Dieselmotoren werden leiser: Siemens VDO optimiert Einspritztechnik

Dieselmotoren werden leiser
Siemens VDO optimiert Einspritztechnik

Dieselmotoren unterscheiden sich immer weniger von Benzinmotoren. Durch eine verbesserte Einspritztechnik fahren sie ebenso leise, sind schnell im Start und verbrauchen weniger Sprit.

STUTTGART. Der Siegeszug der Diesel-Pkw setzt sich weiter fort. Schon in zwei Jahren soll jedes zweite verkaufte Fahrzeug in Europa mit einem Dieselmotor ausgestattet sein, so die optimistischen Prognosen der Autobranche. Eine neue Einspritztechnik zur Regelung der Kraftstoffzufuhr, die Siemens VDO entwickelt hat, sorgt dafür, dass die nächste Diesel-Motorengeneration noch attraktiver wird. Die Antriebsaggregate fahren leiser, verbrauchen noch weniger Sprit und produzieren weniger Schadstoffe.

Schon heute nutzt ein Dieselmotor den Treibstoff bis zu 30 % besser als ein Benzinmotor. Und in Bezug auf Drehmoment und Beschleunigungskraft haben Dieselmotoren schon seit längerem mit Benzinmotoren gleichgezogen. Das einzige Problem bei den heutigen Dieselaggregaten ist die Schadstoffbilanz.

Doch auch die soll bald besser werden. Die neue Einspritztechnik auf Basis der so genannten Piezo-Technik optimiert die Verbrennung im Motor, so dass weniger Abgase und Rußpartikel an die Umwelt abgegeben werden. Ob diese Technik sogar ausreicht, um das Rußpartikelproblem ganz zu lösen und die verschärften Abgasvorschriften Euro IV ab 2005 und Euro V - voraussichtlich ab 2008 - zu erfüllen, ist noch nicht sicher.

Weil die verwendeten, auf Piezokeramiken basierenden Schaltelemente viel schneller als herkömmliche Magnetventile sind, ist es möglich, die Kraftstoffmenge auf mehrere Einzeleinspritzungen zu verteilen: Auf Voreinspritzungen sehr kleiner Kraftstoffmengen folgen die Haupt- und Nacheinspritzungen. Während die Voreinspritzungen vor allem dazu dienen, das Verbrennungsgeräusch zu vermindern, werden die Nacheinspritzungen dazu genutzt, die Abgase zu behandeln. Dabei werden die Rußpartikel unter hohen Temperaturen verbrannt.

"Die Piezo-Aktoren können viermal schneller schalten als die herkömmlichen Magnetventile", erläutern Techniker bei Siemens VDO. Je mehr Einspritzungen es in einem Einspritzvorgang gibt, desto sauberer und leiser könnten die Motoren arbeiten. Bis zu sieben solcher Einspritzvorgänge soll es künftig geben. Außerdem sind Piezo-Aktoren kompakter und benötigen weniger Platz im Motoraum.

Da Siemens VDO diese neue Einspritztechnik als Erster auf den Markt gebracht hat, sieht sich das Unternehmen hier als technologischer Spitzenreiter. Hatte der Autozulieferer zunächst Peugeot und Ford als Kunden gewinnen können, bringt nun die Zusammenarbeit mit VW den großen Durchbruch. Die Siemens-Tochter hat mit der VW-Gruppe - dem weltweit größten Hersteller von Diesel-Pkw - eine Gemeinschaftsfirma gegründet, in der die Piezo-Aktoren künftig für den VW-Konzern produziert werden.

Laut Dieselexperte Peter Schmidt vom britischen Autoinformationsdienst (AID) wird die Piezo-Technologie die Leistungsfähigkeit der Diesel-Einspritzsysteme in den nächsten fünf bis zehn Jahren bestimmen. Kein Wunder, dass Wettbewerber wie Bosch und der amerikanische Zulieferer Delphi ebenfalls an dieser neuen Technik arbeiten. Bosch, mit einem Marktanteil von 85 % unangefochtener Branchenführer bei den Dieseleinspritzsystemen, hat angekündigt, dass die Technik spätestens im September zur internationalen Automobilmesse IAA in einem Dieselfahrzeug eingebaut sein wird.

Delphi dagegen will zunächst an der herkömmlichen Technik festhalten. "Erst die nächste Generation der Piezo-Aktoren reizt die technischen Möglichkeiten für noch sauberere und leisere Motoren erst richtig aus", sagt ein Delphi-Sprecher.

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