich zum Jahresende die Restbestände ihrer Firmenbudgets ausgeben. Dann könnte der Bärenmarkt mit Ablauf des Geschäftsjahres zu den Akten gelegt werden: "Ich denke, dass wir das Schlimmste hinter uns haben", sagt Laszlo Birinyi. "Der Markt hat die schlechten Nachrichten bereits eingepreist - die passiert sind und auch die, die noch bevorstehen könnten."

Trotz der positiven Vorzeichen raten die Analysten den Anlegern allerdings noch zur Vorsicht bei einigen Branchen. Der Technologiesektor etwa entwickelt sich zwar seit den Tiefständen von Anfang Oktober prozentual besser als der Gesamtmarkt, hinkt aber auf längere Sicht gesehen noch immer hinterher. Viele Telekom-Anbieter finden sich unter den Herabstufungen bei Analysten: Aus dem Portfolio der Investmentbank Lehman Brothers strich Analyst Sunil Sharma in der vergangenen Woche sämtliche noch verbliebenen Aktien aus diesem Bereich.

Weit oben in der Gunst der Strategen rangieren dagegen zurzeit Aktien von medizinischen Versorgungsunternehmen und Gesundheits-Dienstleistern. "Der Gesundheitssektor ist zurzeit von allen Branchen am besten aufgestellt", sagt Tom Galvin, bis zur vergangenen Woche Chefstratege bei Credit Suisse First Boston. Auf seiner Empfehlungsliste finden sich unter anderem der Krankenhausbetreiber Health Management Associates und die Aktie von Konkurrent Tenet Healthcare, die nach Galvins Meinung innerhalb des nächsten Jahres ihren Kurs um rund 25% steigern könnte.

Ein Grund für die positive Lage des Gesundheitssektors ist nach Ansicht von Experten der steigende Anteil älterer Bürger an der Gesamtbevölkerung, die tendenziell mehr Krankenpflege und Vorsorgedienstleistungen in Anspruch nehmen. Hinzu kommen ein Wachstum oberhalb des amerikanischen Bruttosozialprodukts sowie verbesserte Medikamente und stabile Preise, sagt Galvin: "Diese Kombination wird in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich eine unschlagbare Anlagechance bieten."

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