Diesel-Rußfilter könnten schnell Standard werden
Peugeot bringt Autobauer in Zugzwang

Nachdem der Katalysator bereits seit Jahren bei Benzinmotoren Schadstoffe herausfiltert, sollen nun auch die Dieselantriebe durch den Einsatz von Rußfiltern umweltfreundlicher werden.

Reuters STUTTGART. "Alle deutschen Automobilhersteller werden auf der IAA Autos mit Diesel-Rußfilter vorstellen", sagt Eckehart Rotter, Sprecher des Branchenverbandes VDA in Frankfurt. Die "kleine Chemiefabrik", die die angeblich gesundheitsschädlichen Partikel in den Abgasen eliminiert, könnte sich nach Ansicht von Experten ähnlich rasch durchsetzen wie in den 80er Jahren der Katalysator. Greenpeace ist aber immer noch nicht zufrieden.

"Bei Neufahrzeugen wird der Rußfilter-Anteil schnell auf 50 % steigen", ist Willi Diez, Leiter des Nürtinger Instituts für Automobilwirtschaft, überzeugt. Das sei beim "Kat" genauso gewesen, obwohl der fehlende bleifreie Kraftstoff damals ein zusätzliches Problem darstellte. Diesel-Autos ohne Filter seien in drei Jahren als Gebrauchtwagen nur noch schwer verkäuflich, wirft ein Sprecher des Rußfilter-Vorreiters Peugeot als Argument in die Waagschale. In der Oberklasse soll der Rußfilter bald serienmäßig sein. "Aber das Problem ist der Altbestand", warnt Diez vor Euphorie. Die erhoffte Entlastung für die Umwelt sei erst in zehn bis 15 Jahren zu erreichen, da eine Nachrüstung mit dem Filter technisch wohl unmöglich sei.

Die Umweltorganisation Greenpeace mag das nicht glauben: Die Zulieferer waren schon nahe an der Schwelle, Nachrüstsysteme zu entwickeln", weiß Diesel-Experte Günter Hubmann. Die Hersteller hätten das aber blockiert und mit dem Entzug von Großaufträgen gedroht. Deshalb setzen die Umweltschützer ihre spektakulären Aktionen gegen den Dieselruß fort: Die Zufahrt zur Zentrale von Daimler-Chrysler in Stuttgart blockierten sie mit Krankenbetten, als Symbol für die Toten, die an den Folgen der Rußpartikel in der Luft pro Jahr stürben. Auf 8700 veranschlagt Greenpeace ihre Zahl, auf 14 000 sogar eine Studie des Bundesumweltamtes. Durch den steigenden Dieselanteil - rund 40 % der Neuwagen in Deutschland sind mit einem Dieselmotor ausgerüstet- wachse die Gefahr noch.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hält diese Rechnung allerdings für äußerst fragwürdig und verweist darauf, dass der Rußausstoß eines modernen Diesel um 90 % niedriger sei als 1990. Lange hatten sich die Autohersteller unter Führung des VDA - ähnlich wie damals beim Kat - gegen den Filter gewehrt und auf "innermotorische Lösungen" gesetzt, die den Rußausstoß auf die ab 2005 geltende "Euro-4"-Abgasnorm senken sollten.

Doch die Front bröckelte auf zwei Seiten: Pkws mit mehr als 1800 Kilogramm Gewicht erreichten die Norm ohne Filter nicht, und der französische Autohersteller Peugeot preschte medienwirksam mit serienmäßigen Diesel-Motoren mit Rußfilter vor - dass diese erst 2004 auch die Euro-4-Norm erreichen, war kein Thema. "Das hat dem Image der Marke in Deutschland extrem gut getan, und in Frankreich schert sich niemand darum", gibt ein Peugeot-Sprecher zu. Obwohl die mit Rußfilter angebotenen Modelle teurer seien, griffen 80 % zu diesen Varianten. Dabei muss der Filter aus Frankreich nach 120 000 Kilometern ausgetauscht werden. "So sind die anderen Hersteller in Zugzwang geraten", erklärt Diez.

Trotz öffentlicher Dementis arbeiteten auch die deutschen Hersteller längst an dem Filter. Daimler-Chrysler hatte sich lange geziert, setzte sich kürzlich aber an die Spitze der Bewegung. Nicht nur für die großen Modelle, die nicht ohne ihn auskommen, auch für die Vier- und Sechszylinder-Volumenmodelle von Mercedes ist ab 2004 ein Rußfilter erhältlich, der auch ohne Zusatzstoffe länger halten soll. Der Clou: Mercedes verkauft den Filter für 580 ? zusammen mit einem Euro-4-Paket, für das in Deutschland bis 2005 eine Steuerermäßigung von gut 600 ? gilt. "Wir setzen uns dafür ein, dass sich der Rußfilter verbreitet", begründet ein Sprecher den Schritt. Mehr als 1000 Kunden hätten das Paket seit der Ankündigung Anfang August schon bestellt. Die Wahlfreiheit ist Greenpeace ein Dorn im Auge. "Es kann nicht sein, dass man die Gesundheit von anderen Menschen verkauft wie Alufelgen oder Breitreifen", sagt Hubmann.

Während der Katalysator-Spezialist Eberspächer die ersten Partikelfilter längst ausgeliefert hat, will Diesel-Marktführer Bosch auf der IAA die Entscheidung bekannt geben, auch in das Geschäft einzusteigen. Ende 2005 könnte sein System in Serie gehen, das durch eine höhere Abgastemperatur einen raschen Verschleiß des Filters verhindert. Dass das zu spät sein könnte, glauben die Stuttgarter nicht. "Wir haben einen weltweiten Fokus", sagt ein Sprecher.

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