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Digitaler Siegeszug: Agfa verkauft Kleinbild-Fotosparte

Der Fotopionier Agfa legt seinen knallroten Kleinbildfilm nach mehr als einem Jahrhundert in andere Hände: Die Fotosparte inklusive Fotopapier, Fotochemikalien und der Laborgeräteproduktion wird an Finanzinvestoren und Agfa-Manager für 175,5 Mill. € verkauft.

dpa MORTSEL/LEVERKUSEN. Der Fotopionier Agfa legt seinen knallroten Kleinbildfilm nach mehr als einem Jahrhundert in andere Hände: Die Fotosparte inklusive Fotopapier, Fotochemikalien und der Laborgeräteproduktion wird an Finanzinvestoren und Agfa-Manager für 175,5 Mill. ? verkauft.

Das gab Europas führender Bildtechnik-Spezialist Agfa-Gevaert am Donnerstag im belgischen Mortsel bekannt. Mit diesem Verkauf zeichnet sich ein Arbeitsplatzabbau bei der neuen Agfaphoto ab. In Leverkusen arbeitet von 1000 Mitarbeitern derzeit jeder Dritte kurz wegen mangelnder Nachfrage bei Kleinbildfilmen.

Der Agfa-Gevaert-Konzern will alle Kräfte auf die verbleibenden Bereiche Grafische Systeme für die Druckindustrie und Medizintechnik lenken. Diese Sparten werden von der Digitaltechnik getrieben. "Wir sind jetzt in einer Position, schneller zu agieren, um unsere Stellung als einer der führenden Akteure auf den Imaging-Märkten der Zukunft zu festigen", sagte Vorstandschef Udo Verhoeven. Im vergangenen Jahr verkaufte Agfa-Gevaert bereits die Konzernsparte Zerstörungsfreie Materialprüfung an den US-Konzern General Electric.

Die Investoren kündigten an, dass die Kosten bei Agfaphoto weiter gesenkt werden sollen. Eine Möglichkeit sei dabei auch, Randbereiche auszugliedern oder zu verkaufen, sagte Investoren-Sprecher Hartmut Emans. Wie viele Arbeitsplätze wegfallen, stehe nicht fest. "Es wird weniger sein, als viele denken." Die Mitarbeiterzahl werde deutlich über der Marke von 2000 bleiben. Derzeit beschäftigt die Fotosparte knapp 2900 Arbeitnehmer, davon 2100 in Deutschland. Standorte stünden nicht zur Disposition. Agfaphoto werde kein Großkonzern, sondern eine eher mitteständische Unternehmensgruppe mit Sitz in Leverkusen sein.

Mit dem Verkauf der Fotosparte verschwindet der Agfa-Kleinbildfilm aber nicht vom Markt. Die Investoren können den bekannten Markennamen für unbegrenzte Zeit als Lizenznehmer für Filmprodukte nutzen. Dem Vernehmen nach war der Verkauf der Fotosparte vor drei Jahren unter anderen an dieser Frage gescheitert. Verhoeven nannte als Hauptgründe die damals engen Verflechtungen im Konzern und Veränderungen in der Aktionärsstruktur. Mehrheitseigentümer der Agfaphoto Gmbh wird mit 55 % die Nanno Beteiligungsholding von Emans und seiner Familie sein. 25 % halten Manager und den Rest US-Finanzinvestoren.

Agfa brachte 1936 eigenen Angaben zufolge den ersten modernen Farbfilm auf den Markt. Das seit 1897 eingetragene Warenzeichen ist eine Kurzbezeichnung aus den Wörtern "Actien-Gesellschaft für Anilin- Fabrikationen". Das erste Agfa-Fotoprodukt war 1889 ein Entwickler. Im Jahr 1964 schloss sich die deutsche Agfa mit der belgischen Gevaert Photo-Producten zur Agfa-Gevaert-Gruppe zusammen. Im ersten Halbjahr 2004 rutschte die Fotosparte tiefer in die roten Zahlen. Der Spartenumsatz ging angesichts des Digitalbooms und eines Preisverfalls um fast 18 % auf 363 Mill. ? zurück.

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