Dienstleistungsangebote – Schlüssel für die Entwicklung der Mobilkommunikation
Bedeutung mobiler Multimediadienste

Bereits heute gibt es in Deutschland mehr Handys als drahtgebundene Telefonanschlüsse. Und der Boom des mobilen Telefonierens war nur der Anfang. Die neuen Möglichkeiten, neben Sprache auch Daten, Texte und Bilder zu übertragen und den Zugang zum mobilen Internet jederzeit griffbereit zu haben, sollen den Weg zum "Mobile Commerce" frei machen. Aber welche Angebote sind nicht nur technisch machbar, sondern auch sinnvoll und erfolgversprechend?

Gast-Kolumne von Lothar Beyer (IAT) und Britta Oertel (IZT)

Mit dieser Frage befasst sich die aktuelle Studie "Entwicklung und zukünftige Bedeutung mobiler Multimediadienste", die vom Institut Arbeit und Technik (IAT, Gelsenkirchen), dem Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT, Berlin) und dem Sekretariat für Zukunftsforschung (SFZ, Gelsenkirchen) für das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie erstellt wurde.

Die eine "Killer-Applikation", die die Milliarden der UMTS-Lizenzen in Rekordzeit wieder einspielt, wird es nicht geben, zeigt die Studie. Trotzdem wird der Mobilfunk unentbehrlicher Bestandteil der E-Society. Mobile Dienstleistungen, die an jedem Ort und zu jeder Zeit nutzbar sind, eröffnen neue Leistungsmerkmale für den Kunden und können in einer Vielzahl von Branchen als Innovationsmotor wirken.

Als Kontrast und Ergänzung zu anderen Untersuchungen, die sich vorwiegend auf die Strategien weniger "Global Player" und Fragen von Technologie und Infrastruktur konzentrieren, analysiert die Studie konkrete Nutzungsmöglichkeiten und-szenarien mobiler Multimediadienste, etwa für Finanzdienstleistungen, Shopping, Unterhaltung, Information, Gesundheit und Wellness, Arbeit und Sicherheitsdienstleistungen.

Mit einer Online-Befragung, an der sich mehr als 600 kleine und mittelständische Anbieter von Multimediadiensten beteiligten, wurden die Nutzungsbereitschaft für mögliche neue Angebote, das Interesse, sich selbst in der Entwicklung solcher Angebote zu engagieren und die Einschätzung der zukünftigen Marktentwicklung erhoben. Demnach werden vor allem für mobile Multimediadienste in den Bereichen Information, ortsbezogene Dienstleistungen, Entertainment und Finanzen/Einkaufen günstige Marktchancen vorhergesagt. Auffallend ist dagegen, dass Videokommunikation - von Herstellern und Netzbetreibern derzeit groß herausgestellt - in der Bewertung an hinterer Stelle rangiert.

Der erfolgreiche Zuschnitt von Diensten auf die persönlichen Anforderungen des Nutzers ist von zentraler Bedeutung für die Verbreitung und Akzeptanz mobiler Multimediadienste. Eine Schlüsselrolle nehmen hierbei sogenannte Location Based Services (ortsbezogene Dienstleistungen) ein, mit denen ein auf den Standort und auf die Interessen des Kunden abgestimmtes Informations- und Kommunikationsangebot bereitgestellt werden kann. Personalisierungs- und Bezahlfunktionen erweitern und ergänzen dieses Spektrum und ermöglichen so nicht nur ortsbezogene, sondern auch situationsbezogene Dienstleistungen.

Mit Technologien wie GPS (Global Positioning System) oder Zellortung ist es bereits heute möglich, den Standort des Benutzers zu bestimmen. Diese Verfahren können einerseits vom Kunden zur Übermittlung seines Standorts initiiert werden, beispielsweise um ein Taxi anzufordern oder um Produkte und Dienstleistungen zu finden (Wo finde ich die nächste Apotheke?). Andererseits können auch Anbieter für sich werben und entsprechend dem Kundenprofil Angebote unterbreiten: Ein Restaurant übermittelt seine Speisekarte, ein Shopping Center verweist auf Sonderangebote. Die Orientierung im Zielgebiet wird durch Navigationshilfen (Richtungserkennung, Stadtpläne etc.) unterstützt. Auch "mobile Reiseführer" werden möglich, die detaillierte, multimediale Informationen zur Geschichte von Sehenswürdigkeiten, beispielsweise des Brandenburger Tors, per Video bereitstellen.

Es gibt aber jedoch auch etliche "Show Stopper", die die Verbreitung und Nutzung des mobilen Internet verzögern können. So müssen Interessen und Ängste der Nutzer in Fragen des Datenschutzes, der Datensicherheit und der Gesundheit (z. B. Elektrosmog) bei der Gestaltung der Mobilfunktechnologien gezielt berücksichtigt werden. Auch muss aus früheren Fehlern bei der Markteinführung neuer Telekommunikationsdienste gelernt werden: Oft führten verfrühte oder überhöhte Versprechungen der Hersteller zu enttäuschten Erwartungen bei den Kunden.

Ob und wann sich mobile Multimediadienste durchsetzen werden, hängt wesentlich von drei Faktoren ab: Wann stehen entsprechende Technologien zur Verfügung, wie nutzungsfreundlich sind sie gestaltet, und werden aus Kundensicht sinnvolle Angebote unterbreitet, die einen echten Mehrwert bieten? Insgesamt wird es darauf ankommen, dass nicht einfach die konventionellen E-Commerce-Anwendungen des heutigen Internets "auf das Handy" gebracht, sondern die neuen Möglichkeiten der dritten Mobilfunkgeneration genutzt werden.

Die Autoren

Dr. Lothar Beyer, Dipl.-Sozialwissenschaftler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut Arbeit und Technik (Abteilung Dienstleistungssysteme) in Gelsenkirchen.

Britta Oertel, Informationswissenschaftlerin, M. A. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin.

Das Institut Arbeit und Technik (IAT) im Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen ist eine Einrichtung der nordrhein-westfälischen Landesregierung, die bei der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen ressortiert. Es hat den Auftrag, Forschung über die Wirkungszusammenhänge des strukturellen Wandels zu betreiben und Strategien für dessen Bewältigung zu entwickeln. Es finanziert sich derzeit zu etwa gleichen Teilen aus Haushaltsmitteln des Landes und Drittmitteleinnahmen.

Das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) ist eine 1981 gegrün-dete gemeinnützige Forschungseinrichtung. Hauptaufgaben des IZT sind die Durchführung von Forschungsprojekten, die Erstellung von Gutachten und die Beratung von Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft. Schwerpunkte der Arbeit sind Zukunftsstudien und die Ana-lyse der Entwicklung und Einführung neuer Technologien sowie die Abschätzung und Bewer-tung ihrer wirtschaftlichen, politischen, ökologischen und sozialen Folgen.

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