Digitaldruckmaschinen als Wachstumsmarkt
Xerox wirbt um Vertrauen der Investoren

"Die Lage war nicht gut", umschreibt Anne Mulcahy die Situation des Kopierer-, Drucker- und Druckmaschinenherstellers Xerox im Jahr 2000. In Zahlen liest sich das so: 17 Mrd. $ Schulden bei einem Nettoverlust von 273 Mill. $.

HANNOVER. Mulcahy weiß, wovon sie spricht - damals war die Managerin im Vorstand für das laufende Geschäft verantwortlich. Seit August 2001 ist sie Chef von Xerox und führt das Unternehmen durch die wohl schwerste Krise des 1906 gegründeten Technologiekonzerns.

Viele Experten sagten Xerox 2000 die Pleite voraus: Zur Bedienung der Kredite stand dem Konzern ein freier Cash-Flow von gerade 200 Mill. $ zur Verfügung. Auch bei den Ratingagenturen schrillten die Alarmglocken. Die ansonsten gegen kurzfristige Ertragsturbulenzen unempfindlichen Analysten der Ratingagentur Standard & Poor?s stuften Xerox innerhalb eines Jahres vom Schuldner mit guter Bonität auf "Junk-Bond" - also Wertpapier mit höchstem Risiko - herab.

Ein Bilanzskandal verschärfte die Krise noch. Zwischen 1997 und 2001 buchte das Management Einnahmen aus dem Geräte-Leasing systematisch zu früh und blähte so die Umsätze künstlich auf. Mulcahy musste für diesen Zeitraum Umsätze in Höhe von 6,4 Mrd. $ nachträglich aus der Bilanz streichen.

Noch problematischer als die Falschbuchungen war die enorme Schuldenlast: "Wir mussten sehr schnell handeln, um die finanzielle Lage des Unternehmens zu stabilisieren", sagt Mulcahy. Mit der Umschuldung von Krediten über 7 Mrd. $ sei das langfristig gelungen.

Operativ hat Xerox die Wende geschafft: 2002 erwirtschaftete das Unternehmen wieder Gewinne und konnte darüber hinaus rund 2 Mrd. $ Schulden abbauen. Der freie Cash-Flow stieg auf rund 1,8 Mrd. $.

Doch der Preis für die Sanierung ist hoch: Rund 25 000 Mitarbeiter mussten in den vergangen beiden Jahren gehen. Für 1,8 Mrd. $ verkaufte Xerox die Hälfte seiner Beteiligung am Joint-Venture Fuji Xerox an den japanischen Filmkonzern Fuji, die Landesgesellschaften in China und Hongkong inklusive. Auf der Suche nach externen Investoren ist Mulcahy auch für das renommierte Forschungslabor PARC im kalifornischen Palo Alto. Erfindungen wie die "Computer-Maus" haben PARC weltberühmt gemacht.

Auch aus dem Privatkundengeschäft hat sich Xerox zurückgezogen und überlässt das Feld dem Konkurrenten Hewlett-Packard. "Der Endverbrauchermarkt frisst Liquidität", begründet Mulcahy die Entscheidung. Der neue Fokus liegt auf Firmenkunden, mit denen Xerox 2002 rund 15 Mrd. $ umgesetzt hat.

Neben dem Kopierer- und Bürodruckermarkt, in dem Xerox vor allen Dingen mit Canon im Wettbewerb steht, gehört der Digitaldruck zu den Hoffnungsträgern. Dort trifft Xerox auf neue Konkurrenten, wie die Heidelberger Druckmaschinen. Die Deutschen versuchen, mit digitalen Schwarzweiß-Druckmaschinen den Amerikanern Marktanteile abzujagen. Mit 70 % Marktanteil liegt Xerox in diesem Segment weit vorne, Heidelberger Druck ist mit 20 % die Nummer zwei. "Wir haben aber Xerox bereits Marktanteile abgenommen", sagt ein Firmensprecher.

Auch bei digitalen Farbdruckmaschinen treffen beide Konzerne neuerdings aufeinander: Rund 1 Mrd. $ hat Xerox in die Entwicklung der digitalen Farbdruckmaschine DocuColor IGen3 gesteckt. Listenpreis: eine halbe Million Dollar.

Doch auch wenn es operativ aufwärts geht, muss Mulcahy um das Vertrauen der Investoren weiter hart kämpfen. Der größte US-Pensionsfonds hat jüngst die Ernennung zusätzlicher vom Management unabhängiger Mitglieder in das Aufsichtsgremium gefordert. Doch diese sind offenbar nicht zu finden. Mulcahy begründete die schwierige Suche mit dem gestiegenen Risiko für die neuerdings persönlich haftenden Board-Mitglieder.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%