Digitale Musik
Plattenfirmen glauben nicht an Einigung mit Napster

Trotz signalisierter Gesprächsbereitschaft des Napster-Chefs scheint eine außergerichtliche Einigung nicht in Sicht. Die Plattenfirmen wollen nun ihre Musik selbst über das Internet vertreiben.

Reuters MÜNCHEN/LOS ANGELES. Plattenfirmen schätzen die Chancen auf eine außergerichtliche Einigung mit der Online-Musiktauschbörse Napster als gering ein. "Ich kann mir spontan eine außergerichtliche Lösung schwer vorstellen", sagte Thomas Stein, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft und Deutschlandchef der Bertelsmann-Tochter BMG, am Dienstag in München. Auch aus US-Branchenkreisen verlautete, eine Einigung sei unwahrscheinlich. Napster ist zurzeit weiter in Betrieb, nachdem ein Strafaufschub am Freitag das gerichtlich angeordnete Abschalten verhindert hatte. Der Verband der US-Plattenindustrie (RIAA) - Mitglieder sind unter anderen BMG und Sony Music - beschuldigt Napster der Musik-Piraterie.

Napster-Chef Hank Barry hatte am Wochenende der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, er halte eine außergerichtliche Einigung im ersten größeren Verfahren über Urheberrechte im Internet für möglich. Branchenexperten sagten dagegen, die vorläufige Betriebserlaubnis für Napster werde möglichen Verhandlungen den Garaus machen. Offiziell wollten sich die großen US-Plattenfirmen nicht zu der Sache äußern. Auch Stein sagte, er könne nicht bestätigen, dass bereits Verhandlungen stattfänden.

Es hieß allerdings in der Branche, dass selbst ein gerichtliches Verbot von Napster keinesfalls verhindern könne, dass Internet-Surfer Musik austauschen. Auch Stein sagte, es werde vermutlich immer einen Weg geben, Musik illegal über das Internet zu verbreiten.

Musikindustrie hat zu langsam auf Internet reagiert

Nach Ansicht vieler Experten hat die Musikindustrie den Fall Napster teilweise selbst zu verantworten, weil sie nicht schnell genug auf das Internet reagiert habe. Viele Firmen setzten auf eine gemeinsame Initiative gegen illegale Kopien, die Secure Digital Music Initiative (SDMI), deren Umsetzung nur langsam vorankommt.

Der Internet-Analyst Lee Black von Webnoize beschrieb den Napster-Fall folgendermaßen: "Die Plattenfirmen werden sich langsam klar darüber, dass sie selber aggressive Strategien zur Verteilung von Digitaler Musik starten müssen. Bertelsmann will nach den Worten von Bereichsvorstand Andreas Schmidt im August über das Internet Musik verkaufen, die nicht kopiert werden kann.

Napster hat nach eigenen Angaben etwa 20 Mill. Nutzer, die Musikdateien im Internet suchen und auf der Internetseite des Unternehmens mit anderen Mitgliedern tauschen. Die Datenmengen der Musikstücke werden durch das so genannte MP3-Verfahren reduziert, so dass die Übertragung auf den eigenen Computer schnell möglich ist.

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