Digitales Fernsehen und das Gespenst Malone
Die D-Box steht vor dem Aus

Die Macher des deutschen Digital-Fernsehens sind aufgeschreckt. Hektisch diskutieren sie die neuen Möglichkeiten und Märkte. Die Tage der D-Box scheinen gezählt.

KÖLN. Ein Gespenst geht um bei den Machern des deutschen Digital-Fernsehens: John Malone. Der Chef von Liberty Media hat in der vergangenen Woche die letzten sechs verbliebenen Kabelnetze der Deutschen Telekom gekauft. Die Branche ist aufgeschreckt, weil John Malone mit seiner Liberty Media nicht nur als Kabelnetzbetreiber auftreten, sondern auch Inhalte für das Digitale Fernsehen anbieten wird. So ist Liberty Media unter anderem an den Kabelkanälen Discovery Channel, USA Networks und QVC, am Telefonanbieter Sprint PCS und AOL-Time beteiligt.

Porträt: John Malone gilt als begnadeter "Dealmaker"

Heute trafen sich die Gestalter des zukünftigen Digitalen Fernsehens in Deutschland auf dem Podium des Medienforums NRW in Köln. Interessant zu beobachten: Fast über Nacht wurden neue Bündnisse geschlossen. So sprachen Vertreter des Privat- und Bezahlfernsehen und Abgesandte des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens mit einer Stimme. Die Angst treibt die alten Spieler im deutschen Markt um, Liberty Media könnte sie mit eigenen Inhalten und einer eigenen Decoder-Technik aus dem Markt drängen.

Die D-Box vor dem Aus

Ein Instrument ist der so genannte "Common Interface". Diese offene Schnittstelle soll den diskriminierungsfreien Zugang zu den Programmen gewährleisten. "Wir wollen auch unsere D-Box auf eine breitere Basis stellen", erklärt plötzlich Ferdinand Kayser, Geschäftsführer von Premiere World. Der "Common Interface" war jahrelang Streitpunkt zwischen den Öffentlich-Rechtlichen Fernsehanstalten und Premiere World gewesen. Herbert Tillmann, Technischer Direktor vom Bayerischen Rundfunk, springt ihm zur Seite: "Eine gemeinsame technische Plattform ist die Voraussetzung für den Erfolg des Digitalen Fernsehens." Tillmann fordert dies aus gutem Grund. Bislang konnte nur ein Bruchteil der 2,2 Millionen Zuschauer des digitalen Fernsehangebots der ARD die interaktiven Möglichkeiten nutzen. Zahlen wollte Tillmann nicht nennen.

Kabel NRW erhält neuen Namen

Trotz aller Bemühungen der Premiere-Leute ergibt sich bereits eine erste Konsequenz aus dem Engagement der neuen Kabelnetzbetreiber in Deutschland: Die Tage der D-Box sind gezählt. "Wir verhandeln nicht mit Kirch über die Einführung der D-Box in den Kabelnetzen in NRW," sagt David Coley, Chef der Kabel NRW. Kabel NRW, ein Callahan-Unternehmen, hatte im vergangenen Jahr die Kabelnetze der Telekom für NRW und Baden-Württemberg gekauft. Der Kabelnetzbetreiber ist somit neben Liberty Media der zweite große Player in Deutschland. In NRW sollen bis Ende des Jahres 100 000 Haushalte an das Digital-Fernsehen angeschlossen werden - darin eingeschlossen sind ein Breitband-Internet-Zugang, Kabeltelefonie und ein Video-on-Demand-Service. Kabel NRW hat in NRW 4,2 Millionen Kunden und will Ende dieser Woche unter neuem Namen seine zukünftige Produktstrategie verkünden.

Ein neues Monopol droht

Der Markt wird also zwischen den zwei großen Betreibern Liberty Media und Callahan aufgeteilt, eine Monopolisierung des Marktes droht. Für den Zuschauer bedeutet das jedoch noch nicht, dass er diesen Anbietern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Hans Hege, Direktor der Medienanstalt Berlin Brandenburg, sieht diese Gefahr nicht. Der Kunde könne jederzeit auf die Satellitenbetreiber ausweichen, sagte Hege. "Der Kunde reguliert mit seiner Entscheidung den Markt", meint der Medienwächter.

Wie die Fernsehlandschaft der Zukunft aussehen wird, darüber waren sich die Teilnehmer des Diskussionsrunde auf den Medienforum alles andere als im Klaren: "Es ist noch zuviel Nebel in der Küche", meinte Lutz Mahnke, Vorsitzender des Interessenverbandes F.U.N.

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