Archiv
Dieses Mal ist Ron Sommer unschuldig

Ein Großaktionär sorgte für den rapiden Kurssturz der T-Aktie

Es war Wasser auf den Mühlen der Kritiker, als der Aktienkurs der Deutschen Telekom in der vergangenen Woche in die Tiefe rauschte. "Der Sommer raubt mir meine Rente", empörten sich einige frustrierte Kleinaktionäre. Und Aktionärsschützer schoben gleich hinterher: "Die Telekom ist einfach nicht gut aufgestellt." Ohnehin sind die Manager des Bonner Konzerns, allen voran Telekom-Chef Ron Sommer, bei vielen Anlegern und Aktionärsschützern in Misskredit geraten - wegen der angeblichen falschen Bewertung des Immobilenvermögens, wegen des niedrigen Kurses der T-Aktie, und jetzt kam noch der neuerliche Sinkflug der Aktie auf unter 20 Euro.

Dieses Mal trifft Sommer aber keine Schuld. Ein Großaktionär warf völlig überraschend 44 Millionen T-Aktien auf den Markt, vermutlich Hutchison Whampoa, eines der Unternehmen, die von der Telekom bei der Übernahme des US-Mobilfunkers Voicestream in T-Aktien bezahlt worden war. Die Deutsche Bank hatte den Deal abgewickelt, nachdem sie einen Tag zuvor noch eine Kaufempfehlung für die Telekom-Titel ausgesprochen hatte. Die Finanzmärkte rätselten: Hat die Bank versucht, den Kurs bewusst anzuheben, um Kasse zu machen? Oder haben die für die Kaufempfehlung und den Verkauf zuständigen Abteilungen nichts voneinander gewusst? Die Konsequenzen hatten es in sich: Der Verkauf des 44-Millionen-Aktienpakets setzte eine steile Talfahrt der T-Aktie in Gang. Der Börsenwert der Telekom verringerte sich innerhalb weniger Tage um fast 40 Milliarden Mark.

Sommer zürnte: Das Vertrauen zwischen Telekom und Deutscher Bank sei erschüttert. Man denke über Konsequenzen nach. Zu Recht, schließlich ist die Deutsche Bank eine von sechs Finanzinstituten, die dafür sorgen sollen, dass der Aktienrückfluss nach dem Voicestream-Kauf ohne große Auswirkungen auf die T-Aktie bleibt.

Gestern schien sich ein ähnliches Spiel anzubahnen: Goldman Sachs, ebenfalls ein Telekom-Großaktionär, setzte die Telekom-Titel auf ihre Empfehlungsliste. Die T-Aktie konnte so ihre herben Verluste aus der vergangenen Woche teilweise wieder ausbügeln. Jetzt stellt sich die Frage: Wann verkauft Goldman Sachs seine Telekom-Papiere? Das Institut besitzt seit der Voicestream-Übernahme etwa 30 Millionen T-Aktien.

Goldman Sachs sollte sich den Verkauf der Telekom-Titel aber gut überlegen und nicht die Geschäftsbeziehungen mit der Telekom aufs Spiel setzen, wie es die Deutsche Bank tat. Denn schließlich kann man mit der Telekom noch gute Geschäfte machen, zum Beispiel beim Börsengang der Mobilfunksparte T-Mobile.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%