Dienstleistungsgeschäft soll wachsen
Bombardier fährt strikten Sparkurs

Der letztes Jahr mit seinem Flugzeugbau ins Trudeln geratene Verkehrstechnikkonzern Bombardier Inc., Montreal, fährt jetzt auch in der erfolgreichen Sparte Schienenverkehrstechnik einen strikten Sparkurs. Die Kanadier erwägen die Stilllegungen von Fabriken und den weiteren Abbau von Arbeitsplätzen in Europa.

ek MADRID. Bombardier Transportation, Weltmarktführer der Bahnindustrie, nimmt sämtliche Produktionsstandorte unter die Lupe. "Wir müssen einfach produktiver werden", sagte Konzernchef Paul Tellier vor Journalisten in Madrid. Noch in diesem Jahr werde es Veränderungen geben. Es sei aber zu früh, Einzelheiten bekannt zu geben, er rechne jedoch nicht mit radikalen Schritten.

Der Bereich Verkehrstechnik war in den letzten Jahren durch zahlreiche Akquisitionen gewachsen. Durch die Übernahme der Daimler Chrysler-Tochter - Adtranz vor zwei Jahren avancierte Bombardier Transportation mit 21 % Marktanteil und einem Umsatz von 6,3 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2002/2003 (31.1.) zum unangefochtenen Branchenprimus. Das Unternehmen beschäftigt 36 000 Mitarbeiter in 39 Ländern und betreibt 53 Fabriken in 24 Ländern. In Deutschland arbeiten 9 000 Beschäftigte für den Konzern.

"Wir sind in den letzten fünf Jahren vielleicht etwas zu schnell gewachsen", sagte Tellier. Insbesondere die Zusammenführung der ehemaligen Adtranz-Standorte mit den Bombardier-Produktionsstätten fordere "erhebliche Rationalisierungen". Im gesamten Konzern sei neues strategisches Ziel, den Profit zu erhöhen und nicht unbedingt den Umsatz.

Die Neuordnung der Fertigung bei Transportation müsse nicht immer auf Standortschließung hinauslaufen. Heute gebe es noch Schienenfahrzeuge, an deren Bau bis zu neun Werke beteiligt seien. Das werde sich ändern. Verstärkt steuert der Konzern dabei Wartung und Instandhaltung von Schienenfahrzeugen im Auftrag der Bahnbetreiber an. Dies sei lukrativ und ein sicheres Geschäft, betonte Tellier. Dienstleistungen machten bereits 20 % des Transportation-Umsatzes aus.

In Deutschland wird der von der Schließung bedrohte ehemalige Waggonbaustandort Halle-Ammendorf zu einem Servicezentrum umgestaltet. Potenzielle Kunden sieht Bombardier bei den vielen kleinen neuen Bahnunternehmen im Regional- und Güterverkehr. Die Deutsche Bahn AG allerdings wird Bombardier nicht als Kunden für Wartungsdienste gewinnen können. Karl-Friedrich Rausch, Technik-Vorstand der Bahn, betont immer wieder, dass der Konzern zwar seine Werkekapazitäten verringere, das Instandhaltungsgeschäft aber als Kernkompetenz ansehe

.

In Bombardier-Kreisen in Deutschland werden die Ankündigungen von Konzernchef Tellier eher gelassen kommentiert. Nach dem Abbau von 330 Stellen am Standort Hennigsdorf, der Ende April bekannt gegeben worden war, sieht man sich an den deutschen Standorten gut aufgestellt. "Die Auslastung mit Aufträgen ist bis 2005/2006 allemal gesichert", heißt es. Ohnehin wird die Verkehrstechniksparte, die 40 % zum Konzernumsatz beiträgt, jetzt weltweit von Berlin aus gesteuert. Lediglich das Nordamerika-Geschäft betreut noch die Zentrale in Montreal.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%