Diesmal hat Saban potente Investoren an Bord
Gute Chancen für neues Saban-Angebot

Der US- Milliardär Haim Saban macht Dampf: Der Medienmanager hat ein neues Angebot für den TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 Media vorgelegt. "Das Angebot ist da, und es ist sehr konkret", sagte am Montag ein Sprecher der insolventen Muttergesellschaft Kirch Media.

cbu/hps/jojo MÜNCHEN. Am Dienstag tagt der Gläubigerausschuss und will sich mit der Offerte befassen, hieß es am Montag in München. Beobachter halten es für möglich, dass bei dem Treffen bereits eine Entscheidung zugunsten Sabans fällt. "Die Chancen, dass es klappt, stehen ganz gut", sagt Analyst Stefan Weiss von der WestLB. Eine Einigung mit dem US-Medienunternehmer sei besser als die Fortführung der Bankenlösung.

Der Amerikaner war Anfang Juni schon einmal mit einem Übernahmeversuch gescheitert. Damals waren die Verträge bereits unterschrieben, doch die Transaktion scheiterte in letzter Minute an Finanzierungsdetails. Saban wollte für insgesamt rund 2 Mrd. Euro Pro Sieben Sat 1 und die Kirch-Filmbibliothek übernehmen. Nun ist er nur noch an dem TV-Konzern interessiert, der Rest wird gerade von Insolvenzverwalter Michael Jaffé abgewickelt.

Kirch Media musste wie alle anderen Obergesellschaften des Imperiums von Leo Kirch im Frühjahr 2002 Insolvenz anmelden. Seitdem sucht der Insolvenzverwalter nach Käufern für die einzelnen Teile. Die meisten Firmen, darunter der Bezahlfernseh-Kanal Premiere und das Deutsche Sportfernsehen (DSF) sind längst verkauft.

Diesmal habe Saban potente Investoren an Bord, heißt es. Darunter sind unter anderem die Beteiligungsfirmen Hellman & Friedman, Bain Capital, Quadrangle Group, Thomas H. Lee und Providence Equity Partners . Saban selbst will lediglich ein gutes Viertel an Pro Sieben Sat 1 übernehmen. Der Rest gehe an seine Partner. Nach Brancheninformationen will Saban zwischen 7 und 7,50 Euro je Aktie bieten. Letzten Donnerstag stufte die Düsseldorfer WestLB die Aktie der Pro Sieben Sat 1 von neutral auf untergewichten herab. Medienanalyst Stefan Weiss sagte gestern: "Saban wird den Vorzugsaktionären höchst wahrscheinlich nicht mehr als ein Minimalangebot von ungefähr 5,60 Euro machen."

Die Wendung in dem Verkaufsprozess ließ die Pro-Sieben-Aktie gestern um 2,73 % auf 6,78 Euro sinken. Im ersten Quartal war Pro Sieben Sat 1 in die roten Zahlen gerutscht. Für das zweite Quartal versprach Konzernchef Urs Rohner allerdings wieder einen Gewinn.

"Wenn das Angebot stimmt, kann ich mir vorstellen, dass die Banken darauf anspringen", heißt es in Verhandlungskreisen. Die Kreditinstitute sind froh, wenn sie die Beteiligung verkaufen können. "Wir sind keine Medienunternehmer", hat Bayern-LB-Chef Werner Schmidt mehrfach betont. Im Gläubigerausschuss sitzen unter anderem die Hypo-Vereinsbank, die Commerzbank, die Bayerische Landesbank und die DZ Bank. Saban hat Brancheninformationen zufolge gegenüber seinem letzten Angebot weitere Zugeständnisse gemacht. So will er unter anderem die geplante Kapitalerhöhung bei Pro Sieben Sat 1 mittragen. Der TV-Konzern will sich noch in diesem Jahr bis zu 300 Mill. Euro frisches Kapital beschaffen. Zudem soll auch eine Hochzinsanleihe über 200 Mill. Euro abgelöst werden. In dem jetzt vorgelegten Angebot geht es um 72 % der Stammaktien des Konzerns.

Beim Miteigner von Pro Sieben Sat 1, dem Axel Springer Verlag, war Haim Sabans neuer Anlauf schon zuvor auf positives Echo gestoßen. Europas größter Zeitungskonzern hält derzeit 11,48 % an der Pro Sieben Sat 1 Media AG und soll nach einer Übernahme im Boot bleiben.

Die vier Sender Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und N 24 brauchen dringend neue Programmideen, um den wachsenden Abstand zur RTL-Senderfamilie aufholen zu können. Im ersten Halbjahr hatte Pro Sieben rund 10 %, Sat 1 knapp 9 % der Brutto-Werbeeinnahmen verloren. Der Kölner Konkurrent verzeichnete dagegen ein Plus von 10 %. Die Kritik an Konzernchef Urs Rohner wurde zuletzt immer lauter. Er scheiterte offenbar an internen Widerständen mit der geplanten Ablösung der beiden Senderchefs von Pro Sieben und Sat 1.

Quelle: Handelsblatt

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