Digitale Dolmetscher
Komplette Texte kostenlos im Netz übersetzen

Digitale Dolmetscher sind mehr als nur eine Übersetzungskrücke. Dank semantischer Netze werden zukünftig die größten Übersetzungsfallen umschifft.

HON HANNOVER: Computer-Übersetzungen sind bislang immer wieder für Lacher gut, dies beweist folgende Einladung zu einer belgischen Messe: "Von da an wird ihre Verwicklung eingeschlossen vor 15. Januar 2002 vor der Rückkehr von der Eintrafung-Form und diesen bestätigt werden, das Akte Freilegen wird Sie später erreichen." Doch die Hersteller von Übersetzungsoftware arbeiten hart daran, ihr lädiertes Image wieder aufzuarbeiten.

"Wir wollen Übersetzer gar nicht ersetzen, sondern unterstützen", meint Sandra Perron, Sprecherin der Pariser Unternehmens Softissimo. Stattdessen wird Bescheidenheit und Handhabbarkeit großgeschrieben. Etwa 80 bis 90 Prozent kann die Software Reverso anstandslos zwischen deutsch, englisch und französisch hin und her übersetzen - je nach Qualität des Ausgangstextes. Die restlichen Unsicherheiten müssen von einem Menschen nachbearbeitet werden. Auf zwei Fenstern zeigt Reverso Quell- und Zieltext. Stellen, an denen die Software stolpert, und Doppeldeutigkeiten werden angezeigt. Die Übersetzung dauert, je nach Rechnerleistung, rund eine Sekunde pro Seite. Um die richtige Aussprache zu lernen, können die Übersetzungen auch vorgelesen werden.

Reverso fügt sich in Office-Dokumente ein. Unter der gewohnten Funktionsweise bei Word erschein eine weitere Leiste mit speziellen Übersetzungsfunktionen. Die Formatierung bleibt erhalten. Das funktioniert auch mit HTML oder anderen Dateien. Zu den Kunden gehören das französische Verteidigungministerium, EADS, Siemens, Bosch und die europäische Union. Die Profi-Version kostet 390 Euro pro Arbeitsplatz.

Von der Oberfläche her unterscheidet sich der Personal Translator des Münchner Unternehmens Linguatec kaum von dem Wettbewerber. Wieder zwei Fenster, wieder die gewohnte Office-Optik. Dahinter steckt aber so etwas wie der heilige Gral der Computerlinguistik. Der Personal Translator 2002, der erstmals auf der Cebit (Halle 9, F49) vorgestellt wurde und in vier Wochen auf den Markt kommen soll, kann auf ein ausgewachsenes semantisches Netz zurückgreifen. Das bedeutet, dass in der Datenbank nicht einfach Übersetzungen hinterlegt sind, sondern Beziehungen, Verweise, Hierarchien. So werden Begriffe beispielsweise éingeordnet in belebt/unbelebt, Mensch/Tier oder Mann/Frauen. Rund 200 Kategorien tief reicht das semantische Netzwerk. Der Wortschatz umfasst 620.000 Begriffe.

Dadurch sollen auch Sätze, die bisher als unübersetzbar galten, korrekt übertragen werden. Zudem werden auch Satzübergreifend die Themengebiete analysiert. So woll automatisch aus dem Zusammenhang erkannt werden, ob "key" Taste oder Schlüssel bedeutet. Bestimmte Phrasen wie "Mit freundlichen Grüßen" sind schon vordefiniert. Zudem merkt sich die Software Beispiele für gelungene Software. Die Themenbereich lassen sich quer durch alle Bereiche vordefinieren. Sie sind also keineswegs auf stark formalisierte Sprachbereich wie Medzin und Jura beschränkt.

Bei Linguatec arbeiten zehn der 30 Mitarbeiter an der Weiterentwicklung der semantischen Netze. Im wesentlichen müssen sie Sinnbezüge mit Hand geknüpft werden. Die meisten Wettbewerber drehen die Augen zur Decke, wenn sie auf semantische Netze angesprochen werden. Bei dieser Methode müsse zuerst viel Arbeit reingesteckt, bis auch nur irgendetwas sinnvolles herauskommt.

In der Tat stünde die Idee der semantischen Netze überhaupt nicht zur Debatte, würde solch ein Projekt heute angegangen, gibt Linguatec-Geschäftsführer Reinhard Busch zu. Das Netzwerk und der Parser, der die eingehende Sprache in Strukturen zerlegt, ist eine Mitgift der ehemaligen Mutter IBM. Anfang der neunziger Jahre begannen Wissenschaftler, das Weltwissen zu mindest in bestimmten Themenbereichen zu katalogisieren. Rund 200 Mann-Jahre, schätzt Busch, sind in das projekt geflossen. Damit besitzt Linguatec seit der Ausgründung aus IBM 1998 einen Schatz, den sich kein Unternehmen gleicher Größe leisten könnte.

Den Personal Translator für PCs ist ab 49 Euro zu haben, die Profi-Version kostet 249 Euro. Im Internet gibt es eine kostenlose Übersetzungsseite unter www.linguatec.net . Dort können sich Nutzer von der Übersetzungsleistung überzeugen - allerdings begrenz auf 2000 Zeichen pro Durchlauf. Der WirtschaftsWoche-Slogan "Nichts ist spannender als Wirtschaft" wird korrekt in "Nothing is more thrilling than economy" wiedergegeben. Ein einfacher Test, an dem vor wenigen Jahren aber noch Reihenweise digitale Dolmetscher scheiterten.

Der Personal Translator übersetzt unter www.linguachat.de auch Chats in Echtzeit. Zudem ist eine Version für PDAs zu haben. Dabei wird die Rechenarbeit aber nicht vom Gerät, sondern vom Server erledigt. Unternehmen können den Server auch für 5000 Euro lizensieren und so ihren sämtlich Mitarbeitern via PDA oder Intranet den Übersetzungsdienst anbieten. Die Kundenliste von Linguatec umfasst von Adidas über Deutsche Telekom bis zu Volkswagen die Mehrheit des Dax.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%